Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 11-12 (30.6.1935)
- Date
- 1935-06-30
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2550047-2550067-2550077--268-2550442- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
IN - PM#CT11f A Von Dr. J. AdUrr fel-Aviv Vgl. den Artikel in Nr. 1,11 unserer Zeitschrift Dir Situation "für den iV;i«Iif>-1-11icI ist in Palästina an sich j 1 icht seht |günstig. Palästina ■ isl eines der ganz wonigen modernen Länder der■■.Krch», dir bisher noch keinen öffentlichen l\um!Iiiilk^iMiflfMbesitzen. Ein privater Sendebclrieb — von IVI-\\iv ans >varmir zeitweilig in Gang, so im Vorjahr anläl.Vlich (Irr l..e\;mhviiiesse. In nächster'.'-Zeil soll Palästina allerdings nunmehr einen reuiilärei.i sl;i«*il1khen I\ühdiunkbelrieb erhallen. Das Generalpfislniiil.'deni der lladiobelrieh technisch ' organisatorisch und ' auch in der Pfograiirmgestalttmg milerslehen wird, hat damit H»enormen4: in geeigneter Lage auf deiii Gebirgskämm zwischen Jerusalem und Ramallah einen Großsender zu errichten,dessen . ■ ., ■ /"' . / . - ■ . Kiiirirhtung aus Enghmd bezogen wird. "Der Senderaum selbst und dir Verwaltung werden in dein gegenwärtig im Bau befindlichen neuen llanplpostgehäudeJerusalems (a,h der Jaffa- Straße) unlergebracht werden, ."Die:IVlriebsImlnahme von ,,Hadio Jerusalem" ist für Erühj.1 Iii* uj'M\ vorgesehen*), hu GefH'ralposlamt i^t bereits jetzt dre^rrmrnVhlTT i-on Sektrelär soeben alle paläslinerisischen Einwohner, die (•»ra'klische Hundfunkerfahrung als Techniker, Organisatoren, Ansager, l'VinksaiigerK Puiikschauspieler, Funkmusiker und Vortragende, besitzen,, durch öffentliche ßekanntnuichungauf- ■ gefordert hal, sich bei ihm zu melden. Da seit i<)33zahlreiche ,he nur ragende l\ u n d Iii n k k r ä f l e all er Sparten nach Palästina eiiigt-AN ändert sind, so läßt sieli hoffen, daß ein Rundfunk- ■ dienst auigebaul werden kann,der weder technisch lioch künstlerisch und wisseiiseiia tilieli a\eii Vergleich mit den besten europäischen Stalionen zii scheuen braucht. , : ''' Vorlnulig ist' es freilich jiocJil.nich;!^^ dej iiiMir Sender errichtet lind erprobt werden muß, und deshalb erübrigt es sich, gewisse Fragen der Prögraninigestalluug. Mehrsprachigkeit, kulturelle Divergenzen der Hörer- - scha I i) und auch die finanziellen und kaufmännischen Problei iic (Kiiiidhuikhürgdiiilir'', Rundfunkreklame) schon heute eingehend zu erörtern. Augenblicklich ist der palästinensische Ursilzer eines Hadioapparales noch weiterhin auf deil Fern-, '•empfang-- angewiesen. Und das ist .keine' einfache und keine billige Sache! Die nächste Radinstation ist der vor einem Jahr crö(Tncjc iig>plische .Gnvßsend<'r Abu Zaabal, etwa 6.6.0 km Lull link' von Tel-Vviv entfernt. Er ist der einzige Sender, c|er bei Tage hörbar wird, und sein Programm, das weitgehend aus ägyptischer Nalionabnus^ik besteht, bietet dem an europäisi he Darl)ielungen gewöhnten Hörer wenig Anreiz* _ ^- Nach Eintritt der Nacht lassen sicli sämtliche größeren curoj)iuschen Stationen äu^geziichiiet -veiuiehirum, allerdings nur tiu^dfc Iii indes lens Vier- bis Fünf-Röhrenapparates, denn iint Zwei- 111i d Drei-Rölireiiappäralen uiid gar •m'iI, vi)ete.kIorein r'ielituiigen• ist in Pidästina, solange wir noch, nie-ltl die eigene Station haben, gar .nichts anzufangen. : -Noch vor wenigen- Jahren waren Radioapparate in Palästina eine große Seltenheil, gemäß der schwachen Kaufkraft der Bevölkerung. Das« hat sich nun in den letzten Jahren der; ^Pro-sperilv*- -gründlich, geändert, wie die Entwicklung des Kadioimporls erkennen läßt. Noch njoi war die Einfuhr von Radioapparaten (nebst Teilen) so unbedeutend, daß sie von der Regierungsstatistik Palästinas mit in die Rubrik der elektrischeil Apparate aufgeiinm'nlen wurde, die insgesamt auch "nur i'i 536 £P. betrug. Im Jahre nj3* wird/die Radioeinfuhr bereits erstmalig 'gesondert ausgewiesen, und zwar mit io Sat) £P., uiid 1933 schnellt sie auf mo<)3m CP., sodann i(j3/| auf 5.'j 759 £P. empor. Außerdem ist daran zu erinnern, daß der Raclioapparat beim Einwanderergut'' eine