Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 16 (29.11.1934)
- Date
- 1934-11-29
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Einnahmen. Mieten für Ausstellungsraum £ 21.927/— Eintrittsgelder £ 13.874/— Konzessionen £ 4.735/— Verschiedenes £ 1.450/— £ 41.986/— Ausgaben: Organisationen £ 22.248/— Zuschüsse für den Bau von Pavillons £ 1.951/— £ 24.199/— Ueberschuß 1934 £ 17.787/— Von dem Ueberschurj wurden zur Amortisation von Gebäuden und sonstigen Investierungen, zur Zinszahlung sowie als Delkredere £ 15.626'— verwendet, während der Rest von £ 2.1?2/— den vorsichtig bilanzierten Reinverdienst darstellt. Hier interessiert ein Vergleich der letzten Jahre in Bezug auf den Reingewinn im Verhältnis zum eingezahlten Kapital. 1931 1932 1933 bis 30.4.1934 Eingezahltes Kapital 1812/- 1914/- 2801/- 10411/- Reingewlnn 208/- 43/- 469/- 2162/- °/0 vom Kapital 11,4°/0 2,2% 16,7°/0 20,8% Dividende 6% - 12% Damit hat sich nun die Gesellschaft — privatwirtschaftlich gesehen — zu einem Großunternehmen entwickelt, und es ist verständlich, wenn sie jetzt ein neues Finanzierungssysfem an die Stelle der bisherigen internen Kapitalaufbringung setzen will. Die Gesellschaft hat — abgesehen von dem eingezahlten Aktienkapital — Zwischenkredife in Höhe von 75.000/—£ aufgenommen, die ausschließlich zum Ausbau des neuen Messegeländes dienten (die Investitionen werden insgesamt mit 97.350 £ angegeben, von denen 14.875/— £ aus dem Ergebnis der letzten Messe bereits amortisiert wurden). Diese Kredite sind teilweise dinglich gesichert und ratenweise bis Juli 1938 rückzahlbar. Zur Konsolidierung ist jetzt, nachdem die private und schatzliche Rentabilität des Unternehmens unterstrichen werden kann, eine Neuemission von Vorzugsaktien mit 7°/o Vorzugsdividenden beschlossen und aufgelegt wurden, um auf diese Weise das Kredit-Kapital in Eigenkapital umzuwandeln und die Investition pfandfrei in die Aktiva der Gesellschaft überführen zu können. Die vorgesehene Amortisation des Kapitals aus den Erträgnissen der Gesellschaff innerhalb der Laufzeit der Pachtverträge von 15 bis 20 Jahren scheint bei normaler Entwicklung durchaus möglich. Man darf mit Interesse dem Erfolg dieser Emission entgegensehen, die zweifellos, unter dem Gesichtspunkte der Prosperität Palästinas, reizvolle Chancen für das anlagesuchende Privatkapital bietet. Das Programm, das die Gesellschaft für die Exploatation des gepachteten Geländes und der großzügig errichteten Anlagen entwickelt, gibt dieser Chance ein recht solides Fundament. In den zweijährigen Zwischenperioden, die die Messeveransfalfungen trennen, werden die permanenten Gebäude des Messegeländes den repräsentativen Rahmen für Veranstaltungen aller Art, Theater, Kino, Konzerte, Kongresse, Spezialausstellungen und insbesondere für die Volksfeste zu Purim und Pessach bilden. Durch die regelmäßige Veranstaltung des großen Sportfestes der „Makkabiah" macht sich die vorhandenen Gebäude und Plätze zu Nutze, ünd schon heute hat der palästinensische Makkabi auf dem Messegelände sein Trainingslager aufgeschlagen. Außerdem verspricht der Strand im Sommer zu einem Bade- und Kurzentrum zu werden, begünstigt durch die günstige Verkehrslage des Geländes, die landschaftliche Schönheit und den Komfort, der dem Erholungssuchenden geboten wird. Mit diesem Programm soll eine gewisse Gleichmäßigkeit der Einnahmenentwicklung erzielt werden, das gleichzeitig eine günstigere Ausnutzung der Anlagen erlaubt und sich nur vorteilhaft auf die Finanzgebahrung der Gesellschaft auswirken muß. Alles in allem ist hier aus kleinen Anfängen in zäher. Pionierarbeit und planvoller Voraussicht ein wirtschaftliches Unfernehmen geschaffen worden, das heute zweifellos einen bedeutsamen Faktor im Wirtschaftsleben Palästinas darstellt, mit Recht von der Stadtverwaltung Tel-Aviv intensiv gefördert wird, und dem man im allgemeinen Interesse nur eine prosperierende Entwicklung wünschen kann. Wie lebt der Mittelstand? Von Dr. Hilde Oppenheimer - Jerusalem. Die Bevölkerungsschichten, die man unter dem Begriff des Mittelstandes zusammenzufassen pflegt, sind in Palästina nicht weniger verschiedenartig als in anderen Ländern. Sie umfassen ebensowohl den kleinen Angestellten, Handwerker und Händler, dessen Lebenshaltung sehr häufig hinter der des Arbeiters zurückbleibt, wie den viel beschäftigten Arzt, Anwalt, Architekten, Ingenieur oder Kaufmann, dem ein verhältnismäßig großzügiges Budget zur Verfügung steht. Für Palästina muß freilich betont werden, daß einerseits diese letzte Schicht besonders dünn ist, und daß