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Palästina-Nachrichten · 1934-05-15 · Heft 4 (15.5.1934) · p. Seite 5

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 4 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Landwirtschaft, Orangen und Siedlung Die Wohnverhältnisse in den landwirtschaftlichen Siedlungen In den von einer Erhebung der Arbeiter-Krankenkasse erfaßten Arbeitersiedlungen (Kibuzim) mit insgesamt 4200 Personen wohnten in Häusern: 18%, in Baracken: 51 %, in Zelten: 26% ohne Obdach: 4,2%. In den Baracken (mit 679 Räumen) wohnten ständig 2038 Personen. 71,5% der Baracken waren in unvollkommenem Bauzustand (so z. B. fehlten teilweise Zimmerdecken, Fußböden etc.). Der vorgesehene Raum von je 3 qm pro Person verkleinerte sich i praktisch dadurch, daß für Obdachlose und während der Regenzeit auch für Zeltbewohner „Zusatzbetten" aufgestellt werden mußten. Da die Zelte zu einem erheblichen feil nicht wetterfest waren, gestalteten sich die Wohnverhältnisse während der Regenmonate besonders schwierig: zuweilen mußten 5—6 Menschen in einem für 3—4 Personen vorgesehenen Raum untergebracht werden. Auch die Wohnverhältnisse für Familien mit Kindern, die früher stets einen eigenen Wohnhaus-Raum erhalten hatten, verschlechterten sich unter dem Druck der Wohnungsnot, die eine Aufnahme obdachloser Menschen erforderlich machte. Etwas günstiger lagen die Verhältnisse in den Kibbuzim bei Haifa und in der Umgebung von Afule, Nahalal und Obergaliläa. Hier kamen durchschnittlich 2 —3 Personen auf je 1 Zimmer, und 85 % aller Familien mit Kindern hatten einen eigenen Wohnhaus-Raum. Zur Verbesserung der Wohnverhältnisse werden jetzt auf Veranlassung des Hilfskomitees der „Olej Germania" in einigen Kibbuzim (Giwqth-Brenner, Rodges, Naaneh, „Haschomer Häzair"~u. a. m.) Wohnhäuser errichtet. Auch für die Schaffung besserer Gemeinschaftsräume (Speise-, Küchen-, Lese-Räume), die in den neueren Kibbuzim noch mangelhaft ausgestattet sind, wird jetzt Sorge getragen. Absatzmöglichkeiten für palästinensischen Tabak Der Tabak-Anbau ist bekanntlich der zweite Haupterwerbszweig in Rosch-Pina. Früher wurde der größte Teil der Produktion nach Polen exportiert (etwa 50 000 kg jährlich), während der Rest auf dem palästinensischen Markte abgesetzt wurde. Infolge der von Polen erlassenen teilweisen Tabak-Einfuhr- Sperre ist ein großer Lagerbestand in Palästina liegen geblieben, und obgleich die Bauern während der Jahre 1932/33 den Tabakanbau eingeschränkt haben, beträgt der lagernde Warenbestand noch immer ca. 50000 kg. Um den Export- Ausfall auszugleichen, bemüht sich das Tabak-Syndikat in Rosch-Pina, im Lande selbst Absatzmöglichkeiten zu finden. Diesbezügliche Verhandlungen mit inländischen Tabakfabriken (insbesondere mit der Firma Maspero frere), die sich bisher gegenüber dem palästinensischen Tabak-Angebot sehr ablehnend verhielten, haben einige Zusagen der Fabriken gezeitigt. Landwirtschaftsbank für Palästina Die Regierung beabsichtigt die Gründung einer Landwirtschaftsbank für Palästina mit 400000 £P Aktienkapital; hiervon sollen jüdische Banken und Organisationen 100 000 £P, englische Versicherungsgesellschaften („Guardian" und „Prudential") 225000 £P und arabische Körperschaften 75000 £P zeichnen. Orangen-Großlagerhaus in Rechowoth Das neue Orangengroßlagerhaus der Firma Kastelianski in Rechowoth ist soeben vollendet worden» Mittels modernster Lager- und Transporteinrichtungen ermöglicht es die Beförderung von VA Millionen Kisten pro Saison. 