große Rolle spielt, neuerdings noch dadurch begünstigt, daß die 'Regierung-^ Radios -n;marate~sow-c^ *) Xacli filier Meldim»- der ..Paleor*' kann evtl. mit einem Bt»* M'inn schuu im iSeptem^r gerechnet wertleu. brauch lnilgcbracht werden, in die Zollfrciliste aufgenoininen hat - während die vom Handel importierten Radioapparate dem allgeineinen Wertzoll von 12 *yo unterworfen sind. Im Jahre 1 o3:j waren in Palästina erst 900 Rundfunkhörer vorhandeil, nach der amtlichen Statistik ddr Rundfunkgebülireneinnahmen zu urteilen. Heule sind in Palästina nach Vorsiehtigel* Schätzung mindestens Qooo Radioapparate in Betrieb. Ein gewisses Hindernis setzen der weiteren Popularisierung des Radioenipfahgs noch die finanziellen und., technischen Prp- -■-biet!^':.-c^^ die gegenwärtig von der Postverwaltüng mit 1/2 £P. jährlich erhoben wird) keineswegs hoch (freilich bietet ja auch der palaslinensisehe Staat bisher den I lörern noch nichts aus eigenen Kräften); aber manche besorgen, daß nach Eröffnung von „Radio Jerusalem" die Gebühr ernpfiRdlich gesteigert werden könnte. Ob diese Besorgnis zutrifft, bleibe einstweilen dahingestellt. Wichtig ist das nächste finanzielle Argument, der relativ hohe und teure Stromverbrauch eines Vier-oder Fünf-Röhrenapparates, angesichts dessen, daß jjliitenberg'/ pro Kilowattstunde 1 [ausludtstrom 3o Mils rechnet. Und dann natürlich die ganz "erhehud^ die. palästinensischen Radiohändler durch erstaunlich weitgeheridc Teilzahlungsbvwilligung und auch durch recht weitherzig gewährte Pröbeauf Stellung bemüht sind. Immerhin: mindestens iy £P. für einen Apparat, an dem, man seine Frelide haben kann, sind und bleiben für den Angesteil ten, den Kleingewerbetreibenden, den Arbeiter, den Kleinlandwirt unerschwinglich! : > Was die technischen* Bedenken betrifft, so wird hervorgehoben, daß unter dem südlichen Himmel Palästinas der Empfang stärkexe^ S töruugen erleide t als_ unter nördlicherjen Brei-r ten; Beklagt wird auch der fast völlige Ausfäll des Tagesempfangs, und außerordentlich bedauert man die relative Verspätung der .europäischen Sendungen : Palästina hat bekanntlich osteuropäische Zeit (zwei Stunden vor Greenwich), und so kommt es, daß in Palästina schon Mitlernacht überschritten ist, wenn die lniltel- und westeuropäischen Stationen die Höhepunkte ihrei\~AbcMidprögramnie erreichen. . Ilauptlieferanfcn des Paläslina-Radiomarktes sind Amerika und Holland, mit ihren den Weltmarkt beherrschenden Marken. Aber auch die bekanntesten Systeme der anderen Länder sind reichlich vertreten. Viel Interesse finden Modelle mit Schallplattenvörrichtung. -Zu beachten ist, daß. Palästina Wechselstrom hat 1 Eine selbständige Ra^ioindustrie besitzt Palästina bisher gcwerbe, zumal dank Einwanderung deutscher" und österreichischer Fachleute in den beiden letzten Jahren, hervorragend entwickelt,v und auch Speziaiisten für! Entstöruhg haben sich r Tie uerdings ist der Aufbau einer palästinensischen Radioindustrie nur hoch eine Frage der Zeit; er wird dann einsetzen, wenn die bevorstehende Betriebsaufnahme von „Radio Jerusalem" auch einen breiten Markt für Detektorempfänger und billige Zwei- und Drei- Röhrenapparate eröffnen wird. Diese Kategorien, die möglichst preiswert sein müssen, wird man vermutlich im Lande bald erfolgreich produzieren, Mhrend-'' man in den besseren Apparaten wohl nach wie vor sich auf das Auslandserzeugnis stützen wird. Viel diskutiert wird gegenwärtig die Frage der japanischen Konkurrenz. Japan hat soeben in Südafrika einen Radioapparat zum Detailpreis von 31/2 £ eingeführt, der qualitativ der europäisch-amerikanischen Preislage von 17 £ entsprechen soll. Angeblich will Japan mit diesem Angebot demnächst auch systematisch Palästina bearbeiten« Das würde natürlich — vorausgesetzt, daß die japanischen Apparate qualitativ einwandfrei sind — die Situation von Grund aus verändern, sowohl zum Nachteile der lijuermx. Qualitätsapparale aus anderen Ländern als auch im Sinne völliger Sperrwirkung für den Aufbau einer künftigen palästinensischen Meinen industrie. ö