Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 13 (16.10.1934)
- Date
- 1934-10-16
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Eigene chemische Groß - Industrie? Von Dr. Martin Auerbach, beratender Chemiker, Tel-Aviv. Wenn die Herstellung eines Produktes aus dem rein Handwerklichen heraustritt, wenn aus der Hausindustrie eine Großindustrie werden soll, wird sie sich an einem Orte ansiedeln müssen, an dem ein H e i z s t o f f oder das zu verarbeitende Rohmaterial gefunden wird, oder noch besser beides. Unter besonderen Umständen kann auch eine Industrie sich entwickeln, ohne dafj diese Voraussetzungen gegeben sind, wie es z. B. beim Hochofenwerk in Lübeck der Fall ist. Dann mufj sie durch ganz besonders günstige Verkehrs- oder Absatzverh ä I f n i s s s e begünstigt werden. Es kann ferner die Entwicklung einer Industrie aus nationalen Gründen verlangt werden, auch wenn die erwähnten Voraussetzungen nicht vorhanden sind. Dann aber mufj der Binnenabsatz gesichert sein und die Auslandskonkurrenz durch Schutzzölle ferngehalten werden. Chemische Fabriken müssen ferner mit guten Wasserverhältnissen rechnen können und geeignete Möglichkeiten zur belästigungslosen Beseitigung des Abwassers haben. Welche von diesen Voraussetzungen erfüllt Palästina? Was zunächst das Heizmaterial betrifft, — die chemischen Prozesse in der Technik bedürfen der Wärmezufuhr — so ist Kohle nicht vorhanden. Sie kann in unbeschränkten Mengen eingeführt werden. Aber durch die Fracht, die ungünstigen Bedingungen des Entlöschens in den hiesigen Häfen, durch die Notwendigkeit sie vom Hafen zur Fabrik zu befördern, entstehen Kosten, die den Fabrikanten in Palästina in Nachteil setzen gegenüber seinem ausländischen Konkurrenten. In kurzer Zeit werden genügende Mengen von Rohöl zur Verfügung stehen, wenn erst die Röhren der Iraq Petroleum Company regelmäßig fließen werden. Es scheintP aber nach den bisherigen Angaben, daß die Verbraucher gegen-/ über dem jetzigen Preise für Masut kaum etwas einsparen wer-j den. Wärmeerzeugung durch Elektrizität wird nur in ganz besonderen Ausnahmefällen in Frage kommen können. An mineralischen Rohmaterialien ist Palästina arm; Transjordanien soll. daran reich sein. Gründlich erforscht ist dieses! Land bisher nicht. Sollten wirklich Erze besonderer Qualität iru zureichenden Mengen gefunden Vierden, würden sich für Pa- \ lästina in der Tat neue^Möglichkeiten ergeben. Zunächst müssen \ wir aber mit den gegebenen Verhältnissen rechnen, in unbeschränkter Menge sind vorhanden die Bronv^KaJi?- und J^acjnesiasalze des Toten^Meeres. Ebendort wird Kochsalz gewonnen, "cTas andererseits in Athlit aus dem Meere gewonnen wird. Gips findet sich in abbauwürdiger Menge, Kalkjür die Herstellung von Baumaterialien in unbeschränkter Menge und vor allem jand, der aber infolge seines Eisengehalts für die Glasfabrikation nu in ganz beschränkter Menge verwendungsfähig ist Die Schwefe^ lager bei Gaza sollen bereits bearbeitet werden, aber bisher istv noch keirr^ihwefel auf den Markt gekommen. Nicht in Angriff genommen wurden bisher die Phosphat- und Manqanlaqer. An Substanzen organischer Natur finden sich in Palästina Asphalt und bituminöse Kalke. Mit Erdölfunden ist zu rechnen. Eine Ausbeutung auf technischer Basis erfolgt bisher nicht. Bleiben pflanzliche und tierische Produkte, deren chemische Verarbeitung in Frage käme. Die Tierzucht befindet sich noch im Anfangsstadium unjd ist noch stark entwicklungsfähig. Bei pflanzlichen Produkten haben sich aber schon Verarbeitungsmöglichkeiten gezeigt, (Cifronen- und Weinsäure) und es ist damit zu rechnen, daß diese Möglichkeiten zur Notwendigkeit werden, wenn der einseitige Anbau yon Citrusarten eine Ueberproduktion mit sich bringen wird, die auf dem Weltmarkt zu nutzbringenden Preisen sich nicht absetzen lassen werden. Der Mangel an Heizstoffen, die geringen Naturschätze des Landes sind von vornherein der Entwicklung einer chemischen Großindustrie nicht günstig. Auch die Voraussetzungen, die für das Lübecker Hochofenwerk gegeben sind, fehlen bei Palästina. Weder ist das Land ein Verkehrsknotenpunkt, in dem sich die Transportwege des Heizstoffes und der Rohmaterialien schneiden, noch wäre mit genügendem Absatz der Fertigprodukte im Inlande zu rechnen. Ob