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Palästina-Nachrichten · 1935-08-31 · Heft 16 (31.8.1935) · p. Seite 2

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 16 (31.8.1935)
Date
1935-08-31
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Prozent -Anteil des 0 r i c n t -1 m p o r t s am Welt-Import I1929: * io3/|: .1- °/o 0/0 . Ägypten 0,75 0,73 Türkei o,35 0,28 Iran (Persien) 0,21 0,18 Syrien-Libanon o,*4 0,21 Irak 0,10 0,22 Palästina 0,10 0,37 Sudan 0,10 0,10 Aden 0,07 0,10 Cypern o,o3 o,ö3 Orient insgesamt 1,85 2,22 Zur Analyse im Einzelnen: Palästina, das, vor Q Jahren nur <»in Neunzehnte!, hingegen io34 genau ein Sechstel des gesainten Orient-Exports aufgenommen, hat, ist eines jener ganz-wenigen Länder-der- Erde, die heute eine höhere Einfiihrsiunme.zeigen-als 1929; die Ursache ist, wie hinreichend bekannt.- die jüdische Immigration und Kolonisation, die die Absatzmöglichkeiten .-für1'Produktionsmittel wie Konsumwaren erheblich erweitert hat. Die jüngste Import-Zunahme des Irak erklärt sich hauptsächlich aus dem Materialbedarf für ■den Ausbau der Erdölindustrie. In Syrien-Libanon wirkt Kapitalmarkt Während die Zahl der nach Palästina einwandernden Persohen regelmäßig statistisch erfaßt wird und auch ohne •Schwierigkeilen, zu erfassen ist, bereitet eine Statistik der eingewanderten Kapitalien nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Innerhalb der amtlichen EinVanderungsslatistik werden zwar die auf Kapilalistenzertifikalc einwandernden Personen (■ he-:. sonders gezählt, aber damit wtfiß man natürlich noeh? nicht, welche Kapitalien diese .Gruppe von Einwanderern mitgebracht hat. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres sind insgesamt, ca. 2-5 000 Personen eingewandert, darunter ca. 2000 oder 80/0 Kapitalisten, während im letzten Jahr in der gleichen Zeit nur i3 000 Personen, davon rund 1700 Kapitalisten, einwanderten; der Prozentsatz der Kapitalisten war damals rund i3 0/0, dagegen die Zahl der Kapitalisten infolge der absolut geringen Einwanderung kleiner als dieses Jahr. Der Zustrom der kapitalistischen Einwanderer aus Deutschland hat in letzter Zeil abgenommen, da die Devisenbeschränkungen immer strenger werden. Die Reichsbank stellt zurzeit für die Erlangung eines Kapitalisten-Zertifikats nur insoweit Devisen zur Verfügung, als ihr selbst von Palästina her Devisen zufließen. Die Zahl der Barzuteilungen von je 1006 £ (denr sogenannten Vorzeigegeld) entspricht daher bei weitem nicht der Zahl der Anforderungen. JjeLdem in der Haavara konzentrierten Transfer von Markgut haben deutscher Auswanderer haben sich in letzter Zeit ebenfalls. Schwierigkeiten ergeben. Infolge Preiserhöhung vie-1 ler deutscher Waren mußten die von der Haavara an die palästinensischen Importeure gewährten Bonifikationen eine beträchtliche "Erhöhung erfahren. Infolgedessen war die Haavara auch ihrerseits gezwungen, den Einzahlern einen höheren Abzug in Anrechnung zu bringen, und zwar zurzeit je nach Lage des Falles io bis i5o/o. Trotzdem haben sich auch bei der Haavara erhebliche Rückstände ergeben. Zurzeit werden diejenigen Einzahler abgewickelt, die vor etwa einem Jahr eingezahlt ^iaben. Alles in allem sind die aus Deutschland nach Palästina zum Transfer kommenden Gelder keineswegs so stark zurückgegangen, wie man etwa annehmen sollte, Im übrigen spielen innerhalb der Einwanderung auf KapitalistenTZertifikat die Einwanderer aus Polen noch immer eine ausschlaggebende Holle. Schon immer war für Palästina rieben der Einwanderung von Immigranten mit Kapital die Einwanderung von Kapital ohne Immigranten von großer Bedeutung. Diese ist in letzter Zeit stärker und stärker geworden. Es fallen hierunter yor allem die sogenannten Tounstenanlagen, die gelegentlich eines Besuchs in Palästina erfolgen. Der Umfang dieser Anlagen neuerdings die Erweiterung des Beiruter Hafens anregend» auf den Import von Bau- und technischem Bedarf« Anderer^ seits muß der absolute w§ie relative Importrückgang