Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 3 (September 1919)
- Date
- 1919-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Gleichberechtigung der Juden auf den Schlachtfeldern geblutet, die das Wahlrecht zu den Volksvertretungen erhalten hat, wollte man dieser Jugend das Mitbestimmungsrecht in ihren religiösen Angelegenheiten vorenthalten? Nein, das dürfen wir Jungen uns nicht gefallen lassen! Wir haben uns freiwillig die Aufgabe gestellt, das, was die vorige Generation versäumt hat, nachzuholen, das Judentum neu zu beleben. Würden wir uns feige dieser Arbeit entziehen, so würden wir eine Pflichtverletzung, eine Lüge uns selbst gegenüber begehen; das dürfen wir um unseretwillen nicht, wir dürfen es aber auch um der Zukunft des Judentums willen nicht. Sehen wir nicht klar vor Augen, \vas das vorige Geschlecht durch seine Gleichgültigkeit an uns gesündigt hat, wie es das Alte dahingehen ließ, ohne etwas Neues zu schaffen? Könnten wir es verantworten, an der Erhaltung eines Zustandes mit zu helfen, an dessen Schaffung wir nicht beteiligt waren und dessen Bestehen wir für verderblich halten! Das können wir nicht, denn wir haben ein warnendes Beispiel: Vestigia terrent! Denn wir glauben, daß die Jugend nicht von der Mitarbeit an dem Gemeindeleben ausgeschaltet werden darf, weil überhaupt keine Gemeinschaft, die bestehen will, auf die Mitarbeit der Jugend verzichten kann. Es täte zumal unseren jüdischen Gemeindekörperschaften gut, wenn die zögernde Besonnenheit .der Alten durch die Begeisterungsfähigkeit der Jugend ergänzt würde. Gerade die liberale Jugend darf jetzt nicht schweigen; denn wir glauben, nur durch die Ausbreitung des liberalen Gedankens könne das Judentum lebensfähig erhalten werden. Der Liberalismus ist von jeher, da tr den Standpunkt der Entwicklung vertritt, revolutionär gewesen im besten Sinne des Wortes; revolutionär ist die Jugend. Schaltet man die Jugend aus, so muß der liberale Gedanke verkümmern, und die Zukunft des Judentums ist untergraben. Nein, um des Judentums, und damit der Menschheit willen - dürfen wir uns nicht beiseite schieben lassen, müssen wir arbeiten und müssen wir kämpfen! Das Ziel können wir einzig und allein erreichet, wenn das Judengesetz von 1847 beseitigt wird, nur dann ist eine Arbeit und ein Kampf für den Fortschritt überhaupt möglich. Da die Jugend allein nicht in der Lage ist, dahingehende Schritte zu unternehmen, so müssen wir auf die maßgebenden jüdischen Zentralstellen in unserem Sinne einwirken, um möglichst bald freie Bahn für die Entfaltung unserer Kräfte zu gewinnen. Es genügt aber nicht, das Alte aufzuheben, ohne etwas Neues zu schaffen. Daher müßte ein Rahmen geschaffen werden, innerhalb dessen die Gemeinden ihre Angelegenheiten selbständig regeln könnten. Denn eine wirkliche Erneuerung des jüdischen Gemeindelebens ist nicht möglich, wenn alle, auch die kleinsten Gemeinden, ihre Angelegenheiten völlig unabhängig ordnen; dies würde eine Zersplitterung und einen zwecklosen gegenseitigen ' Kampf zur Folge haben. Daß die Grenzen des zu schaffenden Kahmens aber so weit gesteckt werden müssen, daß er den Anforderungen der neuen Zeit entspricht, ist selbstverständlich. Nur auf dem Boden von Gemeindeverfassungen, die aus Neuem heraus geboren, für das Neue bestimmt sind, läßt sich ein neues jüdisches Gemeindeleben aufbauen; und so haben besonders wir, die jüdisch-liberale Jugend, die Pflicht, anzukämpfen gegen den Geist des Alten. Ohne angestrengte Arbeit ist ein Erfolg nicht möglich, denn : „Es erben sich Gesetz und . Rechte wie eine ew'ge Krankheit fort!" Schrifttum und Literatur. An den Sabbathen im September wird aus der Thora vorgelesen Deut. 16, 18—31, 30, die Prophetenabschnitte sind dem Propheten Jesaia, Kapitel 51, 52, 54, 60 und 61, entnommen. Die Vorlesungen am Neujahrsfeste kann jeder aus seinem Gebetbuch ersehen. Auerbach, Seite 157, Deut. 16, 19, 20. Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst kein * Ansehen kennen und keine Bestechung nehmen; denn Bestechung blendet die Augen der Weisen und verkehrt die Worte der Gerechten. Auerbach, Seite 160, Deut. 20, 1—9, 19, 20. Wenn du ausziehest zum Kriege wider deine Feinde und siehest Rosse und Wagen (und die Menge) eines Volkes, das zahlreicher ist als du: so fürchte dich nicht vor ihnen; denn der Ewige, dein Gott, ist mit dir, der dich herausgeführt hat aus dem Lande Ägypten. Es geschehe aber, wenn ihr zum Kampfe schreitet, so trete der Priester heran und rede zu dem Volke, und spreche: „Höre, Israel! Ihr schreitet nunmehr zum Kampfe wider eure Feinde; euer Herz sei nicht verzagt, fürchtet euch nicht, seid nicht mutlos und erschrecket nicht vor ihnen. Denn der Ewige, euer Gott, ist es, der mit euch zieht, um für euch zu streiten wider eure Feinde und um euch zu helfen." Dann sollen die Vorsteher zu dem Volke reden und sprechen: „Ist einer, der ein neues Haus, gebaut und es noch nicht eingeweiht hat? Er gehe und kehre zurück in sein Haus, daß er nicht sterbe im Kriege und ein anderer Mann es einweihe! Ist einer, der einen ' Weinberg gepflanzt und noch nicht die erste Weinlese darauf gehalten hat? Er gehe und kehre zurück in sein Haus, daß er nicht sterbe im Kriege und ein anderer Mann darauf die erste Weinlese halte! Oder ist einer, der sich einem Weibe verlobt und sise noch nicht heimgeführt hat? Er gehe und kehre zurück in sein Haus, daß er nicht sterbe im Kriege und ein anderer Mann sie heimführe!" Außerdem aber sollen die Vorsteher noch hinzufügen und zu dem Volke sprechen: „Ist einer, der furchtsamen oder zaghaften Herzens ist? Er gehe und kehre zurück in sein Haus, daß nicht das Herz