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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. Seite 26

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
Seite 26 (sequence 6)
Language
German
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— 26 — Jahren Reform wär, unbewußt verschieben sich die Grundsätze auch der gesetzestreuen Richtung. Was hier unbewußt erfolgt, geschieht bewußt durch die reformatorische Richtung, welche fälschlich mit einem, dem politischen Leben entlehnten Worte, die liberale genannt wird. Ihr ist, im Gegensatz zu der orthodoxen Gruppe, die Offenbarung nicht im Worte, sondern im Geiste erfolgt. Schleiermacher hat diesen Gedanken einmal wundervoll ausgeführt, wie tief religiösen Naturen sich Gott bei ihrem Suchen nach dem Göttlichen offenbart. Wenn die Bibel schildert, wie Gott im brennenden Dornbusch Mose als Derjenige bewußt wurde, der immer war und stets sein wird, als der Ewige unter allem Vergänglichen, wie dem Propheten Elia sich das Göttliche nicht in dem Sturm und der Gewalt, sondern in der Milde erschloß, so fühlten die anderen Propheten das Göttliche in ihrem Innersten. „Kehre zurück, oh mein Gott, in den Körper dieses Kindes" sagt Elia, als er das Kind der Witwe neu belebt, die menschliche Seele ist erfüllt von dem Hauche des Göttlichen. „Horch, es sagt: Verkünde!" „Ich sage: was soll ich verkünden?" „Alles Fleisch ist Gras," „Feldblumen gleich seine Schönheit." „Gras verdorrt' und Blume verwelkt," „Bläst des Ewigen Odem es an," „Gras dorrt und Blume welkt," „Doch Gottes Wort bleibt ewig." So sagt der Prophet Jesaias. Was aber ist Gottes Wort? Ewiges Schaffen. Auf das; Wort Gottes entstand nach der Schilderung der Bibel die Welt, auf sein Wort ward Licht aus der Finsternis; auch in dem Geiste des religiösen Menschen wird auf sein Wort Licht. So offenbart sich ihm Gott. Darum verkünden die Propheten Gott als Herrn des Rechts und der Gerechtigkeit. Wie kündet der Prophet Arnos laut, daß nicht die Feste, nicht die Feiertage, nicht die Opfergaben das Entscheidende seien, um in Gottes Wegen zu wandeln. „Möge vielmehr Recht sprudeln wie Wasser und Gerechtigkeit wie ein nimmer versiegender Bach!" Nicht der Kultus, sondern die sittliche Forderung ist die Religion der Propheten. Auch der Talmud zieht diese Folgerung, wenn er lehrt, daß ein Segensspruch ohne Dankesgefühl eine Entweihung sei. Aber nicht immer hat die sittliche Forderung, die sich mit der Kultur der Zeiten wandelte, auch in dem religiösen Gesetz seinen Ausdruck gefunden; so gilt die unsittliche Scheidungsform des Get offiziell noch immer, obschon sie zwar hier in dem Landesgesetz ihre Grenze praktisch ge-

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