Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 14 (31.10.1934)
- Date
- 1934-10-31
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Hamburgs Versand nach Empfang aus Palästina betrug in Tonnen 1929 11 685 9 607 1930 9 743 15 293 1931 8 724 12 409 1932 7 869 17 050 1933 10 035 21 567 Wie fodcUfa*: Tel Aviv. Palästina, das man bisher in den Grofjstadf- Tabellen der statistischen Handbücher vermiete, hat nunmehr Anwartschaft auf zwei Plätze zugleich erlangt: für Jerusalem und für Tel-Aviv, die beide im Laufe der letzten Wochen die 100 000 Einwohner-Grenze überschritten haben und augenblicklich je etwa 105 000 Seelen zählen. Die Palästina-Konjunktur weist bisher noch kein Symptom der Abschwächung auf. Die Bank-Depositen haben sich seit April von 12 auf rund 16 Millionen £P erhöht, der Reservefonds der Regierung von 2 510 932 um rund eine weitere Million £P, der Geldumlauf von rund 4 auf 4V-2 Millionen £P. 1 Zwei Faktoren treiben die Entwicklung an und erhalten die Hochkonjunktur aufrecht, einesteils die vom Kapitalzustrom begleitete Einwanderung, andernteils die Expansion der Orangenwirtschaft. Ein Nachlassen der Einwanderung ist nicht wahrnehmbar; im Gegenfeil, man erwartet für November und Dezember neue starke Immigrationswellen: aus dieser Erwartung resultiert gegenwärtig allenthalben im Lande ein neues Anziehen der Bautätigkeit und neuer Elan in der Gründung von Industriebetrieben, die vom ständig wachsenden Inlandskonsum Nutzen zu ziehen hoffen. Die Orangenwirtschaft eröffnet den Export-Winter 1934/35 am 15. November; 6V2 Millionen Kisten werden diesmal zu verkaufen sein; die Verhandlungen mit den Hauptabnehmern in Großbritannien und auf dem Kontinent schweben noch; eine nicht ungünstige Beurteilung der Lage ist daran zu erkennen, dafj den Pflanzern seitens der Exporteure beim Vorverkauf ab Baum 5 bis 5V2 engl. Schilling pro Kiste bewilligt wird. Der Bahnbau Haifa-Bagdad ist bei der englischen Regierung beschlossene Sache. In Port Said klagt man, dafj man durch Haifa aus dem Stapelgeschäft am östlichen Mittelmeer verdrängt werde. Unweit der Zementfabrik „Nescher", die gegenwärtig ihre Betriebsanlagen umfassend erweitert, werden zwei neue grofje Industriebetriebe erstehen, die Raffinerie jJeMrag[^ P^ \ und das erste elektrische Kühlhausijqles. Orients. Ein Symptom von besonderer Bedeutung: Japan errichtet einen Export-Stützpunkt in HaifaI ' Dr7 Ä. Haifa. Die städtische und vorstädtische Entwicklung Haifas nimmt ihren Fortgang; in der Altstadt werden alte Gebäude abgerissen und durch neue modernsten Stils ersetzt; von den beiden grofjen Bürohäusern der Carmelitermönche am Hafen ist das eine fertiggestellt und schon fast ganz von alten und neuen Firmen bezogen, das zweite nähert sich der Vollendung. In dem eigentlichen Hafengelände (sog. reclamed area") sind die Hauptstrafjen fertiggestellt und eine Anzahl Parzellen im Wege der Meistbietung an Reflektanten zur Errichtung von Bauten vergeben. Der neue Merkas Mischari, das neue jüdische Geschäftszentrum, der Mittelpunkt der City, wird eifrig ausgebaut; 60*—70°/o des Geländes ist bebaut; 8 grofje^ Häuser, z. T. Hochhäuser, sind vollendet und teilweise bezogen. Palästina ist um eine neue Sehenswürdigkeit reicher. Im Hafen ist reger Schiffsverkehr. Am 14. Oktober, morgens 2.30 Uhr, lief das erste Mossulöl bei den Tanks der J. P. C. ein; es soll Ende Oktober an Schiffe abgegeben werden. In der Nähe der Tanks und der Eisenbahnwerkstätten sind die Hallen für die Eisengießerei Kremmejier fast fertiggestellt; ebenso das neue Ruthenbergwerk. Im Industriezentrum der Haifabay sind neue FabfUcen im Bau, eine Wäscherei, eine Fleischkonservenfabrik, Metallbearbeitung u. a. In der Wohnzone