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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. Seite 22

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1920
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Date
1920-02-01
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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— 22 — Einem jüdischen Herzen sind diese Gedanken unmöglich fremd., Wir haben zu oft unter dem Eindruck gleicher Katastrophen gestanden, wie wir sie heute in dem Schicksal des deutschen Volkes erleben. So sehr man sich sträuben mag, eine Parallele zwischen Juden- und Deutschenschicksal zu ziehen, so sehr müssen wir darauf hinweisen, ohne etwa in den augenblicklichen Kampf der Geister gegen . die Juden damit für uns plädieren zu wollen. Freilich uns hat man niemals eines Waffenstillstandes gewürdigt, da man uns Waffenehre versagte, geschweige auch nur eines Friedensschlusses. Es ist immer die Tragik unserer Geschichte gewesen, daß wir überall auf Frieden bedacht, in den Hymnen unserer Gebete, in den Weisheitslehren unserer großen Meister, in den Vorbildern unserer Helden, in den Wegen unseres Wandels, oft genug um ihn betrogen wurden. Selbst wenn wir gewollt hätten, wir hätten keinen schwächlichen Frieden mit der Welt schließen können, wir hätten uns niemals zu Konzessionen verstanden. Von friedfertigster Gesinnung wurden wir immer wieder in härtesten und ernstesten Kampf hineingezwungen. Wir haben ihn aufgenommen in der Zuversicht, die aus unverwüstlicher Hoffnung auf die Zukunft besserer Zeiten, aus dem Glauben an die Menschheit, aus messianischen Regungen entspringt. Der Krieg hat die Seelen gewaltig aufgerührt. Er hat mit brutaler Hand die Pforten auf getan von Problemen, Fragen, Rätseln, die nur unter der Schwelle des Bewußtseins vorhanden schienen und nun plötzlich emportauchten. Man wäre versucht, das bekannte Schillerwort vom Kriege also zu deuten. Wenn es wahr ist, was Tausende im Kriegsdienst an sich erlebt haben, daß der Krieg uns jüdischer gemacht hat, daß er die Entfremdeten ihrer geistigen Heimat näher gebracht hat, dann bleibt ehrlichen Streitern nichts anderes übrig, als daraus die letzten Folgerungen zu ziehen. Wie viele geben sich denn die Mühe, das Judentum zu kennen, wie viele begnügen sich mit Zerrbildern, die sie irgendwelchen dunklen Quellen entnahmen, wie viele waren hoffnungslos, weil die Rassenträume letzte Verständigung zertrümmerten! Wir kehren zurück in den Frieden, aber den Frieden unserer Seelen müssen wir uns erst wieder erringen. Das kann nur geschehen, indem wir uns auseinandersetzen mit dem Judentum, mit seiner Weltanschauung, mit seinem Lebensernst, mit seinen Leistungen und Schöpfungen. Wir werden staunen über die wunderbare Lebenskraft, die in ihm pulsiert, über die sittlichen Mächte, die uns sein Dasein verständlich und erklärlich machen. Wir werden durch solche Arbeit unsere Erkenntnis vertiefen, unsere Liebe steigern und letzten Endes einer Forderung dienen,

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