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Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands · 1919-04-01 · Heft 1 (April 1919) · p. Seite 4

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Journal
Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
Volume
1919
Issue
Heft 1 (April 1919)
Date
1919-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. MITTEILUNGEN* Nr. l. junger Leute, welcher seinen Angehörijgen Autklärung und Gelegenheit zur Aussprache über alle Probleme bietet, welche die Zeit bewegt. Unserer Natur als jüdisch^liberaler Jugendverein getreu suchen wir natürlich in erster Linie die jüdischen Fragen der Gegenwart und Vergangenheit zu behandeln und unseren Mitgliedern, die ihnen oft recht ahnungslos gegenüberstehen, nahe zu bringen. Zunächst sei ein kurzer Ueberblick über die stattgehabten Veranstaltungen gegeben, wobei die sommerliche Reisezeit und die ungünstige politische Lage berücksichtigt werden muß. Zwei konstituierende Versammlungen mit Vorträgen des Rechtsanwalt Heinrich Stern („Liberales Judentum und Jugend") und Herrn Rabbiner Dr. Seligmann (,fWozu gründen wir jüdisch-liberale Jugendvereine?") fanden am 10. und 24. Februar statt. Am 6. Mai sprach Herr Rabbiner Dr. Goldmann-Leipzig über: „Der jüdische Libera- \ lismus als Erziehungsfaktor/1 Am 8. Mai vereinte ein geselliger Abend mit musikalisch-deklamatorischen Darbietungen eine große Zahl von Mitgliedern und Gästen. Auf einem Diskussionsabend am 24. Juni referierten zwei unserer Mitglieder, Frl. Berta Jourdan und Herr Erich Rotschild, über das Thema: „Was ist uns heute die Bibel?" — Nach den Sommerferien hielt Professor Kracauer am 2. September einen Vortrag über: „Die Frankfurter Juden und die Vehme." Am 1. September fand der erste gemeinschaftliche Ausflug nach dem Taunus statt, der am 6. Oktober wiederholt wurde. Am 30. September sprach Referendar Seligmann über das Thema: „Vom Geist der Zeit zur Zeit des Geistes", am 9. Oktober Rabbiner Dr. Salzberger über: „Der jüdische Soldat". Am 14. Oktober wurde ein geselliger Abend veranstaltet. Zwei regelmäßig alle 14 Tage stattfindendr Kurse {Geschichtlich-religionsphilosophisch: „Ueber Juden und Judentum" vou Rabbiner Dr. Seligmann und Hebräisch von Rabbiner Dr, Salzberger) begannen am 7. Oktober. Der 2. November war einem Experimentalvortrag des Herrn Assessor Dr. Fürst über ,.Hypnose und Strafrecht" gewidmet. Professor Dr. Gräfenberg hielt am 26. November einen Vortrag mit Lichtbildern über: „Die Juden in Spanien." Um zu den politischen Ereignissen Stellung zu nehmen, fand am 24. November eine Mitgliederversammlung statt, bei der Rabbiner Dr. Seligmann nnd Rechtsanwalt Dr Baruch über „Das Gebot der Stunde" referierten. Im Anschluß daran entspann sich eine äußerst rege Diskussion". Ein Vortragszyklus des Herrn Dr. Galliner über „Religion und Kunst'4 hat am 28. November begounen. Eine Chanukafeier am 4. Dezember, bei der Rabbiner Dr. Lazarus die Ansprache hielt, bot durch reichhaltige und künstlerisch hochstehende Darbietuugen unserer Mitglieder allseilige Anregung. Herr Rechtsanwalt Dr. Geiger referierte am 10. Dezember über. „Die politischen Pflichten der Jugend und die Wahlen zur Nationalversammlung*. Einen vorläufigen Abschluß fanden die politischen Diskussionen mit einer Versmmlung am 22. Dezember, in welcher Herr Friedrich Baerwald und Referendar Erwin Seligmann über das Thema: ,»Politik und Ethik" sprachen Das neue Vereinsjahr soll in seinem Anfang den überaus brennenden jüdischen Zeitfragen wie Zionismus, Antisemitismus, Trennung von Staat und Kirche etc. gewidmet sein. Es ist uns bereits gelungen, hervorragende Redner für jedes dieser Themata zu finden. Anfangs Januar soll unsere Generalversammlung stattfinden und eine Neuwahl des Vorstandes sowie Klärung über die weiter zu leistende Vereinsarbeit bringen. c* Der Vorstand und dessen Aemterverteilung hat infolge von Einberufungen und Versetzungen mehrfach wechseln müssen. Den Vorsitz führten die ganze Zeit hindurch Assessor Dr. Paul Hahn und Referendar Erwin Seligmann, stellvertretende Vorsitzende war Erl, Berta Jourdan. Das Schriftführeramt übernahmen nacheinander Herr Alfred Landsberg, Frl. Mariechen Keller und endlich Frl. Erni Keller, Kassierer waren zuerst Herr Max Wronker, dann Herr Hans Grünebaum, zur Zeit ist es Herr Ludwig Hayer. Als Vertreter des freisinnigen Vereins für jüdisches Gemeindeleben gehört Herr Rechtsanwalt Dr. Rudolf Geiger unserem Vorstand an. Das Einzige, worüber wir zu klagen haben, sind unsere Kassenverhältnisse. Ohne zwei bedeutendere Zuwendungen o der freisinnigen Vereins, für die wir auch an dieser Stelle danken, wären wir kaum imstande, auszukommen. Sonstige Spenden sind un^ nur vereinzelt zugeflossen, Wir hoffen aber zuversichtlich, daß es nur dieses Appells an unsere Mitglieder und Freunde bedarf, um dies zu bessern. Allen denen aber, die ur\s bisher bedacht haben, sprechen wir unseren herzlichsten Dank aus. Wenn wir nach alledem sagen können, daß unsere Kriegsarbeit keine Ersatzarbeit gewesen ist. so muß nun das kommende Jahr des Friedens beweisen, was wir unter geordneten Verhältnissen in geregelter Arbeit zu leisten vermögen. Es gilt in erster Linie, die heimkehrenden Jünglinge und jungen Männer für uns zu gewinnen und davon zu überzeugen, daß die Zukunft de$ deuischen Judentums auf dem religiösen Liberalismus, und nicht ~ wohin sie nur allzu leicht neigt — auf nationalen Bestrebungen be* ruhen kann. Erwin Seligmann.

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