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Palästina-Nachrichten · 1934-08-22 · Heft 10 (22.8.1934) · p. Seite 4

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 10 (22.8.1934)
Date
1934-08-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Das Hotel- und Pensionsgewerbe in Palästina Es ist noch nicht allzulange her, daß die Mospize der religiösen Orden in den Städten und Karawansereien im Lande die wesentlichsten Unterkunftsstätten waren, die die Reisenden, meistens Pilgrims, beherbergten. Daneben gab es eine kleine Zahl von, meist recht primitiven, Hotels, die dem spärlichen jüdischen Touristenverkehr diente. Heute findet sich in Palästina ein immer mehr entwickeltes Hotelwesen, das vom kleinen primitiven Nächtigungsplatz bis zum internationalen Luxushotel alle Klassen dieses Gewerbes einschließt. Besonders die letzten zwei Jahre haben eine lebhafte Entwicklung auf diesem Gebiete mit sich gebracht. Dennoch zeigt sich alljährlich während der Saison, besonders zu Purim in Tel Aviv, und zu Pesach in Jerusalem, ein Mangel an Unterkunftsgelegenheiten, der dazu führt, daß in einzelnen Betrieben, weit über saisonmäßig erhöhte ■ Wucherpreise verlangt werden, ohne entsprechende Gegenwerte zu liefern. Solche Obelstände können auf zweierlei Art bekämpft werden, nämlich durch eine wachsende Konkurrenz und durch behördliche Kontrolle. Die Mannigfaltigkeit innerhalb des Herbergegewerbes in Palästina, von der wir oben sprachen, ist eine Folge und zugleich ein Abbild der Viehart der Reisenden, deren Bedürfnisse sie dienen soll. Wir wollen im Folgenden versuchen, einen Oberblick über diese Klassen der Touristen und ihre Bedürfnisse zu gewinnen. o I. „Cook"-Tou rtst e n. Ein großer Teil der Touristen, die alljährlich ins Land strömen, kommen in „conducted tours" auf „cruisers", d. h. festgelegte Touren auf Mittelmeer- oder Weltreisen. Es handelt sich meistens um wohlhabende Reisende, die drei Tage im Lande bleiben und allen Komfort verlangen. Daneben gibt es eine Zahl von Touristen derselben Klasse, die anschließend an eine Ägyptenreise bis zu 10 Tagen im Heiligen Lande verbringen wollen. Diese Reisenden sind meistens Klienten des „King David Hotels", werden aber auch in dem in deutschen Händen befindlichen „Fast Hotel" untergebracht. Verirrt sich solch ein Tourist nach Tel Aviv, so steigt er meist im „San Remo" ab. II. Besucher des Landes. Es handelt sich hier vorwiegend um jüdische Touristen, die im Lande 2 bis 8 Wochen verbringen wollen. Sie wollen meist ein gutes Hotel, ohne jedoch auf Luxus Wert zu legen. In vielen Fällen legen sie auch auf rituelle Verpflegung Wert. Sie bevölkern in Jerusalem das „Eden Hotel", „boldschmidt House" oder „Amdursky's Hotel", in Tel Aviv „Pension Moskowitz", „Hotel Käthe Dan", in Haifa „Hadar Harkarmel" usw. und innerhalb des Landes v*as ihnen geboten wird. III. Künftige Siedler, die noch keine Wohnung gefunden haben, bevorzugen meist Pensionen intimerer Art, wie „Pension Friedman" oder „Gandz" in Jerusalem und ihre Varianten in den anderen Städten, doch bevölkern sie auch die unter II. genannten Plätze. IV. Inner-Palästinensische Reisende (meist beruflich) steigen je nach ihrer finanziellen Kraft, in einem der obgenannten Hotels ab, oder im „Hotel Warchawsky" in Fortsetzung von Seite 2: Probleme der Fremdenindustrie in Palästina. auch die Regierung des Vorwandes berauben, daß „niemand da sei", der von ihr zur Verfügung zu stellende Mittel für die Fremdenwerbung sachgemäß verwalten und verwenden könne. Wenn erst die interessierten Kreise in einer straffen Organisation die nötigen Mittel für eine wirklich wirksame Palästina- Propaganda im Ausland aufbringen, werden sie das Recht haben, von der Regierung zu verlangen, daß auch sie aus ihrem Budgetüberschuß eine entsprechende Summe zur Verfügung stellt. Hier ergibt sich ein weiterer Grund dafür, daß der Verband jetzt, und zwar so schnell wie möglich, gegründet werden sollte. Noch hat die palästinensische Fremdenindustrie recht gute Zeiten und im gegenwärtigen Moment kann es ihr nicht schwer fallen, einen ausreichenden Propagarjdafonds in Form von Mitgliedsbeiträgen zusammenzubringen. Kommen erst einmal die mageren Jahre — und es wäre töricht, sich der Möglichkeit zu verschließen, daß sie eintreten können — dann