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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-03-01 · Heft 4 (März 1920) · p. Seite 69

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 4 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 69 (sequence 9)
Language
German
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— 69 - unter Leitung eines Sachkundigen über die Vorträge oder über vorher festgesetzte Themen aus der jüdischen Religionslehre und aus der jüdischen Geschichte durch Rede und Gegenrede sich aufzuklären. Welch unschätzbaren Wert es für unsere Jugend hat, wenn sich ihre Kenntnis des Judentums auf selbst erworbenes Wissen von den Lehren und der Geschichte des Judentums gründet, das bedarf keiner Auseinandersetzung. Wenn wir aus den jüdischen Quellen uns unterrichtet haben, dann können die Darstellungen der nichtjüdischen Gelehrten über Judentum und jüdische Dinge, bei denen es nun einmal ohne Voreingenommenheit zum Nachteile des Judentums nicht abgeht, bei uns keinen Schaden anrichten. Dann wissen wir selbst sie auf ihren wahren Wert einzuschätzen. Die Kenntnis der jüdischen Geschichte führt ganz von selbst zur Erkenntnis Gottes und seines Walten s. Denn der Bestand des Judentums bis zum heutigen Tage läßt sich nicht anders erklären als durch das Walten der göttlichen Vorsehung über dem Gottesvolke, und auch für Israels Berufung zum Gottesvolke läßt sich eine andere Erklärung als das, was man die göttliche Offenbarung zu nennen pflegt, nicht finden. Es ist eine bei uns Juden viel zu wenig beachtete Tatsache, die Lohr in seiner alttestamentlichen Religionsgeschichte (Sammlung Göschen 292, S. 10) also ausdrückt: „in Israel hat sich . . . eine einzigartige Entwicklung vollzogen. Das Alte Testament führt diesen Hergang auf die Offenbarung zurück, die Gott seinen Sendboten hat zuteil werden lassen. Eine andere Auffassung hiefür haben wir selbst nicht. Und erscheint es uns als ein Gebot wissenschaftlicher Wahrhaftigkeit, das heidnische Wesen in den Anfängen jener Entwicklung nicht zu verschleiern, so meinen wir doch auch andererseits, den göttlichen Faktor in der späteren Entwicklung nicht leugnen oder mit anderen Worten, den Offenftarungscharakter der alttestamentlichen Religion festhalten zu sollen/4 Muß denn das Wort Renans wahr bleiben (Geschichte des Volkes Israel, deutsch von Schälsky, V, 174): „welch merkwürdiges Volk sind doch diese Juden! Israel hat der Welt ihren Gott gegeben und glaubt selbst kaum daran; es hat die Religion geschaffen und ist selbst das am wenigsten religiöse Volk. Die ernsthaftesten Rassen glauben alles, was Israel gepredigt hat und Israel selbst lächelt skeptisch darüber/' Den Gott, der in der Geschichte unseres Volkes so deutlich und so sichtbar wirkt, werden wir leicht auch in unserem eigenen Leben finden. Es ist ein gar zu komi-

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