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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. Seite 46

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 3 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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— 46 - Das möge die liberale Jugend der andersgewöhnten verkünden, wenn diese die Schuld an dem Niedergange der Religiosität ihr aufbürden möchte. Das Gegenteil trifft zu: Die Heiigsprechung und -Haltung der Zäune führt zur Gedankenlosigkeit, zur Verwechslung von Echtem mit Unechtem und darum zur Irreligiosität. Wahre Religion ehrt den Kern und nicht die Schale. Katz - Rybnik. Unser Gottesdienst. Der Artikel Bruno Woydas in der November-Nummer unserer Mitteilungen, betitelt „Unser Gottesdienst", hat letzthin eine scharfe Erwiderung seitens des ersten Vorsitzenden des Liegnitzer Iii, Herrn Robert Naumann, gefunden. Die Erwiderung richtet sich lediglich gegen die Form des Artikels, ist aber trotzdem selber in einer derartig schar* fen Tonart gehalten, daß sie mir Veranlassung gibt, doch entschieden darauf hinzuweisen, daß wir unsere Sache schädigen und hier insbesondere das Niveaü unserer Zeitschrift senken, wenn wir unsere Polemik mit solchen Mitteln führen, wie es hier leider der Fall war. Unsere Schriftleitung ist — glücklicherweise — durchaus liberal und schwingt nur ungern den Zensurstift. Sie weiß, daß man den hier und da überschäumenden Eifer jugendlicher Autoren nicht durch rote Tinte ersticken darf. Aber aus diesem Grunde ist es nun unsere Sache, etwas Selbstzucht zu üben. Nun zur Sache: Ich gestehe gern, daß auch mich die Form des Woydaschen Aufsatzes nicht angenehm berührt hat. Die Angelegenheit selbst ist zu ernst, als daß sie anders als in ernsthaftester Weise behandelt werden darf. Aber eins müßte Herr Naumann doch gefühlt haben: daß der ganze Aufsatz nichts weiter ist als ein Aufschrei der Empörung gegen die Zwangsfesseln eines veralteten Systems. Dieses System hüllt sich gegen uns in den Schleier der Pietät ein, man verlange daß* wir es ehren, weil es seit alters her überliefert ist. Das tun wir gern und darum war auch manches im Artikel des Berliner Iiiführers unangebracht. Aber wir sehen überall, daß die Orthodoxen und Konservativen nicht bloß sich darauf beschränken, nach ihrer Weise in ihren Gebetsstätten den Gottesdienst einzurichten, sondern wir alle selber sind gezwungen, auch unseren Gottesdienst mehr oder weniger in der überlieferten Form abzuhalten. Es ist heute fast unmöglich, in einer liberalen Synagoge einen wirklich liberalen Gottesdienst einzurichten. Bei jeder Reform, die von uns eingeführt werden soll, kommt die Gegenseite sofort mit dem Einwand der verletzten Pietät, der erforderlichen Rücksichtnahme auf konservative Elemente. Ich erkläre nochmals, daß mir die

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