15' Eisenbahnwaggons können gleichzeitig beladen werden. Ein ähnliches Großlagerhaus soll in Petach-Tikwah errichtet werden. Neues Orangenzentrum bei Afuleh Im Mittelpunkt des Emek Jesreel, bei Afuleh, wird gemäß den Beschlüssen der dortigen Grundbesitzer und Siedler demnächst der Bau einer modernen Wasserversorgung (Bohrung auf 300 m Tiefe) beginnen, um hierdurch in dieser Gegend die' Anlage neuer großer Orangen- und Grapefruits-Pflanzungen zu ermöglichen. An der Finanzierung des Wasserwerks, das den* Ausblick auf ein neues Zefitf^m^cier Orangenwirtschaft erschließt, nehmen insbesondere der „leeren Hajessod" und die ijudea Insurance Company" teil. 35 neue Häuser in Nahalal Die Jewish Agency hat ein Darlehen von 5000 £P zum Bau von 35 neuen Häusern im Nahalal gewährt. Hierdurch wird der Umfang der Kolonie, die als vorbildlich für die kleinbäuerliche Siedlung gilt, sich auf 110 Häuser erhöhen. Ankauf von Bienenstöcken in Sichern Nach einer Mitteilung aus Sichern, sollen dort kürzlich von auswärtigen jüdischen Bienenzüchtern Ankäufe von 300 Bienenstöcken getätigt worden sein. Es verlautet, daß auch fernerhin ein starkes Interesse am Erwerb von Bienenstöcken herrscht. Zweigstellen der arabischen Landwirtschafts-Bank Die Direktion der arabischen Landwirtschaftsbank faßte den Beschluß, zum 1. Mai 1934 Zweigstellen in Asah und Tiberias zu eröffnen. Eine Filiale dieser Bank ist bereits in Rabat-Amon (Transjordanien) gegründet worden. U Nachbarlander Türkei Die Eisenbahngesellschaft Smyrna-Aidin verzeichnete für 1933 an Einnahmen 299893 £ (1932: 354 922), an Ausgaben 238 439 £ (240 302), an Ueberschuß 61 454 £ (114 620). — Nächst Tabak und Rosinen sind Eier die wichtigste Ausfuhrware der Türkei. Ihr bedeutendster Abnehmer ist Spanien. Soeben ist der türkische Eierexport nach Spanien durch ein Abkommen der türkischen Regierung mit einer spanischen Importeurgruppe unter Mitwirkung der türkischen Reederei Yelkendji Zade Sons und der bulgarischen Reederei „Messageries Maritimes Bulgares" auf eine neue Basis gestellt worden. Die spanische Gruppe hat sich zur Abnahme bestimmter Mengen verpflichtet, die nicht erst, wie bisher, in Valencia oder Barcelona eingespeichert, Die Anlagen der „Telgas", die Angora mit Elektrizität und Gas Versorgt Phat.: Kurf x). Margot Lubmski sondern unmittelbar nach Madrid konsigniert werden sollen. Die türkische Regierung gewährt den erwähnten Reedereien Subventionen, wofür diese sich zur gemeinsamen Durchführung eines direkten türkisch-spanischen Dampferdienstes dreimal monatlich zwecks Abfertigung der Eier-Transporte zu besonders billigen Sätzen verpflichten. — Das soeben verkündete Arbeitsgesetzbuch umfaßt acht Teile, die sich auf den Arbeitsvertrag, die Gewerbeaufsicht, die Unfallversicherung, den Gesundheitsschutz, die Beilegung von Lohnstreitigkeiten, das Gewerkschaftswesen usw. beziehen. Die Entscheidung von Lohnstreitigkeiten wird der Regierung vorbehalten, Streik und Aussperrung verboten, der Achtstundentag angeordnet, Beschäftigung von Kindern unter zwölf Jahren und Nachtarbeit von Jugendlichen unter sechzehn Jahren untersagt. — Der neue Handelsvertrag der Türkei mit Bulgarien beruht, wie alle neueren Handelsverträge der Türkei, auf dem Kompensationsprinzip. Er verpflichtet, unter beiderseitigen wesentlichen Zollvergünstigungen, die Türkei zur Abnahme bestimmter Mengen von Holzkohle, Zucker, Käse und Schweinefleisch aus Bulgarien, während Bulgarien in bestimmtem Umfange Kaviar, Wachs, Wolle, Oliven, Olivenöl, Rosinen, Feigen, Haselnüsse und Orangen aus der Türkei beziehen wird. 5

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