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Palästina-Nachrichten · 1935-05-18 · Heft 9 (18.5.1935) · p. Seite 3

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
2 (1935)
Issue
Heft 9 (18.5.1935)
Date
1935-05-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Von Dr. Alfred Marcus, Haifa t Wir beginnen heute mit einer Artikelserie von Dr. Markus, die sich mit einem entscheidenden Pro- .__ blem der palästinensischen Wirtschaft: dem der Zukunft der I n dustrie grundsätzlich beschäftigen toird, und so eine bedeutsame Erweiterung und Ergänzung aU der Aufsätze darstelle die Einzelzweige der aufstrebenden Industrie des Landes behandeln. Es ist nicht die Absicht dieses Aufsatzes, aufzuzeigen, was bereits in> Palästina an industriellen Werken vorhanden ist. Es handelt sich mir vielmehr darum, einmal zu untersuchen, ob sich aus der bisherigeri industriellen Entwicklung des Landes bestimmte Grundtendenzen ableiten lassen, die für die zukünftige von Bedeutung sein können, und fernerhin darum, wie weit heute in Palästina diese Tendenzen, soweit sie sichtbar sind, anerkannt oder bekämpft werden. Eine Tatsache sei von vornherein betont: Es geht nicht an, die industrielle Entwicklung des Landes als etwas — sozusagen ini nationalmoralischen Sinne — Zweitrangiges und ein wenig Verdächtiges zu betrachten. Gewiß wollen wir die Verwurzelung/des jüdischen Volkes im palästinensischen Boden, und gewiß wird jeder einsichtige Mensch alle Bestrebungen begrüßen,, die diesem großen Ziele dienen und sie nach Möglichkeit fördern helfen. Aber nichts wäre für uns gefährlicher als das Streben nach einem; ökonomischen Idyll, das es nirgends auf der Welt gibt, niemals .gegeben hat und niemals geben, wird.. Vor allem müssen wir uns/darüber klar sein, daß wir ohne eine gewisse industrielle Entwicklung auch die landwirtschaftliche nicht werden durchführen, ja nicht einmal auf dem jetzigen Stande werden hallen können. Nirgends ist heute ein gesunder landwirtschaftlicher Sektor einer Volkswirtschaft denkbar,ohne einen gesunden industriellen Sektor der gleichen Wirtschaft. Nur da, wo dieses gesunde Verhältnis gestört ist und der eine_Sektor_:gegenüber dem anderen — rfaeh Maßgabe der—rrätürlichen Gegebenlioiten, des betreffenden Landes — hypertrophisch entwickelt, wird mitunter iür den Außenstehenden die Richtigkeit dieser Behauptung verschleiert. Des^ halb müssen wir von vornherein Wert darauf legen, daß in Palästina eine industrielle Entwicklung allgemein als nationale Notwendigkeit anerkannt und als genau so notwendig empfunden wird, wie die landwirtschaftliche, und jeder Streit um die nationälpolitische Priorität des einen oder des anderen Sektors muß als. verhängnisvoll erscheinen. Denn eins ist sicher: Palästina wird auf jeden Fall und ganz unabhängig von dem nationalpolitischen „guten Gewissen der heute in Pa-. lästina lebenden Menschen eine industrielle Entwicklung nehmen, und wenn führende Männer des Zionismus und des jüdischen Volkes diese Entwicklung negieren, wie das heute immer noch;geschieht, so wird sie sich gegen sie vollziehen.' Das wird .aber dazu führen, daß gerade die Auswüchse und Fehlleitungen um so eher und um so krasser eintreten,, die man—an—sieh vern ünftigerweiseTzuvermeiden sucht. —Andersausgedrückt; Palästina wird — das scheint doch im Zuge der allgemeinen nahöstlichen Wirtschaftsentwicklung und'auch im Willen weiter. Schichten des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit zu liegen — eine Industrie haben. Die Frage für uns ist die, ob es eine den wohlverstandenen und keineswegs einf seitig zu betrachtenden Landesbedürfnissen entsprechende Industrie, d. h. ob es eine „gute" oder eine „schlechte*' Industrie haben wird. Wenn wir aber .die Frage in dorn obigen Sinne richtig formulieren, so ergibt sich eine weitere: Wie kann xnan die Entwicklung in dem gedachten Sinne leiten? Denn