es auf der andern Seife eine besonders große Zahl von kleinen Handwerkern und Händlern gibt, die sich bei ungeheurem Fleiß nur überaus kümmerlich durch das Leben schlagen, und deren Einkommen nicht nur hinter dem des gelernten, sondern vielfach auch hinter dem des ungelernten Arbeiters zurückbleibt. Die Verdienstspannen, mit denen solche „selbständigen Existenzen" rechnen, sind für europäische Begriffe unwahrscheinlich gering. Die Lebenshaltung dieser unteren Gruppen des Mittelstandes unterscheiden sich im allgemeinen nicht von der des Arbeiters in gleicher Einkommenslage. Die für viele europäische Länder charakteristische Erscheinung, daß der Mittelständler einen größeren Prozentsatz seines Einkommens für Kleidung ausgibt, dürfte in Palästina kaum eine Rolle spielen. Klimatische Gründe und größere Unabhängikeit von äußeren Formen halten überhaupt den Bekleidungsetat verhältnismäßig niedrig; außerdem aber fällt die Tatsache ins Gewicht, daß der Beruf, den der einzelne hier zu Lande ausübt, meist nur in losem oder gar keinem Zusammenhang steht mit dem Milieu, aus dem er stammt, daß infolgedessen auf vielen Gebieten eine Berufs- oder Standestradition so gut wie gar nicht existiert. So gibt es ja eigentlich heute nur in den ersten Anfängen einen palästinensischen Lohnarbeiter oder Angestellten, in der Hauptsache gibt es Menschen aus den verschiedensten Ländern, Berufen und gesellschaftlichen Schichten, die hier den Beruf eines Lohnarbeiters oder Angestellten ausüben. Aus all diesen Gründen werden sich zur Zeit kaum wesentliche Unterschiede in der Lebenshaltung zwischen dem Mittelständler und dem Arbeiter gleicher Einkommenslage feststellen lassen. Im Gegensatz zu den Bekleidungskosten, die das Budget hier weniger belasten als in Europa, wird auch der Mittelstand — und zwar der untere wie der obere — schwer betroffen von der außerordentlichen Höhe der gegenwärtigen Wohnungsmieten. An manchen Orten ist es keine Seltenheit, daß eine Familie 30, 40 und mehr Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben muß. In gewissen Gegenden Tel-Avivs oder Haifas sind heute die Wohnungskosten wahrscheinlich höher als in vergleichbaren Bezirken irgend einer europäischen Großstadt. Da aber gleichzeitig die Einkommen meist wesentlich niedriger sind, wird diese Lage überaus hart empfunden. Freilich sind auch bei den Mietpreisen sehr große Unterschiede nach Ort und Gegend festzustellen. Von Stadt zu Stadt schwanken selbst in den europäischen Bezirken die Mieten pro Leerzimmer im Monat zwischen 1 und annähernd 3 Pfund. Um die Bedeutung dieser Preise für das hiesige Haushaltbudgef zu ermessen, darf man natürlich nicht einfach eine Umrechnung auf deutsche Valuta vornehmen. Das würde die Beträge viel niedriger erscheinen lassen, als sie in Wirklichkeit sind. (Die Mietpreise selbst sind jetzt durch das Höchstmietengesetz geregelt. Die äußerste Grenze in den teuersten Bezirken der Städte ist auf £ 2.500 pro Monat und Zimmer festgesetzt. Die Red.). Günstiger als auf dem Wohnungsgebiet sieht es mit den Ausgaben für die Ernährung aus. Die täglichen Lebensmittel sind trotz konjunktureller Preissteigerungen immer noch verhältnismäßig billig. Im Rahmen des Familienhaushalts kann man bei bescheidenen Ansprüchen auf europäischem mittelständischem Niveau mit etwa 2 Pfund pro Person und Monat auskommen, Der einzeln Lebende, der auf Restaurants angewiesen ist, braucht natürlich mehr. Er wird mit 3 bis 4 Pfund je nach Bedürfnissen und Wohnort rechnen müssen. Sehr wichtig für den Nahrungsmitteletat ist es, daß die europäische Hausfrau ihren oft recht hartnäckigen Konservatismus überwindet und sich auf die Zubereitung der billigen und sehr guten palästinensischen Gemüse umstellt. Bei den Ausgaben für Wasser, Heizung und Beleuchtung spielen wiederum örtliche Unterschiede eine spürbare Rolle. Auf diesen Gebieten liegen die Verhältnisse in Jerusalem ungünstiger als beispielsweise in Tel-Aviv oder Haifa. Wasser und elektrisches Licht sind hier teurer (ersteres auch knapp) und der Jerusalemer Winter — die Ueberraschung und der Schrecken vieler Neueinwanderer — verlangt eine längere und intensivere Heizperiode, als in den meisten anderen Orten des Landes notwendig ist. Der Petroleumofen, die verbreiteste Heizeinrichtung, ist im Gebrauch keineswegs besonders billig. Allerdings ist die Heizperiode hier durchweg kürzer als etwa in Deutschland. Sie dauert auch in Jerusalem nicht länger als drei bis vier Monate. Diese Tatsache war wohl bisher das Haupthindernis gegen Kälte und Nässe bessere Vorkehrungen zu treffen, 2