Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1919)
- Date
- 1919-10-01
- Page
- Seite 23 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Verheißungsvolle Anfänge sind vorhanden. In Hamburg zuerst, dann in Königsberg und Frankfurt a.' M. sind diese Verbände aller Jugendvereine geschaffen worden und haben bereits begonnen, fruchtbare Arbeit zu leisten. Sie treten mit ge-' meinsamen Kundgebungen an die Oeffentliehkeit, lassen Redner jeder Richtung zu Wort kommen, um sich gegenseitig über ihre verschiedenen Ziele aufzuklären. Sie können eine gemeinsame Bibliothek sich schaffen, ein gemeinsames Vereinshaus gründen, in dem jedem Verein besondere Räume zur Verfügung stehen und ein großer Saal für die allgemeinen Vorträge, welche Jeden interessieren, vorhanden seih muß. Fragen der Iugenderziehung, der Abwehr des Antisemitismus, Belehrung über das Judentum, sein Wesen und seine Geschichte werden genug gemeinsames Material zu fruchtbarer Arbeit der Gesamtheit bieten. Die wirkliche innere Befruchtung,- Anregung und Erziehung des Einzelnen aber muß den Sondervereinen überlassen bleiben ebenso wie die Diskussionen im Anschluß an die Vorträge, und die Stärkung eines positiv gerichteten jüdischen Willens, seine Umsetzung in die bauende Tat zur Erreichung des einmal gewählten Zieles. Diese Arbeit von unten herauf, die an jedem Ott einzusetzen hat, kann mächtig gefördert werden durch die Gründung einer Zentralorganisation, welche die gesamte jüdische Jugend umfassen muß. Sie kann durch ein gut geleitetes Büro, durch reichliche Geldmittel, durch eine Zeitschrift und Aufstellung klarer Arbeitsprogramme, durch gegenseitigen Austausch von Erfahrungen der Arbeit der Unterorganisationen an den einzelnen Orten die gemeinsamen Zielpunkte weisen. Hier liegt eine Aufgrabe, weit und lockend genug, die der neutrale Verband der Jugendvereine Deutschlands sich setzen müßte. Die Zeit ist reif dazu, Gegenwart und Zukunft des Judentumes erfordern es. Möge dieser Ruf nicht ungehört verhallen, mögen alle, die an verantwortlicher Stelle stehen, erkennen, wohin die Notwendigkeit der Entwicklung sie treibt. Mögen sie sich nicht scheuen ihren Irrtum .einzugestehen und mit ihrem unfruchtbaren Neutralitätsprinzipr zu brechen zu gunsten des wahren lebenverheißenden. Dr. Erwin Seligmann. Schrifttum und Literatur, Aus der Bibel. In den nächsten Wochen feiern wir am 10. Tischri (4. Oktober) Jomkippur (Versöhnungstag), vom 15. bis 21. Tischri (9. bis 15. Oktober) Sukkaus (Laubhüttenfest), am 22. und 23. Schemini azeres und Simchas-thora (Schlußfest und Thora- Freudenfest). Am 30. September wird das Lied vorgelesen, das Moses nach dem Bericht der Bibel vor seinem Tode den Israeliten überlieferte. Der Sabbath wird nach dem ersten Worte der Haphtarah (Hosea 14) Sabbäth Schuwo genannt. Am 18. Oktober wird der Anfang der Thora, die Schöpfungsgeschichte sowie die Erzählungen von Adam bis Noah vorgelesen. Am 25. Oktober die Erzählungen von Noah bis Abraham. Wir nehmen an, daß jeder unserer Leser an den Feiertagen die Synagoge besucht und so den Thora- und Prophetenabschnitt kennen lernt. Merkt auf, ihr Himmel, ich will reden; die Erde höre meines Mundes Worte! Es träufle wie Regen meine Lehre, es fließe meine Rede wie Tau, wie Regenschauer aufs Grüne, wie Regengüsse aufs Gras! Den Namen des Ewigen will ich verkünden; gebt unserm Gott die Ehre! Der Hort — sein Tun ist ohne Fehl, denn-alle seine Wege sind Gerechtigkeit; ein Gott der Treue sonder Trug, gerecht und redlich ist er. ' Gedenke doch der Tage der Vorzeit, betrachte die Jahre vergangener Geschlechter! Frage deinen Vater, daß er dir's verkünde, deine Alten sie werden dir's sagen. Deuteronomium 32, 1—4, 7. O kehre zurück, Israel zu dem' Ewigen, deinem Gotte, denn du strauchelst durch deine Schuld. Nehmet Worte mit und wendet Euch jzu dem Herrn, sprechet zu ihm; alle Schuld vergib, und lasse Güte walten; wir wollen statt der Farren das Opfer unserer Lippen bringen! Assur soll uns nicht helfen, wir wollen * nicht auf Rossen reiten, und unserer Hände Werk nicht mehr" unsere Götter nennen, o du, bei dem die Waise Erbarmen findet! Ich will sie von ihrem Abfall heilen; gern will ich sie lieben, denn mein Zorn hat sich von ihm ab* gewandt. Wie Tau will ich sein für Israel, es soll blühen wie die Lilie, und Wurzel schlagen wie der Libanon. Hosea 14, 1—4. Dieses ist die Entstehungsgeschichte des Himmels und der Erde, da sie geschaffen wurden, wie es nämlich war zur Zeit, da Gott, der Herr, Erde und Himmel machte. Kein Gesträuch des Feldes war noch auf der Erdfc, und kein.Kraut des Feldes sproßte noch hervor; denn Gott, der Herr, hatte noch nicht regnen lassen auf die Erde und der Mensch war noch nicht da, daß er den Erdboden bebaue. Aber ein Dunst stieg auf von der Erde und tränkte die ganze Oberfläche des Erdreichs. Da bildete Gott, der Herr, den Menschen aus Staub von dem Erdboden, und hauchte in seine Nase den Odem des Lebens; so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Genesis 2, 4—7. So spricht der Gott, der Ewige, der die Himmel geschaffen, sie ausgespannt, der die Erde gebreitet mit ihren Sprossfen, der Odem gibt dem Volk auf ihr, und Geist den auf ihr Wandelnden: Ich, der Ewige, habe dich berufen im Heile, ich fasse deine Hand, ich wahre dich, ich mache dich zum Bund ' der Völker, zum Lichte der Nationen, blinde Augen zu öffnen, aus dem Kerker Gefangene zu führen, aus dem Hause der Haft, die in Finsternis wohnen. 1 J e s a j a 42, 5—7.