Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 8 (20.7.1934)
- Date
- 1934-07-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2550047-2550048-2550056--069-2550224- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Tatsache, die bei hoher Zahlungs- und Wechselmoral den Umfang des Geldmarktes wesentlich erweitert. Das starke Anlagebedürfnis führt dazu, daß Neugründungen verhältnismäßig leicht mit Geld ausgerüstet werden können, Aktiengesellschaften ihre Shares (oft im Nominalwert von einem Pfund) sehr schnell an gläubige Käufer los werden, Banken mit großartigen Namen und wenig Eigenkapital eine ausgedehnte und unkontrollierte Emissionstätigkeit entfalten — kurz, das typische und gefährliche Bild eines hemmungslosen Finanzkapitalismus in einem Kolonisationsland. Demgegenüber sind ernsthafte Kapitalanlagen noch immer schwierig zu finden. Die legitimen Anforderungen können kaum befriedigt werden. Hypotheken, absolut sicher, nach überaus vorsichtigen Berechnungsgrundsätzen gewährt, kosten 7 bis 9 Prozent, und es trägt nicht zur Konsolidierung des Geldmarktes bei, wenn wir erfahren, daß die Aussichten zur endgültigen Etablierung der dringend notwendigen Landwirtschaftsbank sich erneut wesentlich verschlechtert haben. An dieser Bank sollte die Regierung sich mit 200 000 Pfund aus der neuen Anleihe beteiligen, andere große Gesellschaften sollten das Kapital von insgesamt 500000 Pfund aufbringen, darunter: Prudential and Guardian Eeastern Insurance Companies, 80 000 £P each, Barclays Bank 35000 £P, Anglo-Palestine Bank 25 000 £Pf Ottoman Bank 25000 £P, Farmers Bank Co-operative Association 15000 £P, Economic Board for Palestine 35 000 £P, Palestine Corporation 25 000 £P und eine arabische Beteiligung in Höhe von 75 000 £P. Obligationen im Werte von 800000 £P sollten ausgegeben werden. Währenddessen hat andererseits, wie die palästinensische Presse berichtet, die kleine jüdische Farmers Bank mit einem auf 15000 £P beschränkten, aber voll eingezahlten Kapital ihre Tätigkeit intensiv aufgenommen und sowohl ein planmäßiges Hypothekengeschäft wie das normale Bankgeschäft aufgebaut. Und wir können hoffen, daß die vom Departement für Ansiedlung deutscher Juden bei der Jewish Agency ins Leben gerufene Gesellschaft für ländliche und vorstädtische Siedlung ihr Kapital ebenfalls bald zusammen haben wird und ihre Tätigkeit voll beginnen kann. Etwas mehr aktive Finanzpolitik und weniger Fiskalpolitik seitens der Regierung — ständige Sorge für ausreichende Liquidität der Banken (der Wunsch nach echter Publizität wird wohl vorläufig noch unerfüllbar sein) —, Förderung all dessen, was echte und produktive Kapitalanlage darstellt —, Selbstkontrolle, des anlagesuchenden Publikums und erzieherischer Einfluß der verantwortungsbewußten Banken Und Finanzinstitute — rücksichtloses Bloßlegen finanziellen Freischärlertums —, all dieses sind Wege zum Aufbau einer gesunden Finanzwirtschaft. Daß die exzeptionelle wirtschaftliche Glückschance Palästinas: bedeutende Regierungsüberschüsse, keine Arbeitslosigkeit, bewegliches und anlagesuchendes Kapital, initiativreiche erfahrene und vermögende Einwanderung, nicht ungenützt oder gar mißbraucht vertan werden! Die Gerberei-Industrie in Palästina Schluß M. Tel-Aviv Während also beim Sohlenleder wenigstens eine Steigerung des Imports verhindert werden konnte, sehen wir bei allen anderen Ledersorten — entsprechend den steigenden Bedürfnissen der verarbeitenden Industrien — ein starkes Ansteigen des Imports. Der Lederhandel liegt stark in jüdischen Händen — meist sephardischer Juden —, doch ist bisher bei den einheimischen Produkten der Direktabsatz an den Konsumenten, soweit es sich um Bargeschäfte handelt, vorwiegend. Nur in all jenen Fällen, wo Leder auf Kredit gekauft wird, übernimmt in Folge der geringen Kapitalkraft der Gerbereien der Lederhandel auch den Absatz des Leders. Zur Qualität des erzeugten Leders ist zu bemerken, daß das Sohlenleder zum großen Teil mit Zucker beschwert auf den Markt kommt; trotzdem ist in den letzten Jahren durch die Achten SietutfdenifoGt Neue Berechnungsgrundlage der Mehrzölle Am 1. Juli