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Palästina-Nachrichten · 1934-08-06 · Heft 9 (6.8.1934) · p. Seite 2

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 9 (6.8.1934)
Date
1934-08-06
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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für Syrien liegen einige Spezialangaben vor; 1933 wurden aus Deutschland für 12631 syr. Pfund (1 syr. Pfund 20 franz. Franken) Aluminiumwaren, für 33670 syr. Pfund eiserne Haus¬ und Küchengeräte, für 13 933 syr. Pfund Kühleinrichtungen importiert. Langsamer als die Hauswirtschaft in den Städten stellt sich der Haushalt und der Betrieb des Landwirts auf europäische Methoden und Geräte um. Ausnahmen von dieser Regel bedeuten einesteils die Türkei, wo die Regierung vfel Energie und Geld auf die Umschulung der Bauern, auf die Intensivierung von Agrikultur und Viehzucht verwendet, andernteils das jüdische Siedlungswerk in Palästina, das mit sorgfältigster Auslese von Menschen und Material vor sich geht und den Empfehlungen der landwirtschaftlichen Versuchsstationen hohe Autorität einräumt. Unmittelbar neben den jüdischen Musterpflanzungen, die sich heute neben der Orange auch dem Gemüse- und Obstbau zuwenden, findet sich noch der altertümliche Betrieb des Fellachen mit dem Hakenpflug, dem Dreschschlitten und anderen noch an biblische Zeiten erinnernden Inventarstücken. Die Palästinaregierung und auch die Regierungen Aegyptens, Syriens und des Irak geben sich viel Mühe, die arabischen Bauern mit den Errungenschaften moderner Agrartechnik vertraut zu machen; sie wenden den Versuchsstationen für Intensivkulturen, Milchwirtschaft, Geflügelzucht viel Geld zu. Indessen wirkt sich all dies in der Praxis nur langsam aus. Dementsprechend ist der Bedarf der orientalischen Landwirtschaft an Metallwaren vorläufig noch begrenzt. Hauptsächlich deckt ihn Import aus England, Deutschland, Kanada, Tschechoslowakei, Ungarn, in der Türkei übrigens auch in wachsendem Grade aus der Sowjetunion. Stark im Ausbau begriffen Ist gegenwärtig die Pumpenindustrie in Palästina, deren Erzeugnisse an Bedeutung wachsen, je mehr die künstliche Bewässerung im Anschluß an moderne Tiefbohrungen an Boden gewinnt. Palästinas Import an Pumpen aus Deutschland betrug 58 000 RM in 1933 gegenüber 59 000 in 1932, trotz der neuerlichen Ausdehnung der Bewässerungskulturen — ein Beweis für die zunehmende Selbstversorgung. Der Handwerks- und Industriebedarf ist gegenwärtig die wichtigste Gruppe des Metallwarengeschäfts im Orient. An erster Stelle ist dabei der Bedarf der Bauindustrie zu nennen. So ist Palästinas Import von eisernen Stangen, Trägern usw. von 118 977 in 1932 auf 214 958 £P in 1933 gestiegen. Im besonderen hat sich der palästinensische Bezug von Form- und Stabeisen aus Deutschland von 18 000 RM in 1932 auf nicht weniger als 252 000 in 1933 erhöht. Außerdem sind Werkzeuge und Geräte aller Art, Nägel, Schrauben, Drahtstifte stark begehrt. Bis vor kurzem waren die Industriebedarfs-Metallwaren europäisch-amerikanischer Provenienz im Orient praktisch noch konkurrentfrei. Das hat sich heute schon geändert. In Palästina werden bereits Nägel und Schrauben in modernen Fabriken hergestellt. Auch werden hier wohl demnächst eiserne Türen und Fenster lokaler Erzeugung auf den Markt kommen. In der, Türkei gehört die Metallwarenerzeugung für gewerbliche und -Bauzwecke zu den wichtigsten Punkten des neuen staatlichen Industriealisierungsprogramms. In diesem sind 10 Mill. türkische Pfund für Neugründungen in der Eisen- und Stahlindustrie und 550000 für solche in der Kupferindustrie vorgesehen. Vermutlich werden die neuen Fabriken Palästinas und der Türkei einen nicht geringen Teil der einschlägigen orientalischen Bedarfsdeckung übernehmen. Nicht übersehen Sei bei alledem der japanische Wettbewerb, der heute in erster Linie den persischen, irakischen und ägyptischen Markt unter Bearbeitung nimmt. Der Metallwarenbedarf für die Verkehrswirtschaft des Orients hängt mit den großen Bahnbauten, der Ausdehnung des Autobusverkehrs, der Modernisierung der Häfen, der Schaffung neuer Flugzeuglinien und Flugplätze zusammen. Die Auftraggeber sind teils die Regierungen selbst, teils die Konzessionsgesellschaften. Daher geht der Hauptteil der syrischen Aufträge nach Frankreich/ der der palästinensischen, irakischen und ägyptischen Aufträge nach England, der der türkischen und persischen Aufträge nach Ländern, die diesen Regierungen nahestehen, wobei die Sowjetunion bisher favorisiert war. Ein Sonderkapitel ist der Pipe-Iine-Bau für das nach dem Mittelmeer zu leitende irakische Erdöl. Vorläufig muß der Orient seinen Eisenbahnoberbaubedarf, Lokomotiven und Waggons, Signalanlagen, Hafenbaumaterial durchweg aus dem Auslande