Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2550626-2550633-2550637--106-2550821- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 71 — sondern muß durch die Tat sich bewähren. Das Judentum ist keine graue Theorie, sondern eine Lebensauffassung und bestimnute Lebensführung. Nun hören wir freilich den Einwand, daß unser Gottesdienst und so manche Bräuche des Judentums nicht mehr unserem Verständnis, unseren Anschauungen und unseren Bedürfnissen entsprechen. Aber wir nennen uns ja 1 i b e r a 1. Der Liberalismus muß schöpferisch tätig sein; sonst ist er unfruchtbar und nur eine Bemäntelung des Indifferentismus. Ich möchte den liberalen Rabbiner sehen, der nicht den Wünschen de*- Jugend nach einer ihren Bedürfnissen angemessenen Umgestaltung des Gottesdienstes das weiteste Entgegenkommen zeigt. Und wenn die Alten für einen solchen „reformierten" Gottesdienst nicht zu gewinnen sind, so möge ein besonderer Gottesdienst für die Jugend am Sabbath neben dem bestehenden in regelmäßigen Zwischenräumen eingerichtet werden. Aber die Jugend muß in sich die moralische Verpflichtung fühlen, diesem Gottesdienst auch regelmäßig anzuwohnen und in ihm Nahrung für ihre Lebensführung zu suchen. Diese Andeutungen mögen genügen. Kenntnis des Judentums und Uebung des Judentums — das sind nach meiner Meinung die wichtigsten Betätigungspflichten der jüdischliberalen Jugend. Werden diese Pflichten aus Ueberzeugung mit heiligem Eifer geübt, dann wird das Judentum durch die Jugendvereine blühen, wachsen und gedeihen. Die Jugend selbst wird sich in ihrem Judentume wohl fühlen, wird sich stolz zu ihm bekennen nicht bloß mit dem Munde, sondern mit der Tat, der unvergängliche Reiz und Zauber des Judentums" wird auch die Jugend gefangen nehmen, sie wird gleich unseren Vorfahren im Judentum den höchsten Schatz und das größte Glück des Lebens erblicken und selbst unter großen Opfern mutig verteidigen und die Hoffnungen auf die Anerkennung und Wertschätzung des Judentums, wie sie die Propheten ausgesprochen und zum Heile der Menschheit entwickelt haben, zu den ihrigen machen. Von der Jugend wird gelten: Heil unserer Jugend, die der frommen Vorfahren würdig sich erweist! Biblische Märchen. Von Rabbiner Dr. Norden in Elberfeld. Das Wort Thora, mit dem wir die fünf Bücher Mose kurz zu bezeichnen pflegen, wird irrtümlicherweise häufig mit „Gesetz" wiedergegeben. Thora heißt nicht „Gesetz", sondern „Lehre". „Gesetz" wäre ja auch gar nicht zutreffend