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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. Seite 43

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 3 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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- 43 — Selbstbehauptung. Aber wie kraftvoll ynd seiner gewiß wuchs dieses Selbst, in dem .es umkämpft und schließlich gerettet ward. In Todesnot lebte diese Nation ihr wahrhaftiges Leben, ihr Dasein, dessen Sein und Seele sie sich damals im innerlichsten begriff. Wenn schon nicht Frieden, sondern Krieg, wohl denen, die wissen, um welche Ziele sie bluten, daß diese Ziele die eigenen sind! So bleibt uns Chanukka das ewige Symbol des hoffnungsvollen Kampfes einer Minderheit für ein heiliges Jdeal. Und der ganze Ruhm tapferer Wehr für eine eigene als groß und hehr empfundene Wesenheit krönt für immer die Gestalt Juda Makabbis. Aber das ist nur die eine Seite unseres Schicksals und unserer Natur. Die andere, die Kehrseite, heißt Purim. Dem Buche, Ester, das die Geschichte des wankelmütigen Despoten Ahasverus, seines hochmütigen und rachsüchtigen Veziers Haman, der schönen und klugen Ester und ihres bedachtsamen Oheims Mordeachai erzählt, ist es zum Tadel angerechnet worden, daß es als einzige der biblischen Schriften nicht den Namen Gottes nennt, selbst dort nicht, wo sein Verschweigen wie gekünstelter Zwang vorkommen muß. In der Tat: die Idee, um deren willen Israel allein ist und einsam bleibt, der zuliebe es anders sein will wie die anderen Völker, erscheint hier in fernsten Hintergrund entflohen. Nicht Kampf ums Leben, weil dieses Leben dem erhabensten Gedanken geweiht, Krieg für ein heiliges Gut, weil dieses Gut in seinem Bestände von außen her bedroht ist, sondern Rettung des nackten Daseins vor Bosheit und Haß. Hier kehrt sich Feindschaft gegen die Juden, nicht um ihnen ein ihnen fremdes Glauben und Denken aufzuzwingen, sondern um sie mit Stumpf und Stiel auszutilgen, weil sie von der umringenden Menge als „anders" empfunden werden. Im Makabbäerkampf steht Idee gegen Idee, Geist gegen Geist. Und die Schwerter, die sie gegeneinander geschmiedet haben und widereinander schwingen, sind, so wenig innere Kraft und äußere Gewalt auch zusammenstimmen, doch gedeiht durch einen großen und heiligenden Zweck. Die Form des Streites aber ist die offene Feldschlacht. Was den Judenhasser Haman gegen Israel waffnet, ist kleinlicher Haß, Tücke, Hochmut: einer aus dem Judenvolke hat ihm Idie beanspruchte abgöttische Verehrung geweigert. . Sein .Kampfgerät ist Verleumdung, Hofintrige, Lug; und was ihn schließlich zu -Boden streckt, kluge Benutzung der Blöße, die sich der Höfling vor dem Despoten gegeben. , Im Makabbäerschicksal Heldenkampf der Geister mit den Werkzeugen der ehrlichen Schlacht, in der Estergeschichte Abwehr eines geplanten Judenpogroms auf dem schlüpfrigen Gelände eines

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