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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. Seite 25

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
Seite 25 (sequence 5)
Language
German
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- 25 — Glaubens, in friedlichem Zusammenleben und Werken der Menschenliebe seine vornehmsten Regeln schätzten. So finden wir in dieser Zeit eine Gruppierung, die derjenigen unserer Tage ähnlich ist, und die Vergangenheit vermag es wohl, uns zum Führer für die Zukunft zu werden. •Was die Peruschim jener alten Tage, ist heute die gesetzestreue Richtung, die, von der wörtlichen Offenbarung in Thora und Talmud überzeugt, die religiöse Verbindlichkeit eines jeden Wortes aufrecht erhält. Zur Zeit der Peruschim waren zwar in Gesetz und Kult bereits schwerwiegende Aenderungen erfolgt. Schon während des babylonischen Exils wurden Neuerungen vorgenommen, die den veränderten Zeitverhältnissen entsprachen, ja die moderne Bibelforschung glaubt mit Sicherheit festgestellt zu haben, daß das Deuteronomium eine im Jahre 621 geschaffene Gesetzessammlung der reformatorischen Partei sei, die dem Könige als aufgefundenes altes Gesetz übergeben wurde, und die seitdem als fünftes Buch Mose gilt, dessen gesetzliche Bestimmungen tatsächlich auch vielfach einen humanitären Fortschritt gegenüber dem dritten Mosebuche bedeuten. Die Zusammenfassung durch Esra zu der heute gegebenen Form war sicherlich auch mehr als eine Zusammenstellung. Ganz besonders aber die Propheten wenden sich gegen ein Aufrechterhalten der Gebräuche ohne inneres Erlebnis, wie es eintreten muß, wenn das individuelle Gefühl nicht mehr mit dem Ritualgesetz in Uebereinstimmung steht. So hatte sich wie die Weltanschauung auch das Judentum zu immer größerer Höhe entwickelt, und der Talmud war ein deutlicher Ausdruck jener Entwicklung, indem er immer mehr »den Gottesbegriff vergeistigte und zum Inbegriff aller Sittlichkeit erhob. Denn das ist ja der Inhalt aller religiösen Entwicklung, zu erkennen, daß alle sichtbaren Erscheinungen in Gott und durch Gott erfolgen, dessen ewiges Denken Schaffen ist, und der alle Begriffe, die wir Menschen als Teilbegriffe kennen, in der Vollkommenheit in sich vereinigt. Darum muß uns jede erhöhte Erkenntnis der Teilbegriffe zu einer vollkommeneren Klarheit der Gotteserkenntnis dienen, _ der die äußere Form in Kult und Religionsausübung zu folgen hat. So wurde, wie Professor Elbogen in seiner kleinen Schrift „Die Geschichte der Juden seit dem Untergang des jüdischen Staates" schreibt, der Opferdienst nach der Zerstörung des Tempels mit vollem Bewußtsein aufgehoben, weil die jüdische Religion über die Forderung des blutigen Tieropfers hinausgewachsen war. So erscheint auch heute Reform, was in hundert Jahren orthodox sein wird, und heute orthodox, was vor hundert

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