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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1919-11-01 · Heft 5 (November 1919) · p. Seite 31

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1919
Issue
Heft 5 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 31 (sequence 5)
Language
German
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mer Zeugnisse tiefster Denkarbeit, erhält er von ihnen Kenntnis. Ein Schleier scheint sich vor, seinen Augen zu heben, er glaubt sich plötzlich sehend. Wenn niemand da ist, der ihm den richtigen Weg weist, geht er dem Judentum verloren. Aber finden diese jungen Juden nicht meist den Weg zu ihm zurück? Es ist wahr, dte Entwicklung geht weiter. Die meisten von ihnen können sich nicht ganz loslösen, sie fühlen noch irgend eine Bindung an das Judentum, sie werden empfänglich für den Zionismus-, sie münden in ihn ein. Juden „ohne Bindestrich" werden sie, Juden ohne Religion.^ Es ist nicht wahr, daß diese Nationaljuden, wie die noch gläubigen Zionisten es behaupten, schon wieder zur Religion zurückkehren werden. Wir glauben es nicht. Auf diesem Wege sind uns viele, sehr viele verloren gegangen, nicht die Schlechtesten. Mit Schmerz und Trauer mußten wir sie von uns lassen. Darum ergeht an den Religionsunterricht die Forderung nach offener und ehrlicher Auseinandersetzung mit Naturwissenschaft und Bibelkritik noch vor oder wenigstens zu der Zeit, wo der junge Jude gewöhnlich zu ihnen gelangt. Mit beiden können wir ein gutes Stück zusammen gehen. Um nur weniges zu nennen: Die Bibel darf fürderhin nicht mehr als göttlich bezeichnet werden, das wunderbare und sinnvolle Märchen von der Weltschöpfung muß als solches erzählt werden. Den reiferen Schülern muß offen mitgeteilt werden, daß die biblischen Geschichten von der Schöpfung bis zur Vätergeschichte nicht historisch sind, daß aber die Patriarchengeschichte wenigstens einen historischen Hintergrund hat, und daß endlich die folgenden Erzählungen auch durch die Bibelkritik in ihrer Wahrheit nicht erschüttert werden konnten. Hier folgt die Religion dieser Wissenschaft nicht mehr, wie sie auch auf dem Standpunkte stehen muß, daß die Naturwissenschaft das Rätsel vom Übergang des Unorganischen ins Organische das Rätsel der Lebepserschaffung nicht hat lösen können, daß hier also das Walten göttlicher Kräfte beginnt. Die Grenze, wo das Wissen aufhört und der Glaube beginnt, ist scharf zu ziehen. Selbstverständlich ist diese „Aufklärung" nur eine Aufgabe des Religionsunterrichtes. Die Hauptsache bleibt die Vertiefung jüdisch-religiöser Kenntnisse. Aber die Jugend muß wissen, daß die erhabenen Ewigkeitswerte, die den Kern des Judentums bilden, nicht abhängig sind von äußerem Randwerk, das Forschung heute oder morgen als ungültig erweisen kann, daß der Glauße an Gott nicht bedingt ist durch die Göttlichkeit der Bibel. Sie muß wissen, daß das Innere, wenn auch die Hüllen fallen, eins, klar und ewig bleibt. Wenn man der Jugend die Religion in diesem Lichte zeigt, dann wird sie an ihr festhalten für immer. Aber wahrlich, Zeit ist's.. HansMünzer, Königshütte. Schrifttum und Literatur. Im Monat November werden aus der Thora die Erzählungen vorgelesen von Abrahams Wanderung nach Kanaan bis zu Jakobs Rückkehr aus Haran. i. Mose 12—31. Da diese Erzählungen zur Genüge bekannt sind, unterlassen wir eine Wiedergabe daraus. Nur die folgenden Sätze wollen wir unsern Lesern vorführen, um daran den Aufbau der Thora aus verschiedenen Quellen zu zeigen. Man beachte Kap. Ii,31, wo berichtet wird, daß Therah die Absicht hatte, nach Kanaan zu ziehen, aber unterwegs starb. Sein Sohn Abraham setzte nach 12,5 die Wanderung fort. 12 1—4 dagegen berichten, daß Abraham auf einen besonderen Befehl Gottes in ein ihm unbekanntes Land gezogen sei. 1. 11, 27. Und dieses ist die Geschlechtsfolge Terahs: Terah war der Vater Abrahams,. Nahors und Harans, und Haran war der Vater Lots. 28. Haran starb vor Terah, seinem Vater, in Ur-Kasdim, dem Lande seiner Geburt. 29. Abram und Nahor nahmen sich Weiber; das Weib Abrams hieß Sarai, und das W&b Nahors hieß Milka. Der Vater der Milka und der Jiska war Haran. 30. Sarai aber hatte kein Kind. 31.. Da nahm Terah seinen Sohn Abram, seinen Enkel Lot und seine Schwiegertochter Sarai und wanderte mit ihnen von Ur-Kasdim aus, um in das Land Kanaan zu ziehen. So kamen sie bis Haran (Gharan). 32. Daselbst aber blieben sie. Terah starb in Haran, als er zweihundertundfünf Jahre alt war. 12,1 Und Gott sprach zu Abram : „Ziehe hinweg aus deinem Vaterlande und von deinem Geschlechte und von dem Hause deines Vaters und gehe in das Land, welches ich dir zeigen werde! 2. Ich werde dich zu einem großen Volke machen, und will dich segnen und deinen Namen groß machen; du sollst ein Segen sein. 3. Ich werde segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, dem will ich fluchen, mit dir werden sich alle Geschlechter des Erdreichs segnen. 4. Da zog Abram hinweg, wie ihm Gott geheißen hatte, und auch Lot ging mit ihm. Abram aber war fünfundsiebzig Jahre alt, als er von Haran auszog. 5. Er wanderte nämlich mit Sarai seinem Weibe, und mit Lot, dem Sohne seines Bruders nach dem Lande Kanaan. Auch alle ihre Habe, die sie erworben, und die Personen, die sie in Haran gewonnen hatten, nahmen sie mit sich. So kamen sie in das Land Kanaan. Die Haphtara zu den nächsten Wochenabschnitten enthalten bekannte Erzählungen nämlich Wtindererzählungen von Elisa (Sunamitin), die letzten Lebensjahre Davids und Davids Abschied von Jonathan. Zu Wajeze (1. Mose 28 ff.)" gehört Hosea 12,13 bis 14,10, woraus wir erst in Nr. 4 die schönsten Verse veröffentlicht haben. Aus der Haphtara zu Lech-lecho. (1. Mose 12 ff.) Jesaja 40 27—131 Vers 27—31: * Warum sprichst du, Jakob, und sagst du, Israel: Verborgen ist mein Weg vor dem Herrn und mein Recht entgehet meinem Gotte! Weißt du's nicht? Hast du nicht gehört? Ein Gott der Ewigkeit ist der Herr, er hat die Enden der Erde gesckaffen, er ermattet nicht; seine Vernunft ist uöerforschlich. Er gibt dem iMüden Kraft, verleiht dem Ohnmächtigen große Stärke. Knaben ermatten und ermüden, Jünglinge straucheln; aber die

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