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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1919-08-01 · Heft 2 (August 1919) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1919
Issue
Heft 2 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 Klippe wird die Einigung scheitern, es sei denn, daß der mit Vollmacht versehene Vorstand auch hierin nachgeben wird. Man sagt sich im Stillen, durch die zweideutige Ausdrucksw&ise bezüglich des Zeitpunktes sei ja nun alles aufs Schönste geregelt und die ganze unangenehme Angelegenheit ad Kalendas graecas verschoben. Glaube doch Keiner, daß die Zionisten so töricht sind und die Absicht nicht merken. Diese Politik der insgeheimen Vorbehalte hat noch nie zu einem fruchtbaren Ergebnis geführt und wird auch diesmal sicherlich scheitern. Man wettert gegen die Geheimdiplomatie im Leben der großen Staaten. Wie aber soll es zu einer Reinigung des öffentlichen Lebens kommen, wenn nicht im kleinsten, im privaten Leben, in der Vereins- und Parteipolitik damit angefangen wird, nur noch mit offenem Visier einander gegenüberzutreten? Ich fordere nicht, wie manche Redner des Kongresses, das Tischtuch zwischen uns und den Zionisten zu zerschneiden, aber ich fordere unzweideutige, durch keine politischen Rücksichten beirrbare Festlegung und Festhaltung unseres jüdischreligiösen Standpunkts unter Ablehnung jeder wirklichen oder Scheinkonzession an Jüdisch-Nationales. Entweder wollen wir einen Kongreß, weil wir ihn für unser deutsches Judentum, und seine Organisation und Demokratisierung für notwendig erachten, dann berufen wir ihn unter dieser Flagge. Läßt sich das gemeinsam mit den Zionisten tun, umso besser. Halten wir aber den Kongreß für schädlich, ja auch nur überflüssig und auf jeden Fall der Gefahr von Mißdeutungen aufgesetzt, so haben wir keine Veranlassung, uns für ihn einzusetzen und, um der Chimäre einer seelisch nicht vorhandenen Einigkeit willen, etwas von unseren Uberzeugungen preiszugeben. — Leider verbietet mir der Raummangel auf die weiteren Probleme der Tagung näher einzugehen. Was die außenpolitischen Forderungen anlangt, die, unter anderem, nationale und kulturelle Autonomie der Juden in den Oststaaten, Entschädigung von Pogromopfern durch den betreffenden Staat, Einsetzung eines internationalen Kontrollausschusses zur Wahrung der Rechte der Juden verlangen, so ist es mir unbegreiflich, wie der Vorstand des Zentralvereins sich auf eine derartige Plattform stellen und sie der deutschen Regierung zur Vertretung auf der Friedenskonferenz unterbreiten konnte. Welche Gefahr für das gesamte Ostjudentum dadurch heraufbeschworen wird, hat Benjamin Segel in zwei vorzüglichen Aufsätzen in Nr. 21 und 22 des Hamburger Israelitischen Familienblattes überzeugend aufgezeigt und ich kann die Lektüre dieser Aufsätze nur Jedem wärmstens empfehlen. Die nationale Autonomie fordert ja förmlich, wenn nicht den Pogrom, so doch den Boykott und damit wirtschaftlichen Ruin der Juden heraus. Nun kann der* Boykott ungehindert unter nationaler Flagge segeln. „Kauft nicht bei Juden" ist nicht mehr eine unsittliche Aufhetzung gegen eine Religionsgemeinschaft, nein, eine berechtigte Maßregel zum Schutz heiliger nationaler Güter. Man erinnere sich an den Kampf zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen und sehe schaudernd die Zukunft eines fremdnationalen Judentums in Polen voraus. Und gewiß wird eine internationale Judenschutzkommission und der Zwang zu Schadensersatz die Vorliebe der slawischen Regieruhgen für die unter internationales Sonderrecht gestellten einheimischen Juden nicht steigern. Anstatt Mittel zu suchen, welche der Hilflosigkeit unserer östlichen Glaubensgenossen ein Ende machen und sie auf eigene Füße stellen, verewigt man ihre Ohnmacht, indem man sie unter die Obhut des Auslandes stellt. ' Zum Schluß noch ein Wort zur Neuschaffung eines positivjüdischen Programms. Schade, daß keine ausführliche Debatte darüber zustande kam, es wäre interessant gewesen, festzustellen, wie man sich ein positiv-jüdisches Programm, das ja nach der ganzen Tendenz des Centraivereins nur religiös sein kann, auf neutraler Basis vorstellt. Eine Vermehrung der farblosen/ sorgfältig jeden Anstoß nach rechts und links vermeidenden Vorträge, wie wir sie aus neutralen Jugendvereinen, Literaturvereinen usw. zur Genüge kennen, wie sie auch im K. C. ihr Schattendasein fristen, wird kein frisches Blut der Bewegung zuführen. Darüber wird sich der Vorstand von vornherein klar sein müssen. Damit kommen wir aber zu dem Problem der neutralen Vereine überhaupt, welches in späteren Aufsätzen sorgfältiger Erörterung bedarf. Insbesondere wird die bevorstehende Tagung des Verbandes der neutralen Jugendvereine Gelegenheit geben, hierauf zurückzukommen. Dr. Erwin Selig mann. Schrifttum und Literatur. Zur Einführung. „Wisse, was du dem Gegner antworten sollst", fordern unsere Weisen in den „Sprüchen der Väter" den „Pirke aboth" und rufen damit zum fleißigen Studium alles dessen auf, was sie „Thora", d; h. Lehre nannten. Sie verstanden darunter aber nicht nur die Thora im engeren, Sinne, sondern alles, was durch Lernen erfaßt und erforscht werden kann. Sie wußten, daß nur das Wissen, das Können stark macht im Kampfe mit den Feinden der Religion, wobei nicht nur die Angreifer außerhalb gemeint waren, sondern auch der Gegner im Innern, die Gleichgültigkeit und Lauheit, die Bequemlichkeit und Nachlässigkeit. In diesem Sinne wollen wir in diesem Teil unserer Zeitschrift zum Lernen anregen, zum Vertiefen auffordern, zum Kampf anfeuern, zum rücksichtslosen Krieg gegen Unwissenheit und der daraus entstehenden oder durch sie geförderten Gleichgültigkeit. Dreierlei wollen wir unseren Lesern zu diesem Zwecke bieten.

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