Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft Jüdisch-Liberaler Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 1 (April 1919)
- Date
- 1919-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1. MITTEILUNGEN. Seite J häufiger Zusammenkünfte, durch die stärkere Pflege der Geselligkeit, durch die Aufnahme von Wanderungen und, vor allem, durch die freudige Hilfe einer immer mehr wachsenden Zahl von Mitgliedern ist es gelungen, dem Verein nicht nur üb>er die schwere Zeit hinwegzuhelfen, sondern ihm sogar einen Aufschwung zu geben, wie er ihn vorher nie erlebt hatte. Reiche Spenden ermöglichten die Mietung eines eigenen Heimes, in dem sich die Mitglieder gern und zahlreich zusammenfinden. Diskussionsabende und Unterrichtskurse sind neu erblüht und die Geselligkeif kommt ebenfalls zu ihrem Recht. In der letzten Zeit ist durch Mitglieder des Vereins der jüdische Sportklub „Die Kameraden41 gegründet, der auf neutraler Grundlage dem national jüdischen „Blau-Weiss" entgegen arbeiten will. Ais im Oktober 1916 der Breslauer Bruderverein sich an Herrn Hirschfeld wegen eines engeren Zusammenschlusses wandte, nahm dieser die schon früher einmal vor handenen, aber gänzlich in Vergessenheit geratenen Bestrebungen wieder auf, und dies führte nach mannigfachen Bemühungen zur Begründung der Arbeitsgemeinschaft jüdisch-liberaler Jugendvereine in Deutschland. Am Ende des Krieges steht unser Verein stärker und grösser da als früher, und der Unterzeichnete hofft, dass e ihm bald vergönnt sein wird, den Vorsitz an ein ordentliches jüngeres Mitglied abgeben zu können. Der Krieg hat schwere Opfer von uns gefordert Von unseren Vorstandsmitgliedern sind die Herren Emil Bernstein und Kurt Zadig gefallen, von unseren Mitgliedern die Herren Alfred Berg er, Albert Pincus und Ernst The mal. Wir werden ihnen stets ein treues und ehrendes Andenken bewahren. Robert Hirschfeld. Jüdisch-Liberaler Jugendverein Liegnitz. Der im März 1918 gegründete JLJ beschiänkte seine Tätigkeit nach der 1. Generalversammlung auf das Werben von Mitgliedern und Verteilen aufklärender Schriften. So konnte zu Beginn des Winter-Semesters der Verein eine Zahl von 84 Mitgliedern aufweisen. Vor Beginn des Winterhalbjahrs wurde der 1. Vorsitzende Herr Adolf Metz von Liegnitz versetzt. Außerdem legten die 2. Vors. Frl. Anna Sommerfeldt und der Vertreter des liberalen Hauptvereins Herr Rechtsanwalt Pick ihr Amt nieder. — Das Wintersemester begann mit einer außerordentlichen Generalversammlung am 10. Oktober 1918, in welcher folgende Mitglieder in den Vorstand gewählt wurden. 1. Vorsitzender: Herr Julius Buckwitz, 2. dto. : Frl. Rut Krimmer, Schriftführerin: Frl. Lotte London, Kassenwart: Frl. Herta Cohn, Als Vertreter für den liberalen Haupt- Verein: Herr Max Schneider. Der Kassenbericht ergab einen Bestand von run<i 660.00 Mark. Im Uebrigen wird dem Vorstand für die weitere Tätigkeit des Vereins freie Hand gelassen. Am 17. Oktober sprach Herr Dr. Kellermann-Berliu über: „Hermann Cohen der Philosoph des Judentums." Der Redner führte uns in bewundernswerter Klarheit die Riehl linien der Cohenschen Philosophie vor Augen und zeigt* uns, daß die gesamte Entwickelung dieses leider zu früh ver storbenen Mannes auf ein tief religiöses Empfinden zurücl zuführen ist. Am 17. November fand der 1. Debattenabend stat Vor einer außerordentlich gut besuchten Versammlung sprac Herr Referendar Dr. Schweitzer-Breslau über Liberalismus Zionismus-Neutralität. Die Debatte, in der auch Zionisten und Orthodoxe das Wort ergriffen, endete mit einem vollen Erfolg für das lebendige, religiöse Judentum. — In den nun alle 14 Tage stattfindenden Vereinsabenden werden vo: i den Mitgliedern Referate gehalten, an die sich eine Debatt* anschließt. Das 1. Referat hielt Frl. Lotte-London übe« „die Makkabäerkämpfe und die Frage: Ist die Einsetzung des Chanukafestes aus religiösen oder nationalen Motiven geschehen?*' — Wir erhoffen durch rege Tätigkeit des Vereins ein weiteres Aufblühen desselben zur Erweiterung und Vertiefung der Ideen und Ideale des liberalen Judentums. Jüdisch-Liberaler Jugendverein Frankfurt a. M. Allen Bedenklichkeiten und Zweifeln, aller Ungunst der Zeitlage, aller Erschwerungen des öffentlichen Lebens «um Trotz kann unser Verein auf ein Jahr erfolgrefchen, gesunden und zukunftsverheißenden Bestehens zurückblicken. Die stets wachsende Mitgliederzahl — (sie beträgt jetzt über 400) — und die erfreulich zunehmende Beteiligung der Mitglieder an unseren Veranstaltungen beweisen die Richtigkeit des Weges, den wir mit unserer Arbeit eingeschlagen haben. Wir haben uns an kein festes Programm gebunden sondern lediglich in unseren Mitteilungen die allgemeinen Richtlinien unserer Betätigung aufgezeigt. Wir trugen den Zeitumständen, den rasch hereinbrechenden Ereignissen stets Rechnung, denn wir wollen keine Vereinigung von Doktrinären sein, die starr an Vorsätzen festhält, sondern ein Bund