Mannheim
Compact Memory

Palästina-Nachrichten · 1934-11-18 · Heft 15 (18.11.1934) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 15 (18.11.1934)
Date
1934-11-18
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2550047-2550048-2550063--134-2550296
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Die Wohnungsnot Von Dr. Ernst Wolfgang, Jerusalem Von jeher war das Wohnen in Palästina unverhältnismäßig leuer, und der Anteil der Wohnungsmiete an den Lebenshaltungskosten überschritt die in der Welt übliche Norm von 15 bis 20°,,. Heute sind die Verhältnisse noch wesentlich ungünstiger. Angestellte, Beamte und Angehörige der freien Berufe müssen bis zur Hälfte ihres Einkommens für Mietzahlungen verwenden. Bei den Arbeitern ist die Relation etwas günstiger, immerhin macht die Miete auch hier durschnittlich ein Drittel aller Ausgaben aus. In Tel-Aviv haben sich die Mieten seit Mitte 1932 um durchschnittlich 50",,, in einzelnen bevorzugten Stadtteilen sogar um 100" n erhöht. Dagegen ist in Jerusalem die Steigerung, vor allem in den Stadtteilen mit gemischt jüdisch-arabischer Bevölkerung, weit geringer. Verglichen mit Tel-Aviv sind die Mieten in Jerusalem um ein Viertel bis ein Drittel niedriger. Es ist vielfach die Ansicht vertreten, daß die Steigerung der Miefen im wesentlichen auf die Grundstücksspekulation zurückzuführen sei. Das ist in dieser Verallgemeinerung durchaus unrichtig. Wenn in einzelnen Stadtbezirken besonders hohe Preise bezahlt werden, so ist die Wohnbevölkerung z.T. selbst daran schuld, weil sie besondere Neigung zeigte, Wohnungen in den von der Mode bevorzugten Stadtteilen zu mieten. Zur Zeit werden in Jerusalem eine große Anzahl von Wohnungen in dem Villenvorort Rechaviah gebaut, obwohl dort der Pic (1728 Pic sind 1000qm) bereits im Durchschnitt 120 Piaster kostet. Dagegen ist die Bautätigkeit in den vom Zentrum etwas weiter entfernten, aber landschaftlich hübscher gelegenen Vororten Talpioth und Beth Hakerem außerordentlich gering, obv/ohl der Pic sich dort nur auf 20 bis 25 Piaster stellt. Durch die Konzentrierung der Nachfrage auf bestimmte Stadtteile hat naturgemäß die Grundstücksspekulation einen starken Anreiz erfahren. Trotzdem wird ihre Bedeutung überschätzt, und die Umsätze sind keineswegs so erheblich wie man annimmt. Die durch die Erhöhung der Grundstückspreise bedingte Mietssteigerung hält sich in den Grenzen von etwa 10 bis 20°/o. Zum weitet* größten Teil ist die Erhöhung der Mieten auf die Erhöhung der Baukosten zurückzuführen. Nach einer von einem palästinensischen Bauunternehmer aufgestellten Statistik, die aber keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebt, ergaben sich folgende Entwicklungsreihen: 1925—1933 - 100 Arbeitslöhne Materialkost. Gesamtkost. 1925 126 117 120 1927 107 110 109 1929 87 100 96 1931 80 ^„ 89 84 1. 1. 1933 72 88 82 1. 10. 1933 127 97 107 Nach dieser Statistik waren die Gesamfkosten in den ersten 9 Monaten von 1933 um rund 30° » gestiegen; seither ist eine weitere Erhöhung um mindestens 10 bis 20% eingetreten. Die Arbeitslöhne stiegen in den ersten 9 Monaten von 1933 um 75" ii, die Materialkosten um 10%. Die Erhöhung der Arbeitslöhne ist darauf zurückzuführen, daß nicht in genügendem Maße gelernte Bauarbeiter zu finden sind. Es ist verständlich, daß die wenigen Facharbeiter aus dieser Marktlage Nutzen ziehen und Tarife verlangen, die in keinem Verhältnis zu den sonst gezahlten Löhnen stehen. Ein Fußplattenleger verdient z.B. £P 1,— pro Tag, während es ein Anstreicher etwa gerade auf die Hälfte bringt. Wegen des empfindlichen Mangels an gelernten Bauhandwerkern ist man vielfach gezwungen, Arbeiten, die ihrer ganzen Natur nach von ausgebildeten Kräften ausgeführt werden müßten, durch an- oder ungelernte Arbeiter verrichten zu lassen. Hierdurch tritt aber oft eine Verzögerung und Verteuerung des Bauens ein, obwohl die ungelernten Arbeiter relativ niedere Löhne erhalten. Für die gegenwärtige Situation ist es charakteristisch, daß einer der größten Bauunternehmer in Tel-Aviv den Beschluß gefaßt hat, 2 Monate lang keine neuen Bauaufträge hereinzunehmen, da er sonst nicht in der Lage ist, die angesammelten Rückstände zu