wird das Zahlen sehr viel schwerer sein, obwohl die Notwendigkeit der Propaganda dann noch größer geworden sein wird. Die Antwort auf die Frage, ob sich die palästinensische Fremdenindustrie bald aus eigener Kraft und Erkenntnis zu einer ihrer Größe und ihren Aufgaben entsprechenden Organisation verhelfen wird, ist gleichzeitig die Antwort auf dte Frage, ob ihr quantitativer und qualitativer Aufstieg mehr ist als eine bloße Konjunkturerscheinung. Jerusalem, „Karmel" in Tel Aviv, „Herzlia" in Haifa oder aber in Nächtigungsstätten billigster Sorte. V. Palästina Kurortbesucher. In steigendem Maße entwickelt sich in Palästina ein Kurortwesen für die ansäßige Bevölkerung. So hat Tel Aviv und Nathania, eine Sommerbadesaison, der Karmel und Safed sind Sommer*Höhenluft- Kurorte, während Tiberias im Winter von Kranken aufgesucht wird. In diesen Städten finden die Gäste die ihrer Finanzkraft entsprechende Unterkunft. In vielen Fällen mieten sie Zimmer für eine längere Periode. In letzter Zeit hat auch Talpiot bei Jerusalem eine Nachfrage dieser Art zu verzeichnen. VI. Endlich muß noch die große Zahl der Pilger aller Konfessionen erwähnt werden, die größtenteils in Hospizen untergebracht sind. Haben wir so die Klienten des palästinensischen Hotelgewerbes kennen gelernt, so wollen wir uns nun ein wenig mit den Hotels selbst befassen, und uns hierbei etwas der Einteilung bedienen, die z. B. die italienische Regierung zur Hilfe der Touristen eingeführt hat. Wir wollen das Herbergsgewerbe in vier Klassen einteilen, deren erste einstweilen nur durch ein Unternehmen, dem „King David Hotel" in Jerusalem vertreten ist. Hingegen umfast die Klasse II eine große Zahl von Betrieben, die eine Reihe von Abstufungen ermöglichen. Wir wollen jedoch die Klasse in IIa und IIb unterteilen, wobei die Gruppe IIa mehr dem Touristen des Typs II angepaßt ist, während IIb mehr pensionsartigen Charakter trägt, und ständige Residenten oder künftige Siedler beherbergt. Klasse III dient den innerpalästinensischen Reisenden und der kapitalschwächeren Touristenzahl, während Klasse IV mehr dem beruflich reisenden „kleinen Mann" dient. (Chauffeure, Landwirte usw.) Es ergib? sich also das folgende Bild, wenn man Touristen und Betriebe in einer Tabelle vereinigen will: 1. Cooks I, IIa, 2. Besucher I, IIa, IIb, III, 3. Siedler IIa, IIb, III, 4. Binnen-Reisende IIb, III, IV, 5. Kurort II, III, 6. Pilger III. Wir wollen nun einige der wichtigsten Betriebe, nach Klassen geordnet aufzählen: Jerusalem: I. King David Hotel. IIa. Eden, Goldschmidt, Fast, Friedmann^Rotrfman usw. IIb. Friedman, Lazarus, Gandz, Vita, Amdursky usw. Tel Aviv: IIa; San Remo, Moskowitz, Käthe Dag, Palatin. IIb. American House usw. III. Karmel usw. III. Warchawsky, „Tel Aviv". Haifa: IIa. Hadar Hakarmel, Teltsch House Karmel, Mount Karmel, English Hotel. IIb. Windsor Hotel, Herzlia. Tiberias: IIa. Großman (deutsch), Gubermann. IIb. Polonia. Safed: IIb. Herzlia. Nathania: IIb. „Das Hotel." Daneben gibt es eine Anzahl neu entstandener Hotels, besonders in Tel Aviv, wie Metropole, Strand, Ritz, Talpioth, Gat-Rimon, deren Preise in der Saison oft, wie im ersten Fall, kaum unter Klasse I liegen,.ihrem Stil nach jedoch der Klasse IIa oder b angehören. Damit kommen wir zu den Preisen. In der Klasse I (King David) kann man je nach der Saison ein Zimmer mit voller Verpflegung von 1,200 (außer Saison) bis 1,700 (in Saison) erhalten. In Klasse IIa ist der normale Preis 0,600, der in der Saison (Purim, Pesach) auf 0,800—1,000 ansteigt, während die Preislage in Klasse IIb von 400—600 Müs" schwankt. Bei längerem Aufenthalt in einem Hotel dieser Art, kann man natürlich spezielle Preise vereinbaren. Sie dürften ca. 9—12 £P in der Klasse IIb betragen, und 15 £P in Klasse IIa. Doch hängen solche Vereinbarungen auch von Konjunktur und Saison ab. Im allgemeinen dauert die Touristensaison von November bis April/Mai mit Höhepunkten zu-Purim und Ostern. Unabhängig von dieser „internationalen Saison" ist die Badesaison Tel Avivs und Nathanias im Sommer, wenn auch der Carmel und Safed als Höhenluftkurorte frequentiert werden, während Tiberias und wohl bald auch „Kalliä" seine Saison von November bis April hat. (Fortsetzung in der nächsten Nummer) 4

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