Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 2 (August 1919)
- Date
- 1919-08-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 Unsere Purimfeier am 23. März mit der Aufführung eines grotesken Stückes: „Die Nacht der Königin Esther" von Dr. Erwin Seligmann, sowie zahlreichen anderen Darbietungen brachte nicht nur unserer Kasse einen erheblichen Überschuß, sondern wird auch allen Mitgliedern lange als schöner Abend in Erinnerung geblieben sein. Infolge der politischen Verhältnisse mußten zwei weitere Veranstaltungen verschoben werden, nachdem ein Vortragsabend, ehe er noch beginnen konnte, durch Plünderungen und Maschinengewehrfeuer unliebsam vereitelt wurde. Erst unsere Pessachfeier am 17. April vereinte zahlreiche Mitglieder wieder, und fesselte sie mit einem künstlerisch hochstehenden, reinjüdischen Programm ernsten Charakters. Außer der Ansprache über die Bedeutung der Hagadah und Liedern und Duetten von Frl. Erna Bloch und Herrn Naumow, bot. Frau Leontine Sagan uns Rezitationen aus Arnold Zweigs, Franz Werfeis und Max Brods Werk. Die geplante gemeinsame Begehung des Sederabends mußte wegen der Lebensmittelnot und der Unmöglichkeit, zu erträglichem Preis ein Abendbrot zu schaffen, bis auf nächstes Jahr verschoben werden. Herr Dr. Paul Hahn sprach am 5. Mai über „Die Juden und das Wirtschaftsleben", Rabbiner Dr. Seligmann am 27. Mai über „Trennung von Staat und Kirche", Justizrat Dr. Ernst Auerbach am 2. Juni über „Die Aufgaben der jüdischen Jugend in der Gemeindeverfassung und deren Reform", Herr Realschullehrer Seelig am 17. Juni über die Frage: „Gibt1 es eine jüdische Rasse?" Trotz der interessanten Themata und hervorragenden Redner ist der Besuch dieser sämtlichen letzten Veranstaltungen leider recht schlecht gewesen. Wir richten daher auch an dieser Stelle an all unsere Mitglieder die dringende Bitte, trotz der sommerlichen Hitze unseren Vorträgen mehr Interesse entgegenzubringen. Bei der Schewuothfeilr am 5. Juni, die wir im Walde leider bei ungünstigem Wetter — begingen, hielt Frl. Jourdan eine herzenswarme Ansprache. Gemeinsame Wanderungen in den Taunus finden Sonntags alle 14 Tage statt. Der hebräische Kursus wurde die ganze Zeit über regelmäßig fortgesetzt. Der religionsphilosophische Kursus hat seit einigen Wochen für die Dauer der Sommermonate pausiert. An Stelle dessen hat sich eine erste Arbeitsgruppe von ca. 25 Teilnehmern gebildet, welche allwöchentlich an Hand von planmäßig aufgebauten Referaten der Mitglieder unter Leitung des Herrn Oberlehrer Dr. Freudenberger den Problemkreis des liberalen Judentums wissenschaftlich und systematisch erörtert. Aus dieser Gruppe sollen geeignete Führer hervorgehen, welche bei dem zu erhoffenden wachsenden Interesse aller unserer Mitglieder in späterer Zeit selbst wieder die Leitung von Gruppen zu übernehmen imstande sind. Die Gruppe soll gleichsam den Kristallisationspunkt für die unbedingt nötwendige intensive Vereinsarbeit bilden. E. S. Fragekasten. Es ist beabsichtigt, an dieser Stelle Gelegenheit zu geben, kurze Fragen zu stellen, deren Beantwortung die Schriftleitung vermitteln wird. Zugelassen sind alle Fragen über jüdische Dinge, seien sie nun religiöser, geistiger, seien sie politischer oder vereinstechnischer Art. Wir bitten von dieser Einrichtung ausgiebig Gebrauch zu machen! Gebt uns Geld zur Neugründung jüdisch-liberaler Jugendvereine, zum Ausbau unserer äußeren und inneren Organisation, zur Aufklärung weiterer Kreise durch Entsendung von Rednern, Verbreitung von Schriften, zur Erweiterung und Ausgestaltung unserer Zeitschrift. Gebt uns alle Geld, gebt uns reichlich Geld, jeder nach seinen Kräften — auch die kleinste Gabe ist uns willkommen. — Gebt sofort! Der Kassenwart der Arbeitsgemeinschaft jüdisfch-liberaler Jugendvereine Deutschlands. Alfred Berger, Breslau 7, Höfchenstraße 61. Postscheck-Konto Breslau Nr. 17443. Spender-Liste. Gesammelt wurden in Breslau : Leo Smoschewer 250.— Mk. Joseph Hirschberg 50.— „ G. Neustadt 25.— „ Hans Nothmann 25.— „ Dr. jur. Paul Grünfeld 50.— „ Alfred Berger 20.— ,, Louis Brienitzer anläßlich seines Geburtstages 10.— n Skaterlöse 10.70 „ Ungenannt 2.— „ In Berlin beim Ausfluge des Iii 20.— „ Ungenannt für die „Mitteilungen" 1000.— „ Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine. Vorstand : , Heinrich Stern, Rechtsanwalt, Berlin, Friedrich- Wilhelmstraße 20, Vorsitzender. Alfred Berger, Breslau 7, Höfchenstr. 61, Kassenwart, Leiter des Verbandsbüros. Erich Bayer-Breslau, Rabbiner Dr. Felix Goldmann - Leipzig, Robert Hirschfeld - Berlin, Lotte London-Liegnitz, Rabbiner Dr. Salzberger-Fränkfurt a. M., Dr. Erwin Seligmann-Frankfurt a. M,, Rabbiner Dr. Steinthal-Posen. Verbandsbüro : Alfred Berger, Breslau 7, Höfchenstraße 61.