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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1919-08-01 · Heft 2 (August 1919) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1919
Issue
Heft 2 (August 1919)
Date
1919-08-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 liehe Sendung erfülle, „zum Lichte der Völker" zu werden. Für diese Auffassung vom Judentum einzutreten, ist die Pflicht des liberalen Judentums. Die Zukunft des Judentums wird davon abhängen, ob der Liberalismus diese seine Aufgabe erfüllen kann. Er wird sie erfüllen, wenn sich alle, die sich heute „liberal" nennen, auf ihre Pflicht besinnen und danach leben werden. W. JüdischeTagesfragen u- Jugendbewegung, Zur Einführung! Diese Mitteilungen sind das Organ der jüdischliberalen .Jugendvereine. Und wie unser Name aus vier Bestandteilen sich zusammensetzt, so zerfallen auch die Mitteilungen in vier Rubriken. „Jüdisch" zunächst. Dieser Komplex eines historisch-religiösen Begriffes soll unseren Mitgliedern durch den Teil des Blattes, welcher, gleichsam als Feuilleton, ausgewählte Abschnitte aus dem Schrifttum unserer Vergangenheit, aus Bibel und Talmud, Religionsphilosophie und Poesie bringt, wesenhaft gemacht werden. — „Liberal." Das lebendige Judentum, das unserer Überzeugung nach liberal sein wird, oder gar nicht, soll sich in seinem Ideengehalt, seiner Problemstellung, seinen Fragen und seinen Lösungen in dem Teil widerspiegeln, der in Form von Leitartikeln den Aufbau unserer Weltanschauung allmählich zu geben den Versuch macht. — Dem „Verein", den Organisationsfragen, dem Schematisch - Sachlichen dient der Abschnitt, welcher die Berichte, Spendenliste, Fragekasten, Adressen usw. enthält. Bleibt die „Jugend", als Ausdruck des ewig Beweglichen, ewig Heutigen, in seiner Veränderlichkeit aber doch Konstanten. Jugend als Lebensquelle, die in*sich und aus sich heraus Werte schafft, die, frei von unfruchtbarem Historismus, Feind jeder überkommenen und von ihrer Überzeugung nicht gebilligten Wertung, selbst hören, erkennen, erleben, und dann sich äußern, urteilen, kritisieren will. Nach Jugend schreit das jüdische Leben der heutigen Zeit, verknöchert in wohltemperierter Notabelnwirtschaft, die mit Erlangung von Titel und Würden das Recht letzter Entscheidung aller jüdischen Angelegenheiten erworben zu haben wähnt. Daß diesen Bann mutig er brach, daß mit eigenen Augen zu sehen er wagte, ist letzten Endes die tiefste Kraftquelle des Zionismus. Und wer diesen bekämpfen will, nicht um der eigenen lieben Bequemlichkeit willen, sondern aus innerster, ethischer Uberzeugung, der muß es erkennen, daß nur die Jugend, die begeistert hinaustritt auf das Schlachtfeld der jüdischen Politik, dem Gegner mit gleichen Waffen entgegen zu treten vermag. Noch steht sie gleichgültig abseits. Sie muß aufgerüttelt werden, sie soll sehen lernen mit eigenen Augen, nachdenken mit eigenen Gedanken, hervortreten mit selbstgeschmiedeter Wehre. Dieser Aufgabe, eine wirkliche jüdisch-liberale Jugendbewegung zu schaffen, will dieser Teil unserer Mitteilungen sich unterziehen. Es sollen alle brennenden Probleme der jüdischen Gegenwart unerschrocken beleuchtet und von der Jugend selbst, welch eigenartigen Ständpunkt sie auch einnehmen mag, zu behandeln versucht werden. Hingewiesen werden soll auf alle Vorkommnisse von irgendwelchem Belang, welche die jüdische Öffentlichkeit angehen. Und vor allem die Bewegungen der Jugend, ihre Strebungen und Zielsetzungen, müssen in Angriff und Abwehr immer wieder zum Gegenstand der Erörterung werden. Tagungen der großen Verbände, Beschlüsse der Organisationen, Kundgebungen der europäischen Regierungen jmd Staatsmänner, neue Ereignisse in Gesetzgebung und Politik, antisemitische, zionistische Bewegung, jüdisch-kulturelle Strömungen müssen verfolgt und aufgezeigt werden. Fragen, wie der jüdische Kongreß in Deutschland, die Besiedelung und politische Form Palästinas, die Pogrome, die deutsche antisemitische Hetze, die Konflikte in dem neutralen Jugendverband, müssen stets in aktueller Weise fortlaufend besprochen werden. Neu erschienene Bücher von irgendwelcher Bedeutung bedürfen der Würdigung. Einem Einzelnen ist es unmöglich, die Fülle der Ereignisse zu übersehen; in einem Teil Deutschlands erscheinen die Ereignisse oft in anderem Lichte als anderswo. Daher richte ich an Alle — und Jeder glaube, daß ich ihn persönlich meine, Keiner entschuldige sich mit Zeitmangel und Unvermögen —, die dringende und herzliche Bitte um regelmäßige Mitarbeit. E. S. Zwei jüdische Delegiertentage. In der letzten Maiwoche haben in Berlin zwei Tagungen jüdischer Verbände stattgefunden, der Palästina-Delegiertentag der deutschen zionistischen Organisation und der Delegiertentag des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, über den Verlauf beider Veranstaltungen genaue Berichte zu geben. Dazu dienen die jüdischen Wochenblätter und die offiziellen Organe beider Organisationen, die „Jüdische Rundschau" und;,Im Deutschen Reich"; dort möge man die Berichte nachlesen. Hier kann es nur darauf ankommen, von unserem Standpunkt aus einige Streiflichter auf die beiden zweifellos bedeutsamen Ereignisse des jüdischen Lebens zu werfen und unsere Stellung als liberale Juden zu kennzeichnen. Und da muß es uns befremden, daß von unserem Judentum als einer Religion, als einer geistigen, ethisch gerichteten Gemeinschaft weder hier noch dort die Rede war. Politik, nichts als Politik im schlimmsten Sinne des Wortes. Daß die Zionisten es für außerordentlich dringlich erachten, nun sie vor der körperlichen, greifbaren

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