Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 89 — sierung des jüdischen Gemeindelebens eintreten, bürgt doch hierfür der als erster Kandidat auf unserer Liste stehende bisherige i. Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, der auch ein Vorkämpfer der politischen Demokratie in unserer Vaterstadt ist. Um das Ergebnis vorwegzunehmen, hatte auch diese letzte Finte ihren Zweck verfehlt, die Wähler erkannten, daß den Vereinigten jüdischen Parteien der Wille zum religiösen Fortschritt fehlt, ja daß in ihnen der Keim zur Vernichtung der jüdischen Religionsgemeinde verborgen liegt. Die Liste der Gegner konnte nur 818 Stimmen auf sich vereinigen und von den 21 Repräsentantensitzen können wir Liberale 15 Sitze einnehmen, so daß auch in diesem Repräsentantenkollegium die liberale Partei über die Zweidrittel Majorität verfügt. Mari hat uns aus rechtsstehenden liberalen Kreisen vorgeworfen, daß die Liberalen nicht mit solcher Schärfe gegen die zionistische Richtung hätte vorgehen sollen. Es ist deshalb notwendig, daß hier noch einmal auf diesen Vorwurf, der auch von der Gegenseite erhoben wurde, näher eingegangen wird. Es wurde uns unterstellt, daß wir nur aus Angst oder aus Herrschsucht gegen den Zutritt der Zionisten in die Repräsentanz gewesen wären. Für jeden Einsichtigen, der die Entwicklung im zionistischen Lager unvoreingenommen betrachtet, steht es fest, daß die Entwicklung ihrer Forderungen dahingeht, die jüdischen Religionsgemeinden in nationale Volksgemeinden umzuwandeln. Schon längst sind doch die Zeiten Herzl's dahin, wo man vielleicht noch mit einem gewissen Schein von Berechtigung vom Zionismus als von einer sozialen Richtung hat sprechen können, heute kann man es aus jeder der so zahlreichen zionistischen Festreden heraushören, besonders klingt es aus den Reihen der zionistischen Jugend heraus, daß der Zionismus keine „Rachmonespartei" ist, sondern eine Partei des hebräischen Nationalgedankens. Wer sich restlos über zionistische Gemeindewünsche aufklären lassen will, der braucht nur einmal die Wiener jüdische Arbeiterzeitung nachzulesen, deren Artikel noch so oft von den zionistischen Führern abgeschüttelt, doch als Ausfluß der zionistischen Theorien beachtenswert sind. Wir wollen in unserem deutsch-jüdischen Gemeindeleben auf Reinlichkeit und Ehrlichkeit halten. Wir begrüßen es, daß jede religiöse Richtung im Verhältnis ihrer Anhängerschaft in der Gemeinde ihre Vertretung in der Repräsentantenversammlung findet, wir wollen dann ehrlich dafür eintreten, daß den Wünschen jeder Richtung nach Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse Rechnung getragen wird, wir müssen aber aus