Ägyptens, der Türkei und Irans vor allem als Wirkung der dortigen planmäßigen Import-Restriktion gedeutet werden, die mit der Organisierung eigener Industrien und mit der Intensivierung der eigenen Landwirtschaft zusammenhängt ~ eiri heute für den Importeur nicht zu übersehender Anlaß, seine bisher auf die letzterwähnten Märkte gerichteten Bemühungen in Zukunft \ stärker auf Palästina und auf die von Palästina aus, bequem zu bearbeitenden Nachbarländer Syrien-Libanon und Irak zu konzentrieren. Von Haifa aus4 ist wiederum Aden und Port-Sudan bald zu erreichen. Zum Schluß eine selbst für yiele Orient^Keriner ganz erstaunliche Ziffern-Folge: Im Jahre 1 a34 haben an Auslandswaren pro Kopf der Bevölkerung importiert: einerseits Großbritannienfür 44Gold-Dollar — andererseits Palästina für 37V2 GoldrDollar, Cypern für lo, Syrien-Libanon für 8, der Irak für 8> Ägypten für 6, Iran (Persien) für 21/2, die Türkei für ,2, der Sudan fü^ 2 4 während. Aden mit semen knapp 5o 000 Einwohnern ganz überwiegend, für den Transit nach den südarabischen Nachbargebieten importiert und daher bei diesem Vergleich „hors de concours" bleiben mußS^ (Das hier verarbeitete Zahlenmaterial stammt aus bisher nicht . verpffentlichten Quellen.) von Dr. Wo Ifgan g,# Jerusalem hat in den einzelnen Jahren sehr geschwankt; er war in diesem Jahr z. B. nicht sehr hoch, was z. T. damit' zusammenhängt, daß die sehr zahlreichen deutschen Touristen ja überhaupt keine Möglichkeit hatten und haben, hier Gelder zu investieren. Ferner gehört zu dieser Gruppe von Kapitalisteneinwanderüng der* Absatz-palästinensischer Wertpapiere im Ausland. Früher erfolgte die Plazierung dieser Papiere unter Betonung ideeller zionistischer Gesichtspunkte, hdute' aber werden palästinensische Papiere als seriöse. Kapitalanlage mit anderen Werten der englischen Dominions in Konkurrenz gezogen. Es ist z. B. auf dem Kontinent und in England eine dauernde Nachfrage nach den Debentures der General Mortgage Bank of Palestine Ltd. festzustellen. Es ist beabsichtigt, demnächst in London eine größere Emission zur Zeichnung aufzulegen, nachdem bereits Anfang dieses JahrSf^die Konvertierung von £P. 35oooor— 7 0/0 in 50/0 Pfandbriefe durch ein Underwriting auf dem Londoner Kapitalmarkt gesichert worden war. Damals gelangten auch 4V20/o Preference Shares der Palestine Electric Corporation sowie 51/2 0/0 Preference Shares der Palestine Potash Ltd, zur Auflegung. Die 41/2% Palestine Electric .Corporation Preference Shares wurden \ie\- fach überzeichnet und stiegen sehr bald auf 1 i5o/0, d. h.> sie werden in ihrer Bonität heute genau so beurteilt, wie die besten Wertpapiere in anderen .englischen Dominions. SchlieBlicli sind auch eine ganze Reihe von Darlehnsgeschäften zum Abschluß gelangt* b^i denen irgend welche offiziellen Emissionen nicht stattfanden. Zu erinnern ist z. B. an das Darlehn an die Stadt Tel-Aviv, den Keren Hajessod und ändere jüdische Organisationen; Es ist hierbei erfreulich festzustellen, daß bei Abschluß dieser Darlehen rein kaufmännische Gesichtspunkte mitgesprochen haben; z.T. waren die Gläubiger Versicherungsgesellschaften oder Banken, die der zionistischen Bewegung zwar freundlich,' aber keineswegs irgendwie persönlich -interessiert gegenüberstehen. Es scheint überhaupt, daß in letzter Zeit das Interesse der Welt an Palästina als Anlagegebiet mehr und mehr zunimmt, und vielleicht ist schon der Punkt nahe, bei dem man wünschen sollte, daß das Tempo der reinen Kapitaleinwanderung nicht ein zu stürmisches werden sollte, damit in der Zahlungsbilanz des Landes keine zu starken Strukturveränderungen eintreten. Soweit in früheren Jahren Gelder auf charitativer Basis nach Palästina gelangten, sind hierdurch irgendwelche Schuldverhältnisse und Zinsansprüche nicht begründet worden. Di^s ändert sich in dem Maße, in dem die auf konv merzieller Basis begründete Verschuldung an das Ausland (Fortsetzung auf Seite 4}

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