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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1919-10-01 · Heft 4 (Oktober 1919) · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1919
Issue
Heft 4 (Oktober 1919)
Date
1919-10-01
Page
Seite 20 (sequence 2)
Language
German
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20 allen Kräften helfen, wieder seßhaft zu werden; das isf aber nicht das Ende, sondern der Anfang jüdischen Lebens. Wir wollen die Erneuerung des Judentums, dazu aber brauchen wir nicht ein neues #Haus zu bauen, sondern wir müssen uns selbst umschaffen und umgießen. Füllen wir uns mit der Freude am Judentum, erleben wir .eine wahrhaft Simchas-Tauroh, so werden wir unser Zion finden auch hier in unserem Vaterlande.' Zur Jugendbewegung! Das darf nicht länger so bleiben! Sollen wir unser Zutrauen zur Kraft, zur inneren Stärke des liberalen Judentums verlieren? Sollen wir die Hoffnung aufgeben, daß'unsere „Bewegung" eine wirkliche Bewegung sei? In uns drängt es nach vorwärts, wir wollen kämpfen, aber wir wollen keinen Stillstand, wir wollen auch Erfolge sehen. Lange genug bestehen jetzt schon unsere 5 Vereine, aber das ist auch alles. Ständig erzählt man uns, die jüdisch-liberale Bewegung sei die stärkste unter den deutschen Juden, man prahlt mit der Zahl unserer Anhänger, aber was bedeutet dies? Fast nichts! Und warum? Der allergrößte Teil dieser Anhänger sind Leute-„im besten Mannesalter44, aber leider haben diese Leute immer sehr viel Zeit (es sei keineswegs zu ihrem Nachteil gesagt) für ihr Geschäft, und wenig für ihre Ideale übrig. Dazu braucht man Jugend. Ideale und Jugend sind zwei nicht voneinander zu trennende Dinge, das beweist die Geschichte aller idealen Bestrebungen; ich nenne nur das deutsche Freiheitsideal und die Burschenschaftler, ich erinnere an die zionistische Bewegung, die auch nur in der Jugend die Masse der begeisterten Kämpfer findet. Und bei uns ist es selbstverständlich genau ebenso. Ich sehe es ja alle Augenblicke mit eigenen Augen, wie* im liberalen Hauptverein und bei uns im Jugendverein gearbeitet wird. Und deswegen sage ich, daß, solange unsere jüdisch-liberale Bewegung keine wahre Bewegung sein wird, solange nicht überall, in allen Orten, wo unser Gedanke Aussicht auf Erfolg hat — die Jugend gibt Pflege und Weiterverbreitung unserer Idee überhaupt die ganze Arbeit für das liberale Judentum in die Hand genommen hat. Es hilft eben nichts, es müssen überall, wo es nur irgend geht, schnellstens jüdisch-liberale Jugendvereine gegründet werden, die in unsere Arbeitsgemeinschaft eintreten, von uns bestehenden Jugendvereinen Anregungen empfangen und wie wir . zu arbeiten versuchen. Wie das gemacht werden soll? Nun, so schwierig ist doch das nicht. Aeltere jüdisch-liberale Herren gibt es doch genug. Von diesen wird doch in einer Stadt wenigstens einer soviel Jugendlichkeit und Zeit aufbringen können, um eine wenn auch noch so kleine Zahl junger Leute durch unsere Idee begeistern oder auch nur anregen zu können, drei genügen schon, denn „Tres faciunt collegium" auch jetzt noch im neuen Deutschen Reich. Ist erst einmal der Verein gegründet, so bin ich felsenfest davon überzeugt, daß die jungen Leute, wenn sie nur auch geistig und nicht bloß körperlich jung sind, allein für sich sorgen werden. Sie werden neue werben, und es werden sich bald von selbst geistige Leiter der Bewegung finden, die die Organisation und Führung in die Hand nehmen. Ferner gibt es z. B. so und so viele liberale Rabbiner, durchdrungen, begeistert, Führer der liberalen Bewegung, aber dazu, in ihrer Gemeinde der Bewegung durch Gründung von Jugendvereinen erst den rechten Schwung zu verleihen, raffen sie sich nicht auf. Und wie leicht wäre es für sie. Sie stehen gewöhnlich mit der Jugend in enger Verbindung, haben das notwendige Wissen und erforderliche Ansehen. Aber ich weiß ganz genau, wo der Haken sitzt. Da wollen sie den „Frieden in der Gemeinde" nicht antasten, um den sich Orthodoxe und Zionisten den Teufel scheren. Da sind sie am Ende in neutralen Jugendvereinen, und da haben sie noch zwanzig andere Rücksichten zu nehmen, ehe sie den einzig richtigen Weg beschreiten, um unserer Idee zum Siege zu verhelfen. — Was übrigens die neutralen Jugendvereine anbetrifft, so liegen mir die schon lange auf der Seele und ich werde im nächsten Heft an dieser Stelle die Gelegenheit ergreifen, um über sie ein Wörtchen Deutsch zu reden. — Was aber diese Zeilen anbetrifft, so hoffe ich, daß sie den Erfolg haben, jedem, der Bekannte oder Beziehungen in einem Orte hat, wo sich ein Iii auftun könnte, energisch ans Gewissen zu greifen und daß er sich sofort hinsetzt, um seiner Pflicht als liberaler Jude zu genügen. E. M. Neutralität, Die äußerlich stärkste jüdische Jugendorganisation Deutschlands, der Verband der jüdischen Jugendvereine, hielt am 15. Juni in Berlin seine Delegiertenversammlung ab, in deren Mittelpunkt das Problem der Aufrechterhaltung des Neutralitätsprinzips stand. Der Vorsitzende Dr. Apfel hatte beantragt, „die Pflege eines bewußten Judentums auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung" als Verbandstendenz in dem § 1 der Satzungen festzustellen. Dieser Antrag wurde von der Mehrzahl der erschienenen Vertreter als antizionistisch und unneutral bekämpft. Vor allem aber auch darum — und diese Ansicht kehrte bei den meisten der Diskussionsredner wieder —, weil es überflüssig sei, die deutschvaterländische Gesinnung, die der Verband in zehnjähriger Wirksamkeit betätigt habe, ausdrücklich hervorzukehren! In der Sache, so hieß es, sei sich der ganze Verband einig, nur das kompromittierte Wort „deutschvaterländisch" müsse notwendig Anstoß erregen. Um die Einheit des Verbandes nicht an einer unglückseligen Terminologie scheitern zu lassen, wurde schließlich der Antrag Dr. Apfel zurückgezogen und eine Einigung dahin erzielt, daß § 1 der Satzungen mit dem Bekenntnis zur Neutralität in der

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