Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 11-12 (30.6.1935)
- Date
- 1935-06-30
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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INDUSTRIELAND PALÄSTINA von Drr A11red Marcus, Haifa Wir setzen die Artikelserie des Verfassers fort. t III. In der Behandlung des palästinensischen Indus Weproblcms> bin ich rfm Schluß meines letzten Aufsatzes zu der Feststellung gelangt, daß wir wahrscheinlich für ziemlich lange Zeiträume Kunde europäischer Industrieländer für Maschinen sein werden, und daß hierin voraussichtlich das handelspolitische Äquivalent für einen relativ fallenden Bezug fertiger Konsunigüter aus Europa durch uns zu erblicken sein werde. Ich habe fernerhin gesagt, die Frage, um welche Maschinen es sich Jbei dem Import Palästinas voraussichtlich handeln werde, sei gleichbedeutend mit der, welche Industrien vernünftigerweise in den nächsten Jahren hier im Lande als entwicklungsfähig anzusehen seien. Der Beantwortung dieser Frage will ich mich nunmehr zuwenden: Ich habe bereits in meinem letzten Aufsatz darauf hingewiesen, daß Palästina zwar keine Produktionsmittelinduslri-e im vollen Sinne des Wortes dürfte cn twickeln - können, daß wir aber schon aus rein wirtschaftsgeographischen Gründen . wenigstens Rudimente einer solchen Industrie brauchen, denn , wir müssen einfache Maschinenteile und Ersatzteile von ajlcn ^—mögl^ T im Lahde herstellen können. Das ist sehr einfach einzusehen, wenn man sich sagt, daß es für einen normal arbeitehdcii » Industriebetrieb unmöglich ist, bei irgendeinem Bruch an einchi noch so primitiven Maschinenteil auf Heransdliaffuhg von Ersatz aus .dem Auslände warten zu müssen, das lreißt normalerweise .4—6 Wochen. Es ist auch kein Zufall, daß gerade auf diesem Gebiet der einfacher! Gießerei in den letzten - Jahren im Lande bereits eine Reihe""von Betrieben entstanden r ist, die dieses Bedürfnis auszufüllen suchen, und teilweise durchaus mit Erfolg. Aber ich glaube, daß auf diesem Gebiet noch wesentliche Ehtwicklungsmöglidikeilen vorhanden sind, was nicht unbedingt zu bedeuten braucht, daß zahlreiche neue Betriebe entstehen, sondern, daß die bereits vorhandenen ihr ■ Produktionsprogramn in dieser Iiinsicht eTO liegennun die Dinge so, daß wir lediglich Gießerei-Roheisen im Lande verarbeiten. Das bedeutet^ daß ein gewisser Bedarf an Maschinen und Apparaturen , Öfen und dergleichen für die Eisengießerei-Ind us trie vorhanden ist, den in an freilich heute noch nicht .uberschätzen darf, der aber wachsen wird; Es scheint nun, daß wir aber auch in dieser Hinsicht vor einer Neuentwicklung stehen ■, che sehr" '■'interessant ist. Wir haben bisher Walz wer kerzeugnisse, wie oben bereits angedeutet wurde, im Lande nicht hergestellt, Es besteht aber bei einer im Lande arbeitenden Gießereigrüppe der feste Plan, ein, wenn auch kleines Eisenwalzwerk zu errichten; welches von importierten Knüppeln und Platinen ausgehend solche Erzeugnisse^h^ Frage, daß damit ein erheblicher Fortschritt7!!! der industriellen Entwicklung des XänHes gegeben sein \vird.~ Wir hahen im Jahre : iq3/i rund 98 000 t Walzwerkerzeugnisse im Wette von rund iitio600 £P.eingeführt gegen etwa S t öoo t solcher Erzeugnisse im Vorjahr. Von der Einfuhr des Jahres 11)37| entfielen etwa 56 000 t auf Rurideisen und Wiiikcleisen und; etwa - 2 7 000 t auf Träger. JDcr liest verteilte sich auf Schwarzbleche, verzinkte Bleche und Draht. Das sind Quantitäten, die zwar zürn Teil als konjunk t urbeding t vergrößert angesehen werden müssen gerade hierin zeigt sich auch die Baukonjunktur! — aber auch dann, wenn man mit einer .niedrigeren Absalzmöglichkeit im Lande rechnet, hätte doch ein kleines "Walzwerk, das etw«a auf Bleche, Rundeisen, ein-' /fache Profile und Draht ginge, schon 4sein^ Existenzmöglichkeit. ",. Iiier liegt also eine Entwicklungsmöglichkeit vor; die wahrscheinlich sehr bald reale Gestalt annehmen wird, was sicherlich auch wieder einen verhältnismäßig nicht unbeträchtlichen Maschinenbedarf — ich schätze etwa 20000 £P. — verursachen wird. Aber die Dinge gehen noch .weiter; . Es ist zwar richtig, daß wir im wesentlichen darauf angewiesen