Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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_ 68 — / gesagt ist: Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen/ tuet wohl denen, die euch hassen, betet für die, so euch beleidigen und verfolgen.** Ein Vergleich der Lehren über den Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden, wie sie das „Buch der Frommen" enthält, das aus der Zeit der schlimmsten Bedrückungen und Verfolgungen der Juden stammt, mit dem Satze: „Lasset uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen" (an die Galater, 6, 10) spricht Bände. Natürlich darf 'sich die Kenntnis des Judentums nicht auf die Thci a beschränken. Die ganze Bibel, vor allem die späteren Propheten, die Psalmen usw. soll der junge Jude kennen zu lernen sich mühen. Auch die nachbiblischeii Schriftwerke dürfen ihm nicht unbekannt sein. Es bietet sich Gelegenheit genug, über des vielgeschmähten Talmud vielgeschmähte Moral sich ein eigenes Urteil zu bilden . aus wahrheitsgetreuen Uebersetzungen, aus leichtverständlichen Abhandlungen. . . . . Es müßte mit seltsamen Dingen zugehen, wenn nicht diese Kenntnis des Judentums zu seiner Wertschätzung, zur Liebe und Begeisterung für das Judentum* bei uns führen würde. Und wie schön ist's, wenn der Wunsch sich regt, die Lehren des Judentums auch in der hebräischen Ursprache kennen zu lernen und zum Studium der hebräischen Sprache antreibt! Wer die Geschichte der Juden kennt, die er aus zahlreichen großen und kleinen Werken1 studieren kann, dem muß nicht bloß Bewunderung seiner Vorfahren das Herz erfüllen, die Leib und Leben, Gut und Blut für ihren Glauben hingaben, die, beseligt durch ihrefi Glauben, die schwersten Leiden und Bedrückungen geduldig, ja mit freudigem Stolz ertrugen, der wird zur Nacheiferung sich angetrieben fühlen und den Ahnen an Treue und Anhänglichkeit und Opferwilligkeit für das Judentum gleich zu komrnen sich bestreben. Wir sind ja wohl bemüht, alle diese Kenntnisse unserer Jugend in der Schule zu vermitteln. Aber ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich annehme, daß der Schuljugend noch das nötige Verständnis fehlt für das, was ihr in dieser Beziehung die Schule bietet. Auf der Grundlage des Religionsunterrichts., der nicht gut genug sein kann; muß die Jugend selbständig weiterbauen. Sie darf sich nicht begnügen mit den Vorträgen, die sie von Zeit zu Zeit über jüdische Dinge von Fachleuten zu hören bekommt. Wenn es irgend möglich ist, dann möchte ich gerade den Jugend vereinen empfehlen, auf berufsmäßige Redner zu verzichten, sie nur in Ausnahmefällen einzuladen, dagegen es den Mitgliedern zur Pflicht zu machen, abwechselnd selbst Vorträge zu halten und