Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 3 (März 1920)
- Date
- 1920-03-01
- Page
- Seite 47 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 47 — überlieferten Sitten heilig sind, daß ich unangegrtffen mich nie in verletzender Form gegen die Orthodoxie wenden will, aber das Lehensinteresse des Liberalismus erfordert .es, diese Rücksicht nicht zu üben, wenn es sich darum handelt, für unsere eigenen Gebetsstätten den würdigen Rahmen und den unseren veränderten Auffassungen gemäßen erneuerten Inhalt zu suchen. Wenn Herr Woyda mit vollstem Rechte darauf hinweist, daß in Berlin sich kaum eine Synagoge findet, die einen liberalen Gottesdienst aufzuweisen hätte, wenn er sieht, wie dadurch tausende Juden dem Indifferentismus in die Arme getrieben werden, wenn es ihm so als wahrhaft liberalen Juden unmöglich gemacht wird, eine Stätte der Erbauung zu finden, so kann man sein scharfes Vorgehen verstehen. Wenn auch seine Ausdrucksart: „uns ergreift ein Grauen bei dem jetzigen Gottesdienst" absolut unangemessen erscheint und Herr Naumann recht hat, wenn er dagegen Stellung nimmt, so muß doch andererseits betont werden, daß unser Gottesdienst mehr sein muß als eine Stätte, in der pietätvolle Gedanken in uns wachgerufen werden; wenn religiöses Leben in ihr herrschen soll, muß all das bei Seite gestoßen werden, was von vornherein den Keim der Religiosität in uns liberalen Juden unterdrückt. Woydas unbestreitbares Verdienst ist es in unseren Blättern das Problem so aufgerollt zu haben, daß eine lebhafte Debatte sich leicht anknüpfen konnte, und ich gebe mich der Hoffnung hin, daß sie nunmehr in durchaus sachlicher Form durchgeführt werden wird. Fritz St oll - Breslau. Ewiges und Vergängliches. Von candius Arthur Lilienthal (Iii - Berlin). Auf der letzten Delegiertenversammlung des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands hat Herr Dr. Isi Kahn den Liberalen — nur diese können je gemeint sein — vorgeworfen, daß sie es wären, die immer nach außen schielten, die immer nur Anleihen machten bei anderen Religionen, die immer beim Protestantismus auf Borg ausgingen, anstatt, wenn sie schon einmal entwickeln wollten, aus dem Judentum und durch das Judentum entwickelten. „Es gibt Wahrheiten, die unentwickelbar sind, dieweil sie feststehen, und dieses letzte Ewigkeitsprodukt in sittlicher Höhe darstellen. So denken wir über das Wesen der jüdischen Religion." Diesem Ausfall gegenüber ist es wohl angebracht, unseren liberalen Standpunkt wieder einmal darzulegen. „Es. gibt Wahrheiten, die unentwickelbar sind", dem wird auch jeder liberale Jude zustimmen müssen, der an die ewige Geltung des Judentums glaubt. Wenn alles entwickelt, wenn alles verändert wird,