eins ist klar: Palästina ist wohl heute eines derjenigen Länder, in denen die Möglichkeit der freien und ungeregelten wirtschaftlichen Tätigkeit noch weitaus am stärksten vorhanden ist. Irgendwelche planwirtschaftlichc Möglichkeiten bestehen hier zur Zeit nicht. Dies schon deshalb, weil gar keine Exekutivgewalt besteht^ die derartige planwirlschaftlichc oder auch nur. plänwirtschaftsähnlichc Entwicklungen tragen könnte. Die jüdischen Instanzen haben einesolche Exekutivgewalt niclit. Selbst wenn sie sie im jüdischen Sektor der palästinensischen Wirtschaft hätten, dann wäre sje ein reines Theorem ohne jede praktische Bedeutung, denn man kann nicht Planwirtschaft für einen Bevölkerungsteil machen, die nicht auch von dem anderen Bc-* völkerungsteil —— also von den.Arabern in unserem Falle — mitgemacht wird, und davon ist gar keine Bede. Jeder jüdische Plan würde jederzeit durch eine ungeregelte wirtschaftliche Entwicklung auf arabischer Seite seiner Grundlagen be- SpcecUende 2oUUh Die „Jewish Agency" hat uns soeben die neuesten, für Anfang ig35 berechneten Statistiken der jüdischen Kolonisation Palästinas mitgeteilt, die wir selber teilweise bis Ende April 1935 erglänzen konnten. •., Während vor 80 Jahren in Palästina nur 10 5oo Juden wohnten, und ihre Zahl gegen Ende des Weltkrieges »erst 56 000 erreichte, ist gerade um die Jahreswende iq3/i/35 die 3oo oöö-Grenze überschritten worden und heule bereits mit annähernd 33o poo Juden in Palästina zu rechnen, also ,über ■■3 7 Prozent der Gesamtbevölkerung. Unter - den 33o 000 palästinensisch^ sicJx,■■aO-Qpo>. die aus Deutsch^ Gruppe wird an Zahl nur"Inöcli von den aus Polen (heutc 1 rimd-£5-Qoo) und aus^ Rußland- (rund 3o 000Y cinge^vajiderten Juclcn übertroffen. ^""Sbr Tiodenlie^itz dcr-^Jü^ Palästinas ^sich von aooooi^unan (1 Dunan =1000 Quadratmeter) Jahre 1881, dem eigentlichen Geburtsjahr der jüdischen.' landwirtschaftlichen Kolonisation; auf 1 200 000 Dunan zu Anfang 1935 erhöht, der . sich auf 15o Siedlungen verteilt. Von dieser Gesamtfläche befinden sich 3/» 2 000 Dunan im Eigentum des Jüdischen Nationalfonds. ~T ~ TXr. J. Ä, raubt und zu einer reinen Farce gemacht werden. Es kommt hinzu, daß die Mandalsregierimg selbst ihre Exekulivkraft wohl niemals, oder jedenfalls nicht in irgendwelchen" absehbaren Zeiträumen, derartigen Absichten zur Verfügung stellen würde. Seien wir uns ruhig klar darüber, daß das auch gar nichtjihre Aufgabe wäre, clenn sie hat zwar über eine Entwicklung Palästinas in der Richtung auf das jüdische „National Home" z^u wachen und diese zu erleichtern, aber gerade einem Engländer wird es wohl niemals einfallen, eine solclie^Erleieh^' terung in planwirtschaflliclien Entwicklungen zu erblicken. Es bleibt also die Tatsache bestehen, daß auch in bezug auf die industrielle Entwicklung Palästinas eine Exekutive nicht vorhanden ist und vorläufig auch nicht als vorhanden gedacht werden kann, die planwirtschaftliche Gedankengänge zu einer Realität machen könnte. Deshalb ist es besser;■man läßt sich nicht auf solche Gedankengänge ein, die; ja~doch nur Phantasien darstellen, für den einen Wunschphanlasien, für den anderen Angstphantasien, aber das ist in .diesem Zusammenhange ganz genau, dasselbe. Weitere Artikel folgen. <-'SSSSSsSSJ ÄS^ 77^M Vakuum-Trockner, Verdampfer zum schnelleni bHligen, sterilen,, oxydationsfreien Eindampfen und Trocknen empfindlicher Stoffe bei niedriger Temperatur. Vollkommene Entfeuchtung, unabhängig von äußeren Witterungseinflüssen. Erhaltung des Aromas, der Farbe*, der Diastase, Fermente,Treibkraft, Vitamine und aller wertvollen Eigenschaften. Kolloidmühlen / Imp.'ägnierapparate / Kristallisatoren Chemische Apparate / Extrakteure in Sonderkomtruktionen SS/ BiRUN-CHARLOTTENBURG4 Fernsprecher: J6 Bleibtreu 3123 Berlin Dünnschicht VsHüum -Schn«lltrpckn«r

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