Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 2 (1935)
- Issue
- Heft 9 (18.5.1935)
- Date
- 1935-05-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
- Beirut 1× ep/1047833
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fläche bei 120 m Meßtiefe, die Bohrung brachte Wasser in der Tiefe von 90 -o'i.<S in mit etwa 65 Stundenmenge. 1 In Beth Alpha zeigte die Messung eine wasserführende Schicht bei 2/1—3o ni an, die Bohrung lieferte. Wasser bei :>3-—29 m (70 ma). In Athnroth wurden Anzeichen einer feuchten Schicht bei (»o—80 in wahrgenommen, diese erschien aber unergiebig, und von der Bohrung wurde abgeraten. Es wurde trotzdem gebohrt, aber kein Wasser gefunden.^* Ebenso war eine Bohrung, die entgegen dem negativen Meßergebnis in Rosch-Pinah vorgenommen wurde, erfolglos. Diese und viele andere Beispiele haben den l£&veis erbracht, daß die Ergebnisse der physikalischen Wasserschürfung als weitgehend zuverlässig angesehen werden können und daß man bei ihrem positiven Ausfall mit höher Wahrscheinlichkeit aüf Wasser rechnen kann, bei negativem Ausfall aber sich die» hohen Kosten des Bohrversuches sparen kann., Die Palestihc Geophysical Society arbeitet heute bereits in ziemlich großem Maßstab, wozu, sie besonders auch durch zwei von ihr hier im Land konstruierte >,ffihrbäre Laboratorien" befähigt wird. Diese bestehen aus Automobilen, in die alle Meßgeräte uoxl Zubehörteile sowie alle Erdleitungen und sonstigen Verbindungen in sehr zweckmäßiger Weise eingebaut sind. Es mag erwähnt werden, daß; derzeit neue Methoden ausgearbeitet werden; durch die noch aridere physikalische Eigenschaften des Bodens für seine geophysikalische Durchforschung nutzbar gemacht werden sollen. Hierüber wird zu gegebener Zeit später berichtet werden. DUM NACHBAR SYRIEN Die Wirtschaftsbeziehungen Palästinas zuCsmnen \ achbar n werden bald in den' Vordergruna tuirtschnf7sf)oliiischer Betrachtungen rücken. In der vorigen ftummft' brachten-wir einen Bericht über Cypern.. Die folgenden Anmerkungen über Syrien behandeln selbstverständlich nur einen Ausschnitt des Gesamtkomplexes. Es ist nicht möglich, an. der /Talsache vorbeizusehen, daß Syriens Wirtschaft-•■seil-Jahren einen Schrumpfungsprozeß durchmacht. Seine Einfuhr, die noch 1931 1,15 Milliarden f ranV Frs. darstellte, fiel bis 1934- bis auf 736-.MHL, und der Ausfuhrwert fiel gleichzeitig von auf 3n Milk Die französische Mandalsregierung hat unter dem Hinweis,dadurch die Lage der Industrie zu bessern, ih letztec^Zeit starke Zoll-, crhöliimgcn vorgenommen,-stößt.-aber-mit dieser Politik auf. •denheftigsten Widerstand aller Wirtschaflskreise, so daß ein vom -Syrischen Wirtschaf ts-kpniitee dem Hochkomnlissäl'iat überreichtes Memorandum davon spricht, diese Zollpolitik sei geeignet, ,,di(v augenblickliche Wirtschaftskrise noch zu; verschärfen4 V„ . - '■ Wenn die Mandatsregierung durch ihre Zollpolitik überhaupt einer Industrie genutzt hat, so der Textilindustrie," aber gleichzeitig schädigt sie,'den Textil-llandel, da oie heimische, •Industrie'-nicht in der Lage ist, den Markt ausreichend zu beliefern, so daß Auslandstextilien zu hohen Zollsätzen eingeführt werden müssen. Hier nun wäre die Aussicht für die . palästinensische Industrie in höchstem Grade günstig gewesen, sie hätte sieh" unvergleichlich besser einführen können als sie es getan hat.. Die palästinensische Textilindustrie exportiert zwar nach Syrien, aber in einem Maßstäbe, der nicht entfernt an die Nachfrage zollfreier Wraren heranreicht (bekanntlich besteht zwischen den beiden Gebieten ein Zollabkommen> das * in vielen Industriezweigen einer Zollunion sehr nahekommt). . Zwei Gründe werden von der palästinensischen Industrie für ihr Verhalten angegeben; erstens, daß sie ja nichteimnal iin* stände sei, den eigenen Inlandsbedarf zu decken; zweitens, tlaß-sie -der -japanischciL Konkurrenz nicht gewachseh sei. Was_ den ersten Grund anlangt, so stellt er einen Teil der gesamten palästinensischen Exportpolitik dar und die Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, daß diese exportfremde Auffassung sich eines Tages sclrwer rächen "wird. Was die zweite Begründung anlangt, so ist sie kaum stichhaltig: Man wird" zugestehen