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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. Seite 42

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 3 (März 1920)
Date
1920-03-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
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— 42 — den ältesten Tagen bis auf diese Stunde hindurch, daß im Rückprall von den Mauern und Grenzwälle», die uns von den anderen schieden, das Gefühl der eigenen Persönlichkeit mächtig anschwoll, in Weh und in Freude, beklagt oder begrüßt, nicht irrtmer seiner selbst klar, aber stets seiner gewiß und selbstsicher. Wir haben zwei in ihrer gottesdienstlichen Stellung ähnliche Feste, die uns von zwei verschiedenen Seiten her den zum Schicksal gewordenen Charakter unserer Gemeinde in der Feier historischer Erinnerungen vor die Seele halten: Chanukka und Purim. Beide feiern Errettungen; das Makabbäerfest das Gedächtnis der Erlösung von Gewissensbedrängnis und Religionsverfolgung, das Losfest das Andenken an eine wundersame Fügung, welche die Folgen feindlicher Bosheit und Heimtücke vom Haupte unserer Ahnen gnädig ableitete. Beide bringen die sich über unser ganzes Bewußtsein verästelnde niemals schweigende Empfindung ans Licht, daß wir mit unserem jüdischen Sein, immer afT einer bedrohten Grenze lagern, daß wir uns nie in unbefangenem Genuß unseres Eigens des Daseins freuen dürfen, sondern zu ewiger Abwehrstellung verdammt sind. Und wie es von der Grenzlinie aus gesehen ein Draußen und ein Drinnen gibt, so bilden die beiden Feste gleichsam die Orientierungspunkte unseres Auges nach den zwei Grundrichtungen hin, in denen das! jüdische Gefühl sich seiner selbst bewußt wird. Chanukka versinnlicht den positiven Gedanken. Israelitisches Wesen prallt mit fremdländischem zusammen, mit dem griechischen Geist, und empfängt aus dieser Begegnung die klare Anschauung seiner selbst. Freilich wird ihm diese Selbsterkenntnis in den Makabbäertagen nicht schwer gemacht. Denn das Gut stand auf dem Spiel, das man als die großartigste, die klassische Leistung des eigenen Volkstums empfand, das sich längst als die Seele des jüdischen Wesens kundgetan: die Religion der Väter, der Glaube an den einen unbildlichen Gott, die Reinheit der seiner Offenbarung entstammten sittlichen Erkenntnis. Nicht blindes sprachloses dumpfes Gefühl' des Andersseins und Alsandersempfundenwerdens stieß mit einem ebenso seines inwendigen Gehaltes unklaren, sich nur schlechthin als fremd erfassenden Bewußtsein zusammen. Sondern laut erscholl und deutlich vernommen wurde der Schlachtruf: Hier der eine ewige Gott! — hier Zeus! Hier griechische, hier jüdische Art! Der helle Glanz der Idee leuchtete unserem Volke in die Seele hinein. Es fühlte aufs stärkste, daß es sich abhob; fühlte es aber nur, weil es deutlich und sicher empfand, was es war, was es an sich und in sich besaß. Es war ein Lebenskampf um die

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