Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 2 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Veranstaltungen statt. In der ersten sprach unser zweiter Vorsitzender Herr Erich Bayer über das Thema „Der jüdische Liberalismus als Religionsauffassung und Bewegung." An dem zweiten und dritten Abend sprach Herr Dr. Albert Wolf über „Zweck und Ziele der jüdisch liberalen Jugendbewegung" und über „Die Strömungen in der jü- dischen Jugendbewegung". In weiteren Mitgliederversammlungen behandelte erstens Herr Dr. Albert Wolf das Ergebnis der Berliner Tagung der Arbeitsgemeinschaft und des Vorstandes der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland. Weiter sprach Herr cand. jur. Löb über „Die rechtliche und soziale Stellung der deutschen Juden bis zur Emanzipation"; ferner referierte Herr Alfred Bielschowsky über „Die Abänderung der Statuten der Synagogengemeinde zu Breslau". Bei diesem letzten Abend trat deutlich zu Tage, daß die augenblicklich von den Gemeindekörperschaften vorgenommenen Abänderungen in völlig unzulänglicher Weise den berechtigten Wünschen unserer Jugend Rechnung tragen. Dem Wunsche eines Teils unserer Mitglieder entsprechend veranstalten wir allsonntaglich Ausflüge.. Über die von uns gemeinsam mit dem hiesigen liberalen Hauptverein veranstaltete öffentliche Versammlung, in der Herr Rabbiner Dr. Kellermann über da Thema „Die Zukunftskraft des religiösliberalen Judentums" sprach, berichten wir besonders. St. Tätigkeitsbericht des jüdisch-liberalen Jugendvereins Frankfurt a,M. Unser neues Vereinsjahr begann am 21. Januar mit einem überaus zahlreich — auch von Zionisten — besuchten Vortrag des Herrn Dr. Eduard Strauß über „Der Zionismus in seiner gegenwärtigen Gestalt". Der Redner, der den Zionismus als romantische Bewegung, unbekümmert um die politischen Tagesstreitigkeiten von höchster Warte aus beleuchtete, wußte mit seinen packenden Ausführungen derart zu fesseln, daß selbst von zionistischer Seite, von einigen pöbelhaften Entgleisungen abgesehen, keine ernsthafte Widerlegung versucht werden konnte. Herr Dr. Strauß wird seine Ansichten über den Zionismus demnächst zusammengefaßt veröffentlichen. — Am 10. Februar fand eine weitere Diskussionsversammlung über das Thema: „Strömungen und Probleme des Zionismus" statt, bei welcher an Stelle des damals verhinderten 'Rabbiner Dr. Seligmann Rabbiner Dr. Lazarus und nochmals Dr. Strauß sprachen, indem sie diesmal mehr auf die akuten politischen Probleme eingingen. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung fandam 27. Januar statt. Die Neuwahlen des Vorstandes brachten keine Veränderungen in der bisherigen Zusammensetzung. Nur an Stelle einiger freiwillig ausscheidender Mitglieder traten als Schriftführerin Frl. Else Neumeyer, als Beisitzer Herr Erwin Baer und Frl. Elisabeth Mayer- Scherer. Herr Mosbacher wurde, einige Zeit später, als beratendes Mitglied kooptiert. Der Mitgliedsbeitrag wurde für ordentliche Mitglieder auf drei Mark jährlich erhöht. In der Folgezeit nahmen unsere Mitglieder an neun Lehrvorträgen teil, welche unsere hiesigen liberalen Rabbiner an Sonntagvormittagen im Februar, März und April in der Synagoge an der Königsteiner Straße hielten. Drei dieser Vorträge beschäftigten sich mit der Thora (Die Erzählungen, das Gesetz, die Lehre — Rabbiner Dr, Seligmann), drei mit der Prophetie (Ursprünge und Anfänge, Assyrierzeit, Babylonierzeit — Rabbiner Dr. Lazarus), drei mit den vermischten Schriften der Bibel (Lyrische, Epische, Didaktische Poesie — Rabbiner Dr. Salzberger). Der 23. Februar vereinte die Mitglieder zu einem gemütlichen Tee mit Tanz, wobei eine humorvolle Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Salzberger sowie die Rezitation jüdischer Gedichte die Veranstaltung in den Rahmen unseres Vereinszwecks stellte. Am 8. März fand, gemeinsam" mit sämtlichen Frankfurter jüdischen Jugendvereinen eine große Kundgebung über das Thema: „Autorität und Freiheit' statt, bei welcher vier Redner aller Richtungen sprachen. Es hat sich nämlich, erfreulicherweise, eine Übereinkunft der jüdischen Jugendvereine aller Richtungen erzielen lassen, wo-' bei sowohl die Agudas Jisroel, wie die zionistische Jugendorganisation, wie auch die neutralen Organisationen, im Ganzen 22 Vereine, sich beteiligten. Von Zeit zu Zeit finden zur Betonung der Einheitlichkeit des Judentums gemeinsame Veranstaltungen der gesamten jüdischen Jugend über neutrale jüdische und ethische Themata statt. Die Redner sprechen frei von jedem Parteistandpunkt, eine Diskussion ist verpönt. Sie soll nachher im Kähmen jedes einzelnen Vereins stattfinden. Der Besuch dieser Veranstaltungen und ihr moralischer Erfolg war bisher außerordentlich gut. Der zweiten derartigen Kundgebung diente der 24., April mit dem Thema „Jüdische Jugend und Sittlichkeit". Anschließend daran fand eine geschlossene Sondervorstellung des BjörnsonschenTendenzstückes „Der Handschuh" von den Künstlern des Neuen Theaters für die Frankfurter jüdischen Jugendvereine statt. Eine weitere beabsichtigte gemeinsame Protestversammlung gegen die polnischen Pogrome mußte mit Rücksicht auf die Zeitverhältnisse und die politische Lage unterbleiben. Mit Anfang des Winters werden diese Sammelveranstaltungen nach einem einheitlichen Plane fortgesetzt werden. Am 12. März sprach Dr. Bruno Fürst über Graphologie und wies an Hand von Lichtbildern an interessanten Beispielen die Methoden der Charakterbestimmung aus der Handschrift nach. Am 17. März war Diskussionsabend über das Thema der vorhergehenden Sammelkundgebung: „Autorität und Freiheit".