müssen, daß~die palästinensische Industrie in einigen Zweigen mit der japanischen konkurrieren kann, und ferner, daß in änderen Zweigen die europäischen Industrien ebensowenig konkurrenzfähig sind wie die palästinensische, ohne deswegen den Kampf aufzugeben* ehe man ihn eigentlich begonnen hat. " Um au.Hand einiger Beispiele die Art der Leistung in der Texiiiproduktion anzudeuten, sei erwähnt, daß im letzten Vierteljahr 1934 z.B. im Bezirk Aleppo (der sich immer mehr zum Textilzentrum auswächsl) auf 2500 Handstühlen i,i5 Mill. Meter Popeline und Pique,,auf i5oa lImidstühlen - „Sajat" (Kette aus Kunstseide, Schuß aus Baumwolle) hergestellt wurden; in der gleichen^ Zeit wurden in Aleppo /1800 Stück Baimiwüllware (zu in), ^joo Paar seidene Dameristrümpfe, 12 3oo Socken, etwa 2/4000 fertig konfektionierte Waren aus verschiedenen Stoffen hergestellt. Zu dieser Produktion kommt die Textilerzeugung in Damaskus, Beirut, Alexantirette. Für mitleleuropäische Begriffe sind diese;, Produktionsziffern geringfügig, für ein Land der Levante, das seit Jahren immer mehr unter der Krise leidet, sind si£ beachtlich und erhalten eine besondere Färbung noch dadurch, daß gleichzeitig der japanische Umsatz immer weiter ge^ stiegen ist. Japan - steigerte seinen Import an Trikotagen — ohne Strumpfwaren in den letzten drei Jahren yon 102 auf 242 Tonnen, Palästinas syrischer Absatz in den gleichen Artikeln stieg jedoch nur von 6 auf 23 Tonnen —■■ womit Palästina den zweiten Platz als Lieferant dieser Waren einnimmt. Diese wenigen Beispiele dürften bereits einigermaßen ein Bild der Lage und der Aussichten geben: Ein an Naturschätzen so reiches Land wie „Syrien" (d. h. die vier Miniatur-Republiken; die man als Syrien bezeichnet und die amtlich „Die Länder der Levante unter französischem Mandat'* heißen), bewohnt von einer sehr fleißigen, handwerklich geschulten, kulturell recht hochstehenden Bevölkerung, kann wirtschaftlich eine großartige' Ergänzung für Palästina darstellen. Vorläufig besteht die Ergänzung lediglich in dem erwähnten Zollabkommen und es gibt mir sehr wenige Firmen, die selbständig die wirtschaftlichen Vorteile, die sieb auf der einen wie auf der anderen Seite bieten, ausnutzen, um auf diese Weise ihre eigenen Interessen und damit die der beiden Gebiete zu fördern. Die Mandatsregierung achtet mit schärfsten Mitteln darauf, daß keine arbeitsuchende Einwanderung nach Syrien ermöglicht wird, scheint sich aber gegen eine Niederlassung einzelnerkapitalkräftiger, industriefördernder Einwanderer nicht sträuben zu wollen. Eine Einwanderung in solchem Sinne kann allerdings nur dann im Interesse auch Palästinas liegen, wenn dadurch der gegenseitige Güteraustausch gefördert wird. Mit der Grün-« dung von Industrien im französischen Mandatsgebiet kann der' einzelne Kapitalist, wenn er halbwegs landeskundig* oder gut ■« bef'&leiv ist,:- die- J^ghnlage ausnutzen, mehr aber nicht.. Dehn es wird sich darum handeln, einer neuen Industrie Absatz zu schaffen, was wiederum nur in engster Gemeinsamkeit mit Palästina geschehen kann, und" es wird sich ferner darum r handeln, jeweils festzustellen, wieweit die Wirtschaftspolitik der Mandatsregierung eine neue Industrie auf die Dauer zu schützen gewillt und imstande .ist. Syrische Wirtsöhaftskreise nennen diese Politik brüsk und einseitig französischen Interessen dienend und-wii^\Vollen~ttnd-können hier nicht festzustellen suchen, wieweit sie mit diesen Behauptungen im Recht sind; sie führen als eines der vielen Beispiele die ^Behandlung der Tabakwaren-Indu^trie an, die jetzt monopolisiert wird, wodurch nach ihrer Auffassung lediglich französischen, nicht, aber syrischen Interessen gedient wird. Sie führen ferner an, daß die französische Zollpolitik den Schmuggel fördere und daß die Finanzpolitik durch zu hohe Abgaben Handwerk und Handel ruiniere. Auch Kreise, die durchaus nicht im Verdacht stehen; juden- Xreundliche Politik zu betreiben, anerkennen, daß eine engere Zusammenarbeit beider Mandatsgebiete nur Vorteile bringen kann. Die Initiative dürfte freilich wohl nur von Palästina ausgehen und nicht zuletzt auch von jenen Kreisen, die beabsichtigen, neue Industrien in Palästina zu schaffen, Dr. Julius R. Kairn