Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 66 — ein „Gotteshaus mit Orgel" zu betreten oder darin zu „beten". Die Hinwegwälzung der Sünde war eine-Tat, eine rettende Tat. War eine reinliche Scheidung zwischen Buchstabengläubigen und denen, die an Entwicklung glauben. War aber doch letzten Endes eine Sammlung der Judenheit,. eine Erneuerung religiösen Lebens. War ein Glück! Katz-Rybnik. Die Betätigungspflichten der jüdisch-liberalen Jugend, Von Rabbiner Dr. Einstein, Landau (Pfalz). Richtlinien Aufzustellen ist im Grunde genommen nicht allzu schwer. Aber schon wenn es sich darum handelt, eine Anzahl Gleichgesinnter für die Richtlinien zu gewinnen und um sie als ein wehendes Banner zu scharen, dann zeigen sich so viele Nuancierungen in der Auffassung und Auslegung der Richtlinien, daß sie nur deshalb Richtlinien genannt zu werden verdienen, weil man sich nach ihnen n i c h t richtet. Wenn hier der Versuch gemacht wird, in großen Zügen die Betätigungspflichten der jüdisch-liberalen Jugend kurz aufzuzeichnen, so soll durchaus nicht von der Aufstellungvon Richtlinien die Rede sein. Es ist nur die Meinungsäußerung eines einzelnen, dem Zeit seines Lebens und Wirkens das Wohl und Gedeihen des Judentums am Herzen gelegen ist, eine Meinungsäußerung im Sinne der Einführung; in diese Blätter (Nr. 2, August 1919). Für die jüdisch-liberale Jugend sollen die Betätigungspflichten aufgestellt werden. Da ist die erste Forderung: Lerne das Judentum kennen! Aber das ist doch eine Selbstverständlichkeit, die nicht in das Gewand einer Grundforderung gekleidet zu werden braucht l Nur gemach! Es i s t keine Selbstverständlichkeit, es sollte eine sein. Wir haben so viele Juden — namentlich unter den liberalen Juden —, die nicht laut genug ihre Liebe und ihre Treue zum Judentum beteuern zu können glauben. Aber abgesehen von einer rühmlichen Opferwilligkeit für jüdische Unternehmungen ist nicht viel davon zu merken. Und ich fürchte fast: wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Aber die Jungen sollten besser zwitschern, damit sie auch einmal bes ser singen können, damit sie nicht bloß Juden dem Namen nach bleiben und Mitläufer werden, deren einziges Verdienst ist, daß sie ihre jüdischen Steuern zahlen und das Jüdentum nicht gegen die jetzt so beliebte Konfessions^ losigkeit, wenn nicht gar gegen die Taufe umtauschen.