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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-05-01 · Heft 5 (Mai 1920) · p. Seite 85

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 5 (Mai 1920)
Date
1920-05-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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— «5 — Wenn man die Taufe bekämpfen will, darf man nicht, wie es zumeist geschieht, allein gegen die politischen und wirtschaftlichen Ursachen ankämpfen; vor allem ist nötig, die psychologischen Gründe zu verstehen, die den Weg zur Taufe ebnen, und dagegen Abhilfe zu schaffen. Erst wenn es gelingt, so viele junge Juden von ihrer seelischen Zerrissenheit zu befreien, werden wir verhindern können, daß oft gerade die Besten das Judentum verlassen. U^nd daß dieses Mittel Erfolg hätte, kann dtirch ein Beispiel bewiesen werden. Die Jugend, die nach dem Grunde ihres Seins fragte, fand eine Antwort, die die seelischen Zerwürfnisse* mit einem Schlage beseitigte, in einer Bewegung, die, zwar nach neuen und nicht minder irrealen Zielen strebend als eine Religion des Idealismus, doch die Begründung ihrer Ziele herleitete aus dem Grunde unseres Daseins selber. Der Zionismus fragte: Warum sind wir Juden, und antwortete: Weil eben unser jüdisches Dasein eine geschichtliche, besser, eine natürliche Tatsache ist. Und damit fand er auch alsbald die Antwort auf die Frage des Wozu. Wozu sind wir da? Zu dem gleichen Zwecke, zu dem jedes Geschöpf da ist. Der Baum in der Natur hat keinen anderen Zweck als den, Baum zu sein. Er ist da, und mit seinem Dasein ist sein Zweck gegeben. S o sind wir Juden. Weil wir da sind, ist die Frage nach Warum und Wozu müßig. Wir sind, als Ganzes betrachtet, eine von den vielen Spielarten, in denen sich die Natur auslebt. Es gibt für uns nur eine Aufgabe, die, unser Dasein zu bejahen. Jede Pflanze in der Natur -hat die Aufgabe, ihr besonderes Sein zu leben, jedes Geschöpf hat den Platz auszufüllen, auf den die Natur es gestellt hat. Die Antwort auf die Frage nach unserem Ziele ergibt sich aus der Antwort auf die Frage nach unserem Woher. Seien wir Juden, weil wir Juden sind! Wir bejahen damit eine Naturtatsache, und unser Dasein ist in sich selber gerechtfertigt. Das Merkmal für die Zugehörigkeit zum Judentum war damit aus der Welt der Ideen in das Gebiet der Tatsachen gerückt. Nicht mehr ein Glaube an Sätze, die nicht befriedigen konnten, war die Voraussetzung für das Recht, sich Jude zu nennen, sondern die Tatsache des eigenen Seins allein rechtfertigte die Zugehörigkeit zum Judentum. Welch erlösende Antwort für das Geschlecht des 19. Jahrhunderts, das in der Vorstellung erzogen war, als sei das Judentum nichts anderes und wolle nichts anderes sein als eine Religionsgemeinschaft oder besser, eine konfessionelle Gemeinde.

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