erledigen. Privates und gemeinnütziges Bauen. Infolge der gestiegenen Grundstückspreise ist der Bau von Eigenheimen mehr und mehr zurückgegangen und die Errichtung von Mietwohnungen stärker in den Vordergrund getreten. Leider werden diese nicht selten von solchen Kapitalisten gebaut, die keineswegs immer über die nötigen Eigenmittel verfügen. Der Bau wird von vornherein mit der Absicht begonnen, ihn nach Ausführung baldmöglichst mit Nutzen weiterzuverkaufen und damit neue Mittel für weitere Bauspekulationen zu gewinnen. Die Kalkulationen0 dieser „Baulöwen" sind häufig so knapp, daß sie nur allzuleicht in Schwierigkeiten geraten und dann auch noch die Baufirma mit hineinziehen. Die private Bautätigkeit wird im allgemeinen wenig rationell durchgeführt. Da aus verschiedenen Gründen nicht anzunehmen ist, für den Wohnungsbau Privatkapital in größerem Umfang zu gewinnen, erscheint umso notwendiger die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus. Durch die politischen Verhältnisse wird dieses Problem allerdings reichlich kompliziert. Von der Regierung können Subventionen kaum erwartet werden, aber auch ein kommunaler Wohnungsbau ist, vor allem in den Städten mit gemischt jüdisch-arabischer Bevölkerung, schwer denkbar. Nur in Tel-Aviv ließe sich dieser Gedanke durchführen, aber diese Stadt ist infolge des starken Bevölkerungszuwachses ohnehin mit so vielen neuen Aufgaben belastet, daß ihr, selbst aus Anleihemitteln, für den Wohnungsbau kaum Gelder zur Verfügung stehen. (Fortse^ung in Nummer 16) txiwirdmoeqnitidek. Aktiengesellschaften („Companies") Mayan, Ltd. Tel-Aviv 1 700 £P Limonaden -etc. - Fabrikat. The Citrus House Anlage und Betrieb von Comp., Ltd. „ 12 000 „ Orangenpflanzungen Motele Comp., Ltd. „ 500 „ Großhandel und Inves¬ Palestine Settlement tierungen aller Art. Jlbaheh Co., Ltd. „ 50 000 „ Grundstücksgesellschaft Hakol-Etz (All Wood) Ltd. » 1 000 „ Holzbearbeitungsfabrik Offene Handelsgesellschaften Tel-Aviv: „Tecomag" (Handelsvertretungen für Im- und Export). — „Etum" (Textilwarenfabrik). — „Armand Gruenberg & Co." (Kommissionsgeschäft). — „Brecht Bros. & Mordechahi Wacht" (Groß- und Einzelhandel aller Art). — „Battic and Palestine Lloyd" (Reise- und Speditionsbüro und Agenturgeschäft). — „Palestine Marble Co. Martin Cohen and Itzhaq Landorberg" (Marmorwerk und Baustoffhandlung). — „Z. Vilantzik" (Eisenwaren- und Baubedarfshandlung). — „The Bareket Co." *(Fußbodenplattenfabrik und Kommissionsgeschäft). — „Maym" (Anlage von Waserleitungen und Bewässerungsanlagen). — „Haboneh" (Zementwarenvertrieb). — „Arsam Co." (Vertrieb von Baubedarf und sanitärem Installationsbedarf). — „Ra-Ro, Rapoport and Risenberg" (Musikinstrumenten-, Radio- und Sprechmaschinenhandlung). — „Prosperity" (Grundstücksagentur). — „Murad Azra Sasson" (Kommissionsgeschäft). — „Hashirion" (Fabrikation von Nägeln, Maschendraht und anderen Metallerzeugnissen). — „Hamovil, 1934" (Güterbeförderung). — „Leon Schwertfinger & Joseph Taragan" (Kommissionsgeschäft). Jerusalem: "Gitel Dinewitz" (Kolonialwaren-Großhandlung). — „Levensohn & Krimer" (Adreßbuchverlag und Handelsauskunftei). — Haifa: „Magnet, Schwarz & Herschkowitz" (Rasierklingenfabrik). Nahalat-Ganim: „Bashan" (Wurstwaren- und Cornedbeef-Fabrik). — „Tassas" (Limonaden- und Mineralwasserfabrik). Nathania: „Shahan" (Zemenfwaren- und Fußbodenplattenfabrik). Petach-Tikwach: „Immi, Palestine Canning Co." (Obst- und Gemüsekonservenfabrik). Nachlath-Jitzschok: „Haboreg, Palestine Screw Works" (Schraubenfabrik). Kfar-Atte: „Hayozem" (Produktion von Bausteinen und sonstigen Bedarf und mechanische Tischlerei). Chedera: „Zohar, Electical Laundry and Dyeing Establishment" (Elektrische Wäscherei und Färberei.) Genossenschaften „Giza, Ltd.", Haifa ^genossenschaftliche Textilwarenfabrik). — „Meonot Ovdim Beit, Ltd.", Jerusalem (Wohnungsbaugenossenschaft). Auflösungen Im Einvernehmen der Gesellschafter wurden folgende offene Handelsgesellschaften aufgelöst (sämtlich in Tel-Aviv): „Grinbaum"; „Monytin, Radio and Technical Supply"; „Deshen Hevrah Letotzeret Ve-Export Shouman Ve'or"; „Shlomo Hershkovitz & Sons". 4

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.