Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 16 (29.11.1934)
- Date
- 1934-11-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Orangensorgen überall — In Spanien. Die Beschaffenheit der diesjährigen Ernte ist nach Farbe, Größe und Güte ausgezeichnet. Die bisher getätigten, nicht unerheblichen Abschlüsse erfolgten zu recht verschiedenen Preisen. Die gewöhnliche Apfelsine brachte 1,25 bis 3,— Pts., die Arroba und die Naval bis zu 6,— Pts., während Mandarinen zu 4,— Pts. umgesetzt wurden. Große Beunruhigung herrscht über cne Entwicklung des so überaus wichtigen deutschen Markfes, und zwar sowohl wegen der finanziellen Durchführung der getätigten Verkäufe als auch wegen der Absatzmöglichkeiten überhaupt. Eine Uebergabe der Ware gegen Barzahlung stößt auf Schwierigkeiten, weil sich die Genehmigung zur Einfuhr bzw. die Zuteilung der erforderlichen Devisen kaum mit der Schnelligkeit bewerkstelligen läfjt, die bei dem leichten Verderben der Früchte wünschenswert ist. Ein Verkauf auf Zeit läfjt sich aber nur in Ausnahmefällen durchführen, da die meisten Apfelsinenexporteure der Natur des Geschäfts nach nicht in der Lage sind, längere Zielverkäufe abzuschließen. Mit Besorgnis sieht man auf die zunehmende Beliebtheit der Palästina-Apfelsine in Deutschland, ebenso auf die rege Propagandatätigkeit, welche Nordamerika durch die California Fruit Growers Exchange in Deutschland entfaltet, der Italien nicht nachstehe. Das kürzlich zwischen Deutschland und Palästina abgeschlossene Tauschabkommen von 8 Mill RM. würde der Ausfuhr von 13 000 Waggons spanischer Apfelsinen zu je 6 t zum Preise von 30,— Pts. frei Waggon Cerbere entsprechen. Daß die nachteilige Behandlung einiger wichtiger niederländischer Ausfuhrerzeugnisse in Spanien fortdauert, hat in holländischen Wirfschaftskreisen sehr verstimmt. Die niederländische Regierung hat dieser Verstimmung nunmehr dadurch Rechnung getragen, daß sie ihren Gesandten in Madrid beauftragte, bei der spanischen Regierung energische Vorstellungen zu erheben. Sollte bis zum 1. 12. der Handelsvertrag in Spanien noch nicht wirksam geworden sein, so plant die niederländische Regierung von diesem Zeitpunkt ab die Einfuhr spanischer Apfelsinen und Mandarinen nach Holland zu verbieten. In Cypern. Das cyprische Blaubuch bemerkt über die Fortschritte des Orangenbaues im Jahre 1933, daß eine beträchtliche Verbesserung in der Qualität und in der Verpackungsweise der für die Ausfuhr bestimmten Citrusfrüchte in Cypern während des Berichtjahres eingetreten sei. Diese Verbesserung wird auf die Kontrolle und Unterstützung der Regierung zurückgeführt, besonders auf die sorgsamere Ueberwachung der Verpackung bei der Ausfuhr sowk auf die erhöhte Werbung im Ausland. Eine schwedische Schiffahrtsgesellschaft hat sich veranlaßt gesehen, eine direkte Schiffsverbindung für den Orangentransport nach Cypern einzurichten, die mit Zwischenlandung in englischen Häfen nach Dänemark und Schweden führt. Einen neuen Markt sucht Cypern in Rumänien zu erobern, das bisher so gut wie keine Orangen aus Cypern importierte. Cypern importiert dagegen sehr viel Holz aus Rumänien, und Cypern strebt danach, zu Nachahmung des palästinensischen Beispiels, einen Austauschverkehr von Holz gegen Orangen mit Rumänien zu organisieren. Und in Palästina-- Die erste Orangensendung hat am 16. November das Land verlassen; Ziel: England. Die Markt-Aussichten sind noch ungeals es der Pefroleumofen ist. Aber neuerdings findet man es doch lohnend, in komfortablere Häuser Zentralheizung einzubauen. Unter denjenigen Haushalfsausgaben, die über den notwendigen Lebensbedarf, das heißt über Nahrung, Wohnung, Heizung und Beleuchtung hinausgehen, verdient ein Posten besondere Erwähnung; das sind einmal die Abgaben an Berufsorganisationen und dann die freiwilligen Spenden für öffentliche Sammlungen und allgemeine Institutionen, denen man sich auch bei bescheidenen Verhältnissen nicht entziehen kann. Abgesehen von den Pflichtbeiträgen zu Berufsverband, Krankenkasse, Arbeitslosenfonds, denen der organisierte Arbeiter und Angestellte unterliegt, spielen die freiwilligen Abgaben für die verschiedensten allgemeinen Zwecke im öffentlichen Leben Palästinas eine erhebliche Rolle. Dafj die großen Aufbaufonds — Keren Hajassed und Keren Hakajemet — auf freiwilligen Beiträgen beruhen, braucht kaum betont zu werden. Hieran sind ja die anderen Länder viel stärker beteiligt als Palästina selbst. Aber außerdem sind Kranken- und Erholungshäuser, sind Erziehungs- und Unterrichtsinstitute, ist jede Art von Kunstpflege in hohem Maße auf freiwillige