entstehen in Kirjath Bialik, der Siedlung der deutschen Einwanderer, die ersten 40 Häuser der vorstädtischen und landwirtschaftlichen Siedlung; geradeüber sind die Strafjen einer Mittelstandssiedlung, Schchunath Motzkhin, im Bau. In Kirjath Chajim, der Arbeitervorstadt, sind 400 Häuser fertig, 200 im Bau; 100 neue werden Anfang Dezember begonnen; bis Ende 1935 werden 1000 Familien dort wohnen. In dem jüdischen Dorf Kafretta, auf einer guten Asphaltchaussee in ca. 15—20 Minuten von Haifa zu erreichen, errichtet die Familie Moller aus der Tschechoslowakei eine grofje Textilfabrik unter der Firma „Ata" Textil Co. Ltd.; sie soll eine Spinnerei, Weberei und Färberei umfassen und zuerst 60 Arbeiter beschäftigen; Straße und Brunnen sind fertiggestellt, die Fundamente werden ausgehoben. Was nun das wichtigste Einfuhrgut Hamburgs im Verkehr mit Palästina, die Apfelsine, angeht, so seien auch dafür einige Zahlen genannt. Hamburg hat in Tonnen an Apfelsinen empfangen: Gesamt aus Palästina °/o 1913 140 763 536 . 0.38 1927 91 550 3 133 3.42 1928 156 747 4 625 2.96 1929 95 683 4 898 5.12 1930 156 685 10 203 6.52 1931 118 996 10612 8.93 1932 123 549 15 326 12.42 1933 135 093 20 082 14.85 Wenn heute in der Apfelsinensaison in jedem deutschen Obstladen die Schilder „Jaffa-Apfelsinen" zu sehen sind, wenn auf den Strafjen Hamburgs die Obstverkäufer ausrufen Jaffa- Apfelsinen, Jaffa-Apfelsinen," so zeigt das, wie sehr sich diese Frucht Palästinas in .Deutschland gegenüber altgewohnter spanischer und italienischer Ware hat durchsetzen können. Es gehört allerdings die Technik des Obstverkehrs dazu, der ganze große Apparat eines Hafens wie Hamburg, um ein so Löschen von Apfelsinenkisten in die heizbaren Fruchtschuppen empfindliches Gut wie Apfelsinen dem Verbraucher in anlockender Weise zuzuführen. Der riesige Obstverkehr Hamburgs hat hier Sonderanlagen entstehen lassen, die für diesen empfindlichsten aller Verkehre alles gewährleisten, dessen er bedarf, Schnelligkeit, schonende Behandlung, Frostsicherheit. Schon das .übernehmende Schiff als Sendbote diese hamburgischen „Fruchtbezirkes" weiß, womit er es zu tun hat, weiß, wie es seine wertvolle Fracht zu behandeln hat, um sie nach wochenlanger Reise einwandfrei an den Fruchtschuppen Hamburgs abliefern zu können. Der Hamburgische Staat vollends hat Schuppenanlagen von gewaltiger Ausdehnung -<- fast 2 km weit ziehen sich die Obstschuppen an den Hafenbecken hirr — geschaffen, um die schonendste, schnellste Behandlung zu sichern. Für den Umschlag frischer Früchte stehen 60 000 qm heizbare Kaischuppenflächen zur Verfügung, und die alt-eingespielte Organisation des hamburgischen Fruchthandels sorgt dafür, daß die Ware auf dem schnellsten Wege von dem hamburgischen Schuppen aus auch den fernsten Verbraucher erreicht. So ist ein Verkehrsinstrument geschaffen worden, das hoffentlich in immer steigendem Maße der Intensivierung der Beziehungen zwischen Palästina und Deutschlands größtem Hafen dienen soll. Wenn dann oWJ^aufkraft, die Palästina durch das Ventil Hamburgs aus D^jKchland zufließt, ihrerseits "in Deutschland Waren einkaufen Wjß\ wenn sich auf der Grundlage eines gesunden Austausches von Waren und Leistungen die Beziehungen zwischen beiden Ländern und ihren Häfen immer enger gestalten, so werden beide von dem steigenden Umsatz Vorteil haben. Hamburg wird allezeit gerüstet sein, solchem Verkehr zu dienen, ihn mit seinen Schiffen, seinem Handel und seiner Hafenorganisation in Jeder Weise zu pflegen und zu fördern. Listen aller Branchen für Im- und Export sind gegen Po rtove rg ü t u n g kostenlos zu beziehen vom Verlag der Palästina-Nachrichten Ernst Köstenbaum, Berlin-Zehlendorf, Onkel-Tom-Str. 123 2