sind mit Geltung für das dritte Vierteljahr 1934 neue Einheitswerte als Berechnungsgrundlagen der Zölle für Mehl und verschiedene Getreidesorten in Kraft getreten. Uberstunden in der Zollabfertigung Die Zollverwaltung hat die Gebührensätze für Amtshandlungen der Zollbeamten außerhalb der ordentlichen Dienststunden — „Ueberstundengebühren" — neu festgesetzt. Transitverkehr nach dem Irak Für Waren, die auf dem Wege von und nach dem Irak (mittels eines anerkannten Wüstentransportdienstes) über Palästina gehen, ist — auf Grund der ..Customs Ordinance, 1928" — die Transitfrist auf 28 Tage festgesetzt worden, ohne Anrechnung des Ankunfts- und Abgangstages. steigenden Anforderungen der palästinensischen Industrie eine Qualitätssteigerung auf diesem Gebiet festzustellen. Verschiedene palästinensische Schuhfabriken sind bereits dazu übergegangen, ihren Gesamtbedarf an Sohlenleder aus der palästinensischen Produktion zu decken. Als besondere Spezialität wird chromgares Sohlenleder für leichtes Schuhwerk erzeugt. Soweit Oberleder für Arbeitsschuhe erzeugt wird, handelt es sich um ein dickes Chromleder, das im Griff dem Sämischleder ähnlich ist. Der Erzeugung von guten Oberledersorten stand neben den schlechten Rohstoffbedingungen bisher auch die mangelnde Technik der Lederproduzenten — besonders auf dem Gebiet des Lederfärbens — entgegen. N Abgesehen von den bestehenden jüdischen Gerbereien existieren in Jaffa noch acht bis zehn kleine arabische Gerbereien, die auch fast ausschließlich Sohlenleder erzeugen. Die Arbeitsmethoden dieser Gerbereien sind außerordentlich primitiv, die von ihnen erzeugten Lederqualitäten bedeutend schlechter, als die von den Juden produzierten. Die größte Gerberei d^s Landes ist in Jazour bei Jaffa gelegen. Sie wurde vor mehreren Jahren von Juden gegründet, ist jedoch in die Hände einer griechischen Gruppe aus Alexandrien übergegangen. Die Fabrik ist modern ausgestattet, und sowohl auf die Erzeugung von Sohlenals auch von Oberleder eingerichtet. Sender in Jerusalem Wie halboffiziell, jedoch sicherlich in den nächsten Tagen offiziell bestätigt werden wird, verlautet, wird in Jerusalem von der Regierung in allernächster Zeit ein Rundfunksender errichtet werden. Das notwendige Maschineninventar wurde bereits in England bestellt. Die Notwendigkeit eines solchen Senders wurde insbesondere — abgesehen von den in der ganzen Welt gleichen Gründen — durch die landwirtschaftlichen Sachverständigenberichte über Palästina betont, da dieser Sender nicht nur der Unterhaltung, sondern vor allem auch der Belehrung und Unterrichtung speziell der arabischen landwirtschaftlichen Bevölkerung dienen wird. Die Regierung, die soeben auch einen größeren Betrag für die technische Erziehung der Bevölkerung zur Verfügung gestellt hat, wird zweifellos dieses Instrument der Aufklärung und der beruflichen Förderung ständig weiter ausbauen. Die Lederindustrie in Aegypten steht besonders in Alexandrien auf einer ziemlich hohen Stufe. In Syrien spielte früher Damaskus als "Gerbereizentrum eine erhebliche Rolle, doch ist in den letzten Jahren — im Zusammenhang mit der Krise — ein Rückschlag eingetreten. Beide Länder sind für gutes Leder Importeure europäischer Ware. Billiges Leder exportieren sie selbst, z. B. nach Palästina. Eine zusammenfassende Betrachtung der gegebenen Voraussetzungen und Möglichkeiten zeigt also, daß Leder für Schuhe Jn Palästina bereits einen erheblichen Markt hat, der bisher nur z. T. aus der inländischen Erzeugung befriedigt wird. Die Voraussetzungen sind, was Häute, Gerbstoff und Wasserversorgung betrifft, nicht einfach. Es handelt sich jedoch um Schwierigkeiten, die sich bei entsprechender Fachkenntnis und zähem Willen überwinden lassen. Ebenso wird auch letzten Endes die Zustimmung des Gesundheitdepartements für einen technisch gut fundierten Plan zur Errichtung einer Gerberei in entsprechender Lage zu erhalten sein. Unter diesen Voraussetzungen ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Oberledererzeugung in Palästina neu aufgenommen resp. die Sohlenerzeugung bis zur vollen Befriedigung des Marktes erweitert wird. 2