Unterstützung angewiesen. Die Notwendigkeit und die Pflicht, hier helfend einzugreifen, ergibt sich ohne weiteres daraus, daß einerseits der öffentliche Etat gar keine oder völlig unzureichende Mittel für all diese Zwecke vorsieKt, daß andererseits aber auch die in klärt. Nicht nur handelspolitische Momente spielen herein, sondern auch|Zwei andere Faktoren, die man off nicht genügend beachtet. Ersteh die Entwicklung bei der spanischen und italienischen KonkJPrenz — der spanische Frost veränderte in der letzten Saison die Wettbewerbslage total — zweitens: der klimafische Verlauf in Palästina selbst (bisher nur sehr knapper Regenfall). Ueberraschend günstig war bisher das Zitronen-Exportgeschäft, während Grape-Fruits nach anfänglich hohen Preisen wieder etwas nachgeben mußten. Dagegen hat das polnische Handelsministerium eine Zollermäßigung für Palästina-Orangen von bisher 2,20 Zloty auf künftig 0,60 Zloty in Aussicht gestellt. Und um die Sorgen zu vergrößern, ist die Freizeit für die Waggonausladung von Citrusfrüchten in Haifa auf vier Stunden begrenzt. Bei Ueberschreifung wird eine Ueberzeitgebühr von 9 Müs je Stunde und Tonne erhoben. Diese außerordentlich einschneidenden Bestimmungen der Eisenbahn beweisen erneut die Verlegenheit, in der sich die Verwaltung infolge des Waggonmangels befindet, die schwer in Uebereinstimmung zu bringen ist mit dem Wunsch der Hafenverwaltung, die Ausfuhr der Citrusfrüchte in dieser Saison nach Haifa zu ziehen. In der Tat rechnet auch die Verwaltung selbst gar nicht mehr damit, daß in dieser Saison der größere Teil der Orangenausfuhr über Haifa geht. Immer wieder Japan — In Syrien. Schritt für Schritt ist Japan in den syrischen Handel mit England, Frankreich, Italien, Deutschland, Belgien, Oesterreich usw. eingedrungen. Stand der japanische Handel mit dem Mandatsgebiet in den Jahren 1926 bis 1929 noch an 15. und 13. Stelle, so erklomm er 1930 bereits den 10. Platz und rückte in den folgenden Jahren in die 9., 5. und 4. Stelle (1931, 1932 und 1933) vor. Bei dem starken Ansteigen der japanischen Ausfuhr nach Syrien-Libanon in diesem Zeitabschntt ist besonders zu berücksichtigen,, daß die Gesamteinfuhr Syrien-Libanons von 1929 bis 1933 um fast 40°/o zurückgegangen ist. Die japanische Ausfuhr nach Syrien-Libanon, die von 1926 bis 1933 von 1,3%> auf 7°/o der Gesamteinfuhr gestiegen ist, besteht hauptsächlich aus Industrieerzeugnissen. Ziffernmäßig drückt sich das Vordringen Japans auf dem syrischen Textilmarkt in folgenden Beispielen aus (in 1000 € Syr): Gefärbte Baumwollgewebe* 1931 1932 1933 Insgesamt ......1690 1019 997 Japan ....... 1346 873 926 Italien ........ 189 89 32 Auf dem Markt für Unterwäsche und Strümpfe wurde neben anderen Staaten Deutschland besonders durch das japanische Vordringen benachteiligt (in 1000 Syr. £): Unterwäsche: Insgesamt ...... 165 146 120 Japan ....... 22 78 89 Italien ....... 50 24 6 Strümpfe: Insgesamt ...... 196 162 236 Japan ....... 103 84 154 Deutschland ..... 18 16 9 Palästina . . .? . . 11 24 32 Die rückläufige Porzellaneinfuhr Syriens hat Japan überhaupt nicht berührt, obwohl die Gesamteinfuhr dieses Artikels nach Syrien sich von 1931 bis 1933 fast halbiert hat. andern Ländern übliche Steuerbelastung weitgehend fortfällt. So existiert beispielsweise eine Einkommensteuer in Palästina nicht. Einen nicht zu vernachlässigenden Posten im Budget des höheren Mittelstandes bildet schließlich die Hausgehilfin. Sie erhält — abgesehen von der Verpflegung — je nach Qualifikation zweieinhalb bis dreieinhalb Pfund und mehr im Monat. Das ist für die meisten Familien — selbst des gehobenen Mittelstandes — schon ein ins Gewicht fallender Betrag. Man beschränkt sich daher häufig auf die stundenweis tätige Aufwartefrau, die im Durchschnitt etwa zweineinhalb Piaster pro Stunde erhält. Man kann allgemein die Beobachtung machen, daß Neuein- *wanderer, die mit etwas Kapital ins Land kommen, zu Anfang über ihre Verhältnisse leben. Solange sie „Nur-Konsumenten" sind, fehlt auch der rechte Anhaltspunkt für den ihnen angemessenen Standard, und sie rechnen viel zu großzügig. Das pflegt sich zu ändern, sobald sie in das palästinensische Wirtschaftsleben eingegliedert sind. Dann beginnt die normale Rechnungsführung, dann erst sehen sie, wie man leben muß, wenn man mit dem auskommen will, was man verdient. Die psychische Haltung der Uebergangszeit, in der noch manche Reste von Touristengewohnheiten oder Maßstäben des früheren Lebens steckten, wandelt sich in die des meist schwer arbeitenden, mäßig verdienenden und anspruchslosen Landesbewohners. 3