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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1919-09-01 · Heft 3 (September 1919) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1919
Issue
Heft 3 (September 1919)
Date
1919-09-01
Page
Seite 15 (sequence 5)
Language
German
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15 biete, du und deine Kinder, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele: so wird der Ewige, dein Gott, deine Gefangenen zurückführen, und sich deiner erbarmen und dich wieder sammeln aus allen Völkern, unter die er dich zerstreut hat. Wenn deine Verstoßenen am Ende des Himmels wären, so wird doch der Ewige, dein Gott, dich von dort sammeln und von dort dich holen. Auerbach, Seite 167, Deut. 30, 15, 16. Siehe, ich habe dir heute vorgelegt, das Leben und das Gute, den Tod und das Böse. Ich gebiete dir heute, den Ewigen, deinen Gott, zu lieben, in seinen Wegen zu wandeln, seine Gebote, Satzungen und Rechte zu beobachten, auf daß du lebest und dich mehrest, und der Ewige, dein Gott, dich segne in dem Lande, in das du kommst, um es einzunehmen. Auerbach, Seite 48, J e s a i a 60, 1, 2. Auf und leuchte! Denn dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit Gottes strahlt über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkelheit die Völker; aber über dir.strahlt Gott, und seine Herrlichkeit wird über dir geschaut. Aue r.b ach, Seite 48, J e s aia 60, 18—22. Fortan wird die Sonne nicht mehr dein Licht am Tage sein, und wird der Mond dir nicht zum Glänze leuchten; sondern es wird der Herr dir ein ewiges Licht sein, und dein Gott wird dir zum Schmucke sein. Deine Sonne wird nicht mehr untergehen, und^dein Mond wird nicht verschwinden; dieweil der Herr dir ein ewiges Licht ist und deine Trauertage vorüber sind. Und alle in deinem Volke werden Gerechte sein; ewiglich werden sie das Land besitzen. Sie sind die Sprößlinge meiner Pflanzung, meiner Hände Werk, durch welches ich verherrlicht werde. Der Kleine soll zu Tausend werden, und der Geringe zum mächtigen Volke; ich, der Herr, will es schnell vollbringen zu seiner Zeit. Aus dem Talmud. 1. Aggadisches. Wer ist weise? Der da lernt von Jedermann. Wer ist reich? Wer sich mit dem begnügt, was ihm beschieden ist. Wer ist stark? Der sich selbst bezwingt. Wer ist geehrt? Wer andere ehrt. (Spruch des Ben Sorna. Pirke Aboth. 4,1.) Wohler ist dem, der Vorrat von Brot im Korbe hat, als dem, der leere Körbe hat. (Joma 74.) Die Welt kann weder ohne Gewürzhändler, noch ohne Gerber bestehen; doch, glücklich ist der, dessen NaHrungszweig der Gewürzhandel, und wehe dem, dessen Gewerbe die Gerberei ist. Die Welt kann weder ohne Männer noch ohne Frauen bestehen, doch glücklich ist der, dessen Kinder männlichen, und wehe dem, dessen Kinder weiblichen Geschlechts sind! (Kidduschin 82.) Wo man mit deinen Worten sparsam umgeht (wo sie Eingang finden), sei verschwenderisch mit ihnen. Wo man deine Worte verschwendet (nicht auf sie hört), sei sparsam mit ihnen. Berachoth 65.) Der gemeine MJensch drängt sich überall vor. (Megillah 12.) 2. Halachisches. Baba Kamma Blatt 61 Mischna: Wenn jemand auf seinem Gebiete Feuer anzündet, wie weit darf er die Flammq brennen lassen? Rabbi Eleasar ben Asarja sagt: Man sieht es so an, als ob es sich in der Mitte einer Fläche befindet, auf der man ein Kar (Maßbezeichnung) Getreide ausgesät hat. R. Elieser sagt: Sechzehn Ellen weit, gleich der Breite eines öffentlichen .Weges. R-. Akiba sagt: 50 Ellen. R. Simon sagt: Der soll bezahlen, der das Feuer angezündet hat, je nach der Beschaffenheit des Feuers (d. h. welchen Schaden es angerichtet hat). Gemara: Gibt es denn nach R. Simon für Beschädigungen durch Feuer kein bestimmtes Maß? Es wird ja gelehrt: Man darf einen Backofen in einem Hause nur dann aufstellen, wenn darüber ein freier Raum von vier Ellen vorhanden ist, in einem Obergemach nur, wenn der Estrich darunter drei Handbreiten stark ist, für einen Kochherd genügt eine Stärke von einer Handbreite. Ist ein Schaden entstanden, so hat der Eigentümer des Ofens den Schaden zu ersetzen. Rabbi Simon sagt, diese Maße sind nur bestimmt, damit er frei, wenn Schaden entsteht. Rabbi Nachmann sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Alles richtet sich nach dem Umfang des Feuers. Rabbi Joseph sagte im Namen Rabbi Jehadas im Namen Samuels : Die Entscheidung (Halacha) ist nach der Meinung des Rabbi Simon. Ebenso sagte Rabbi Nachmann im Namen Samuels: Die Entscheidung ist nach der Meinung des Rabbi Simon. Etwas über den Entwickelungsgedanken im biblischen Schrifttum, Von Robert Hirschfeld. Einer der Unterschiede zwischen dem religiösfortschrittlichen (liberalen) und dem traditionellgesetzestreuen (orthodoxen) Judentum liegt in der Auffassung von der Bibel. Das orthodoxe Judentum erklärt die Bibel für ein Werk, das unmittelbar aus der Hand Gottes hervorgegangen ist, von Gott seinen Propheten buchstäblich diktiert oder wenigstens buchstäblich eingegeben (inspiriert) ist. Es betrachtet demnach jedes Wort der Bibel für unbedingt richtig, für'den Menschen bindend und von gleichmäßiger Wichtigkeit, gleichviel, ob es sich um ein ethisches oder rituelles Gesetz handelt, gleichgültig ob von einer Handlung aus dem Leben Abrahams berichtet wird, oder eine wunderbare Geschichte aus dem Leben Elisas. Alles ist buchstäblich wahr, alles ist gleichmäßig verpflichtend. Das liberale Judentum dagegen sieht in der Bibel zwar auch ein Buch, an das wir nur mit ehr-

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