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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
Seite 27 (sequence 7)
Language
German
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— 27 - funden hat, andererseits aber findet, obschon es ein biblisches Gebot ist, das Schatnisverbot, Wolle und Leinen zu mengen, nur bei wenigen Juden bewußte Anwendung und beweist da- . mit, daß auch der Bau des religiösen Gesetzes selbst in gesetzestreuen Kreisen nicht unverrückbar ist. Aber gerade die sittliche Forderung der steigenden Kultur führt auch zu Ansichten, die denen der alten biblischen Zeit entgegengesetzt sind. Das gilt von den Strafen, die im Sinne ihrer Zeit waren, das gilt aber ebenso von der Polygamie, der die heutige Anschauung gleicher geschlechtlicher Moral für Mann und Frau gegenüber stehen, obschon nicht verkannt werden darf, daß gerade die geschlechtliche Moral der Bibel eine für ihre Zeit sehr hohe ist, die nur durch die allgemeinen Anschauungen des Orients von denen unserer Zeit differierten. Aus allen diesen Erwägungen leitet die reformejische Richtung ihr Recht ab, auch fortdauernd Kultus und Gesetz mit der gegenwärtigen Kultur in Uebereinstimmung zu bringen, nicht sprunghaft, nicht willkürlich, sondern in voller Uebereinstimmung mit dem sittlichen Gefühl der Zeit. Diesen Bestrebungen liegt der Wunsch zugrunde, die Religion lebendig zu erhalten, sie einheitlich mit dem inneren Fühlen zu gestalten. Unantastbar sind die Ethischen Vorschriften des Judentums, die an innerem Gerechtigkeitsgefühl und an Menschenliebe keine Zeit und .keine Religion übertrifft. Aber diese Ethik muß, soll die Religion wirklich wirksam sein, sich aus ihrem sittlichen Gehalt für alle Handlungen von selbst ergeben, ohne daß es für das Tun und Lassen konkreter Vorschriften bedarf. Soll die Religion den Menschen derart erfüllen, dann darf sie nicht als etwas Fremdes, zum Teil Unverstandenes, zum Teil mit den eigenen Anschauungen nicht Uebereinstimmendes an den Einzelnen herantreten, sie muß in allen Lagen des Lebens unseren inneren Empfindungen entsprechen. Durch alle Religionen geht in unseren Tagen der gleiche Zug. Innere Religiosität ringt mit der äußeren Form, nur der Liberalismus kann diesen Konflikt zur Lösung führen. Seit Moses Mendelsohn besteht im Judentum dieses Ringen in verstärkter Form. Israel Jacobson, Präsident des Konsistoriums in Cassel, versuchte als erster, den Gottesdienst der Zeit anzupassen, Leopold Zuntz begründete die Erforschung der Wissenschaft des Judentums, Abraham Geiger und Samson Raphael Hirsch versuchten in grundlegenden Reformen, den Gottesdienst zu, einer Erhebung des Geistes und des Gemütes zu gestalten. Sie forderten eine Eindämmung des starren Zeremonialgesetzes und stärkere Betonung der pro-

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