beziehen, ebenso hinsichtlich der Kraftwagen zumindest die Chassis, während Karosserien heute bereits in Palästina erzeugt werden, insbesondere für Autobusse. Die Flugzeugindustrie hat bisher in der Türkei — Fabrik in Kaisarie — Fuß gefaßt. An Metallwaren hat der Orient im Jahre 1933 schätzungsweise insgesamt für 18 Millionen Pfund Sterling aus dem Auslande importiert, im 1. Halbjahr 1934 schätzungsweise für 10 Millionen, davon etwa 25 Prozent aUs Deutschland, 30 bis 35 Prozent aus England, das Uebrige aus Frankreich, Belgien, Amerika und sonstigen Ländern. Es ist anzunehmen, daß — falls keine Störungen der Entwicklung eintreten — der Metallwarenbedarf des Orients auch weiterhin um etwa 10 Prozent jährlich steigen wird. Fraglich bleibt freilich, wieweit diese Zunahme dem Import zugute kommen wird, angesichts des industriellen Gründungseifers in den Levanteländern selbst. Im Oktober 1934 bereits wird in Haifa die neue große Eisengießerei unter Kremeners Leitung den Betrieb aufnehmen, um Badewannen, Wascheinrichtungen, Fittings zu produzieren, und soeben erfahren wir, daß auch ein anderes Projekt in Haifa zur Verwirklichung reifen dürfte, die Gründung eines Kupfer- und Messingwalzwerks, ein Plan, dessen Vorkämpfer Hirsch, der frühere Leiter des Hirsch-Kupfer-Konzerns, ist. Die Produktions- und Wettbewerbsgrundlagen in der Metallwarenbranche des Orients Würden davon tiefgehend beeinflußt werden. Die„Rural and SuburbanSettlementCompany LtctTel-Awiw" von Dr. Förder Der palästinensische Wirtschaftskörper sieht sich immer wieder vor die Aufgabe gestellt, eine möglichst große Anzahl von Menschen zu absorbieren. Es ist ganz selbstverständlich, daß diese Funktion am schwersten auszuüben ist bei den sogenannten „Kapitalisten", den zahlreichen Einwanderern, die mit einem Vermögen von 1000 bis 2000 £P ins Land kommen und ihrer wirtschaftlichen Struktur und auch geistigen Einstellung nach ganz überwiegend mittelständische Elemente sind. Diese Aufgabe ist mit der zunehmenden Kapitalisierung des Landes noch schwieriger geworden, da sie es den Einwanderern mit einem derartigen Vermögen schwerer macht, eine sie und ihre Familie erhaltende Existenz zu finden. Besondere Schwierigkeiten macht die Einordnung derartiger mittelständlerischer Elemente in die Landwirtschaft. Es liegt nicht nur an der ohnedies nicht einfachen beruflichen Umstellung, soncTern auch ah gewissen objektiven Momenten — Kompliziertheit der Bodenverhältnisse usw. —, die zu beheben der Einzelne im allgemeinen nicht in der Lage ist. Die Rural and Suburban Sertlement Company, „Rasco" genannt, ist zu dem Zweck gegründet worden, die mittelständischen Kolonisationsmöglichkeiten auszuweiten. Sie soll für Siedlergruppen landwirtschaftliche Siedlungsobjekte vorbereiten und soll dem Einzelnen die Schwierigkeiten und das Risiko des Bodenkaufs, sowie die Erschließung des Bodens abnehmen. Sie wird den Siedlern eine bezugsfertige Wirtschaft einschließlich Gebäuden zur Verfügung stellen. Es ist eine Erfahrungstatsache, daß gerade sehr viele mittelständische Einwanderer aus Deutschland zu dem Siedlungsentschluß nur dann kommen, wenn es möglich ist, ihnen eine konkrete Vorstellung ihrer neuen Arbeitsstätte zuxverschaffen. Die Rasco wird die im Lande vorhandenen, aber auch die noch im Galuth befindlichen Siedlungsinteressenten organisieren und wird bemüht sein, die Siedlungen so zu gestalten, daß sie auf die spezifischen Wünsche und Bedürfnisse gerade mittelständischer Interessenten abgestellt sind. In ihren Aufgabenkreis fällt auch das wichtige Kapitel der Hachscharah-Möglichkeiten gerade für mittelständische Einwanderer. Schließlich und nicht zuletzt gehört zu dem Arbeitsprogramm der Rasco, vorstädtische billige Wohnmöglichkeiten zu schaffen. Sie sind einmal gedacht für Neueinwanderer, die auf diese Weise, ohne die sehr erheblichen Mieten a fonds perdu bezahlen zu müssen, die Möglichkeit einer allmählichen Umstellung und wirtschaftlichen Einordnung haben, außerdem für die in den Städten Ansässigen, die in festen Positionen sind, und den Wunsch haben, durch Anschaffung eines derartigen AnWesens ihre Lebenshaltung angenehmer zu gestalten und ä la longue auch zu verbilligen. Die Rasco ist eine gemischt-wirtschaftliche Gesellschaft. Die Deutsche Abteilung der Jewish Agency hat einen Betrag von 10000 £P als Promoting-Kapital zur Verfügung gestellt und sich einen maßgeblichen Einfluß auf die Geschäftsführung der Gesellschaft gesichert. Andererseits wird die Gesellschaft nach rein privatwirtschaftlichen Prinzipien arbeiten, insbesondere also bestrebt sein, ihren Anteilinhabern einen angemessenen Gewinn zu sichern unter Ausschaltung jedweder ungesunder spekulativer Momente, 2

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