sein werden, die Vorfabrikate für ein Walzwerk der oben angedeuteten Art aus dem Auslande zu beziehen, aber : '. ':- . ■-. /. " ' V- - es läge nur im ifoige einer Organischen und deshalb logischen Entwicklung, wenn man dazu überginge, die im Lande anfallenden Schrottmengcn auch an Ort.,und Stelle wieder zu verwenden. Der Schrottspiolt ja heuje Iwkänn gatii. entscheidende Rolle in den Stahlindustrien aller Länder und manche hiervon, wie zum Beispiel Italien, benutzen fast nur Schrott-als Ausgangsmaterial. Was Palästina arilangt, so muß di r hiesige Schrolt-Entfall in den nächsten Jahren stark steigcUj denn es; steigt die sogenannte „Eiscninvestition". Diese igt» nicht etwa mit der oben angegebenen Einfuhrziffer für Walz Werkerzeugnisse von rund 98000 t im letzten Jahre Voll erfaßt. Es kommen ja auch noch erhebliche Eisenmengen in anderer Form ins Land, das heißt sie werden hier ,,in- . vestiert"; , Ich schätzt die gesamte Eiseninvestipn für io3** auf rund 36 000 Tonnen> für!()33 auf rund 72 000 Tonnen, für /£()34 aber mit ungefähr 1 r|0 000 Tonnen wohl eher zu niedrig als zu hoch. Nun kommen diese Investitionen natürlich erst, nach einer Anzahl von Jahren wieder in Form von Schrott heraus, und wenn wir im Jahre 193/1 nhr 1800 Tonnen Schrott exportiert haben —- immerhin wesentlich mehr als jii den vorangegangenen Jahren — so zeigen sich hierin eben die niedrigen Eisenin vcstijionen der Jahre vor 1933-, wo die I11- —vestitioii^pio_Kopf der Bevölkerung und Jahr nur 2 5—27 Kilo betrug, während sie im Jahre i q33 ännaheriid 70 Kilo und im Jahre 193/1 beinahe 120 Kilo betragen hat. Auch gelit . ein Teil des Eisens wieder verloren wie zum Beispiel das Mo-, nicreisen der Betonbauten, fernerhin infolge von Rost und dergleichen. Aber - wir; könmmTdennoch7!!!^ Sichtrflieil^ mit der Tatsache rechnen, daß schon iii den nächsten Jahren1 der Sehrdtt-Enlfall Palästinas groß genjwg: seiiv inen mit einer zusätzlichen Einfuhr von Roheisen einen kleinen Siemens-Martin-Ofen so zu alimenliercn, so daß ein bis da hin-..errichtetes Walzwerk einen Teil seiner V()rfabi*ikale, Ilohblöcke,'• Brammen und dergleichen im Lande selbst herstellen kann. Auch das gibt also wieder Anregimg zu dem .Import von entsprechenden Anlagen. P ' : Nun bleiben aber die Dinge nicht nur auf das Eisen hc^ schränkt. Auch das. Ver walzen von Nie hie ise 111 e i 1 vi i, wie Kupier und Messing, wird bald im Lande, beginnen. Die erforderlichen Walzenstraßen und An triebst\ 1 asch inen sind eben falls Objekte für Lieferungen aus Europa; Wieweit daneben in absehbarer Zeit auch das Verwalzen A'Oii<::-Aluiiiiniti|iL'ii| Frage kommt, das ist freilich npcli Sehr schwer abzusehen, da unser Bedarf an Aluminiumblechen noch sehr klein ist. Er hat im vergangenen Jähr nur 67 612 Kilo betragen im Werte von etwa 0800 £P: Das lohnt natürlich noch nicht die Errichtung einer eigenen Prpdüktioii. l^ageg rechnen, daß die Herstellung von Eisenblech und von Kup fei"-, u 1 id. Messingblechen_itii^Laiide die» Entstoi 111 ng eh 1 er A nz; 1111 \W weilermrwbei^ tturcli S lanzen, Pressen Ziehen usw. diese Prod ukte ihrer 1 olzten Bestimmung zuführen wird. Zum Teil ist (las ja heule bereits der Fall, so verarbeiten beispielsweise die beste Aluminiumgeschirrl'abrikeu importierte Aluminiumbleche.: Danehen kann damit gerechnet werden, daß das Vorhandensein eines Scliwarzblechwalz>yerkes aiich die Verzinkereiindustrie, die in kleinen, ..mehr handwerklichen Anfängen auch bereits im Lande vorhanden ist, auf eiiie höhere StufeJn-ingenwird, in der mau einen Teil dieser Bleche im Lande auf wirklich iiKlustriellerB Ich kann diese m et all wirtschaftlichen Ausblicke iiier nur ändeutei^. Aber ich glaube, daß auch diese:~ Andeutungendazu genügen werden, um etwa dem europäischen Fabrikanten einen Überblick darüber zu geben, wie die Entwicklung hier voraussichtlich verlaufen wird. Über ähnliche Entwieklungslinieu in anderen [ndustriegiiippen wird an dieser Stelle demnächst gesprochen .werden Neue Röbrenfabrik Jbei Haita _ Die mit %& 000 £P A.-K. in Entstehung befindliche „Palesline Tubes .Company, Ltd." in Haifa plant den Bau einer Fabrik für aulogen-geschweißla Köhren. 9