Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 5 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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34 ser nicht so braucht. Rabbi Papa Sprach: Die Entscheidung ist, der sechzigste Tag ist nicht einbegriffen. Agada Tanith 5 b. Als sich einst Rabbi Nachman von Rabbi Jizchak trennte, sprach Rabbi Nachman zu seinem Genossen: Erteile mir deinen Segen. Er erwiderte: Ich will dir in einem Gleichnis antworten. Einst wanderte ein Mann in einer Wüste und kam zu einem Baum mit schönen Früchten und angenehmen Schatten, neben dem sich ein Wassergraben befand, da aß er von den Früchten, trank von dem Wasser und setzte sich in den Schatten. Als er fortging, sagte er: O Baum, welchen Segen soll ich dir erteilen, soll ich dir süße Früchte wünschen, die hast du, einen angenehmen Schatten, den hast du auch, daß neben dir ein Wassergraben sich befinde, das ist ja auch der Fall, so mögen alle deine Sprößlinge dir gleichen. Ebenso geht es dir mit mir, soll ich dir Gelehrsamkeit, Reichtum oder Kinder wünschen, dies alles besitzest du in reichem Maße. So möge es dir denn beschieden sein, daß alle deine Nachkommen dir gleichen. Fragekasten, Zu dem in der letzten Nr. der Mitteilungen veröffentlichten Abschnitt „Aus unserem Schrifttum." 1. a) Die Zinsenannahme von Ausländern ist hier erlaubt, dagegen vom Bruder, d. h. vom Landsmann, verboten. Worauf ist hier eine so scharfe Trennung zwischen Bruder und Ausländer zurückzuführen? b) Welche Bedeutung ist folgenden Sprüchen beizumessen: Die Welt kann wed,er ohne Gewürzhändler, noch ohne Qerber bestehen: doch, glücklich ist der, dessen Nahrungszweig der Gewürzljandel, und wehe dem, dessen Gewerbe die Gerberei ist. Die Welt kann weder ohne Männer noch ohne Frauen bestehen, doch glücklich ist der, dessen Kinder männlichen, und wehe dem, dessen Kinder weiblichen Geschlechts sind. 2. Wie kann man folgende Frage kurz und verständnisvoll beantworten: Welches sind die Tendenzen des liberalen Judentums? Spender-Liste. N. N., Breslau.........100.— Mk. N. N., Breslau.........10.— „ Ili-Ratibor anläßlich der Vermählung von Frl. Ruth Sommerfeld mit Herrn Erwin Preiß ...... 5.— „ B. Bartenstein, G. Fröhlich - Ratibor, Alfred Berger, Fritz Stoll-Breslau, Rechtsanw. Heinrich Stern-Berlin gratulieren- Frl. Lotte London- Liegnitz zur Verlobung, je . . 5.— „ Zur Ablösung der Neujahrswünsche aus Breslau: Meta Wollmann, Marta Haas, Ernst Baruch, Ernst Feig, N. N., je . . . . . . . 0.50 „ Verbands- und Vereinsnachrichten- Jüdisch-liberaler Jugendverein Berlin. Bericht über die Tätigkeit für die Zeit Februar bis Juni 1919. Eine größere Anzahl Vorträge führte uns in jüdische Probleme ein. Am 11. Februar sprach bei uns der Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden, Herr Dr. Bernhard Kahn, über „Die Ostjuden und ihre Bedeutung für die gesamte Judenheit".* Der Redner gab zum Verständnis der Lage der Ostjuden eine geschichtliche Ubersicht ihrer Entwicklung in geistiger und sozialer Beziehung. Dann schilderte er ihren Einfluß auf die gesamte Judenheit, der besonders durch die sehr starke Auswanderungsbewegung wirksam ist. Die Fehler der Ostjuden, die ihre Geburt dem schmutzigen Getto verdanken, werden an dem gesunden Kern der jüdischen Gesamtheit spurlos vorüber gehen und unter besseren Lebensverhältnissen schwinden. Anläßlich des Heimgangs unseres Mitgliedes, Herrn Geheimrat Professor Ludwig Geiger, sprach am 18. Februar unser Ehrenmitglied, Herr Hirschfeld, über das Thema „Ludwig Geiger und seine Zeit". Er schildert zunächst die Art Abraham Geigers., die auf seinen Sohn von großem Einfluß gewesen ist. Ludwig Geigers Verdienste um die jüdische Wissenschaft, besonders seine Geschichte der Juden in Berlin und seine Zeitschrift, wurden gewürdigt, und schließlich sein und Abraham Geigers Auftreten am Gegensatz zu Ludwig und Martin Philippsohn besonders verdeutlicht. Der Redner schließt mit einigen Beispielen, die das große Interesse des Verstorbenen für unseren Jugendverein bezeugen. Vor etwa 200 Mitgliedern und Gästen erfreute Oberkantor Davidsohn am 18. März die Erschienenen durch einen Vortrag über ,.Biblische Poesie in Wort und Ton". Die Begleitung hatte in liebenswürdiger Weise Herr Organist Levy übernommen. Am 10. April fand in der Philharmonie eine öffentliche Kundgebung gegen den Zionismus statt. Herr Rabbiner Dr. Goldmann-Leipzig stellte zunächst die Frage nach dem Wesen des Judentums und beantwortete sie darin^ daß das Judentum eine Religionsgemeinschaft sei, wenn auch daneben noch andere Zusammenhänge existierten. Der 2. Redner des Abends, Herr Rechtanwalt Dr. Wertheim, wies darauf hin, wie künstlich bei uns ein jüdisches Volkstum konstruiert wird. Die überwältigende Mehrzahl der deutschen Juden fühlt sich zum deutschen Volk zugehörig. Gewiß, wir sind keine Germanen. Aber das deutsche Volk, zu dem auch Romanen und Slaven gehören, wird auch für Semiten Raum haben. Die Heimstätte in Palästina dürfen-auch wir freudig begrüßen. Als Lösung der Juderufrage kann Palästina schon deshalb nicht betrachtet werden, weil es nur einen kleinen