die Produkte exportierbar wären, müßte von Fall zu Fall untersucht werden; zunächst sind die negativen Gründe von entscheidender Bedeutung. Die Schaffung einer chemischen Industrie aus nationalen Momenten, könnte in der Tat für einige Produkte von wirklicher Bedeutung sein. Nur müssen die Befürworter dieser Forderung sich darüber im Klaren sein, daß die Juden nicht Herren des Landes sind. Engländer und Araber sind Mit- und sehr häufig auch Gegenspieler. Die Letzteren werden sich im Allgemeinen gleichgültig verhalten; die Ersteren sind an sich gar nicht grundsätzliche Gegner einer industriellen Entwicklung des Landes. Sie haben das durch manche Erhöhung der Zollsätze erwiesen. Aber man glaubt zu merken, daß man vergeblich anklopft, wenn etwa Eine neue Produktion: Tafefytas Haifa (Palnews). — Die mit einem Anfangskapital von zunächst £P 35 000 registrierte .The Palestine Window Gla« Works jP^oenitia*. Ljmijed" wird auf einem 20 Dunam umfassenden Gelände Anfang Oktober mit der Errichtung der Fabrikbauten beginnen. Das palästinensische Unternehmen ist in Anlehnung an das Unternehmen der Gebroeders Buchsbaum s'Gravenhaqen . (Holland) gegründet. ~ Die Untersuchungen des Küstensandes der ganzen Küstenebene entlang haben im südlichen Teil des Landes zu einer Sandqualität geführt, die dem besten mitteleuropäischen (Hohenbocka) Sand gleichwertig ist. Diter Vorräte reichen aut Jahrzehnte hinaus. Auch die Kalk- und Sodaversorgung bereifet keine Schwierigkeiten. .Der Brennölbedarf wird direkt von I. P. C. geliefert. "--------- Der palästinensische Platten- und Fensferglasbedarf hat sich in den beiden letzten Jahren und im I. Quartal 1934 nach der Importstatistik wie folgt gestaltet: Import von Fensterglas Menge in To Wert in £P 1932 530 6 989 1933 730 9 496 1934 I.Quartal 536 7 431 Plattenglas Menge in To Wert in £P 215 8 383 303 12 588 273 8 435 >n \ 9 Die Aufnahme der Fensterglasproduktion stellt in der gesamten Levante ein Novum dar und die „Palestine Window Glass Works „Phoenicia", Limited" ist die erste und einzige Fensterglasfabrik im ganzen Nahen Osten. Die Belieferung kann von der palästinensischen Fabrikationsstätte aus viel rationeller als von Europa her erfolgen, vor allem sind auch die Transportspesen ab Haifa geringer als von den Nordseehäfen aus. Der palästinensische Markt selbst ist durch den Zoll von 12°/o ad valorem und außerdem die hohe Bruchversicherungspolice geschützt. Die besondere indusfriepolifische Bedeutung, die der vorstehenden Gründung zukommt, besteht darin, daß es sich dabei um ein größeres spezialindustrielles Unternehmen eines international syndizierten Fabrikationszweiges handelt, das nicht ohne weiteres und ohne besondere Schwierigkeiten fabrikationstechnischer und anderer Art durch Konkurrenzbetriebe in den Nachbarländern in seiner Produktionskapazität von der Absatzseite her eingeengt werden kann. Die palästinensische Industrie, die bisher nur über wenige Betriebe dieser Art verfügt, wird dadurch in ihrer Exportfähigkeit wesentlich gefördert, die bislang — bis auf den Kunstzahnexport — ja noch in den allerersten Anfängen steck*. eu*£ Stellung in Palästina sucht iMuUetü+du* Palästina-Nachrichten Verlangen Sie Spezialangebot von der Generalvertretung der PN für Deutschland Herbert Hindi. Berlin W15v Pari.er.tr. 18a / J2 Oliva 1904 Interessen Großbritanniens oder des Empire gekreuzt werden könnten. So ist z. B. ein sorgfältig durchgearbeitetes Projekt zur Schaffung einer Zuckerfabrik von der Regierung überhaupt nicht beantwortet worden; dabei wäre eine solche Fabrik von industrieller und hervorragender landwirtschaftlicher Bedeutung. Aber sie wäre ein schwerer Schlag für die ägyptische Zuckerindustrie, die in zunehmenden Mengen hierher exportiert. Die Wasserverhältnisse des Landes sind in quantitativer Beziehung nicht mehr als so ungünstig anzusehen wie vor einigen Jahren. Es sind allerdings noch weite Strecken wasserarm, aber nach den erfolgreichen Bohrungen der letzten Jahre darf man hoffen, daf) auch diese Gebiete erschlossen werden können. Doch ist das Wasser wegen seines meist hohen Gehaltes an Alkalien und Kalk nicht für alle Industrien geeignet. Der Kalkgehalt läfjt sich zwar beeinflussen, aber das erfordert Investitionen, die die Rentabilität beeinträchtigen. 3