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Palästina-Nachrichten · 1934-05-15 · Heft 4 (15.5.1934) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 4 (15.5.1934)
Date
1934-05-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Wohnungseinrichtung und Wohnungskultur von Dr. Hilde Oppenheimer, Tel-Aviv Die Räume einer durchschnittlichen palästinensischen Stadtwohnung sind im allgemeinen von mittlerer Größe (alle Maßkombinationen über 3 und bis 5 m)f haben hell gestrichene Wände und Steinfußböden. Türen und Fenster werden nach Möglichkeit so angebracht, daß ein Höchstmaß an Durchzug — das dringendste Erfordernis im Sommer — gewährleistet ist. W. C, Badezimmer mit Dusche und Bad, finden sich in jeder modernen Wohnung. Als großer Mangel wird häufig — besonders in Tel Aviv, in Jerusalem z. B. steht es damit besser — das Fehlen von Nebenräumen empfunden. Hängeboden oder Bodenkammer sind nicht üblich, und in Tel Aviv ist auch ein Keller eine Seltenheit. Unter diesen Umständen bleibt häufig nichts anderes übrig, als die meist sehr freigiebig angebrachten, schönen und geräumigen Veranden auch zur Aufnahme von Reisekoffern, Kisten und sonstigen nicht täglich gebrauchten Gegenständen zu benutzen. Mit den eingebauten Schränken, die früher die Unterbringungsmögfichkeit von allerhand Haushaltsutensilien erleichterten, ist man neuerdings leider wieder sparsamer geworden; denn die Ausgaben für den Wohnungsbau sind gestiegen, und an Mietern besteht kein Mangel. — Dennoch ist u. a. der eingebaute Luftschrank vielfach erhalten geblieben. Er erleichtert die Konservierung der Eßwaren, ist aber keineswegs ein Ersatz für den im Sommer kaum entbehrlichen Eisschrank, dessen Beschaffung natürlich Sache des Mieters ist. Auch für Koch- und Heizvorrichtung muß der Mieter selbst sorgen. Nur in Jerusalem und einigen Bezirken Haifas findet man bei manchen Neubauten die sogenannte Zentralheizung, d. i. eine Etagenheizung, die von einem Zimmer, meist dem Badezimmer aus, bedient wird. Sonst heizt man mit Petroleumöfen, die man für ein bis anderthalb Pfund kaufen kann. Unter den zahlreichen im Handel befindlichen Fabrikaten spielt zum Beispiel der deutsche „Haller-Ofen" eine nicht unbeträchtliche Rolle. Gekocht wird ebenfalls mit Petroleum. Auch hierfür existieren die verschiedensten Einrichtungen, vom einfachen „Primus" für 30 bis 40 Piaster bis zum herdähnlichen Petroleumkocher mit mehreren Flammen, für den man schon einige Pfund anlegen muß. Das Kochen auf elektrischen Herden hat wegen der hohen Elektrizitätspreise eine praktische Bedeutung vorwiegend für Hotels. Im Privathaushalt ist man fast durchweg auf das wesentlich billigere Petroleum eingestellt. Die Zweckmäßigkeitsansprüche, die man an die Möblierung einer durchschnittlichen palästinensischen Mietswohnung stellen muß, liegen auf der Hand; Raumverhältnisse ebenso wie Licht, Luft und Sonne des, Landes verlangen: nicht zu große, nicht zu viele, nicht zu schwere und dunkle, möglichst einfache Möbel. Hitze und Staub sowie die Notwendigkeit ständiger sorgfältigster Säuberung wirken in derselben Richtung, und alle diese Faktoren gebieten gleichzeitig, daß man für Ueberzüge, Vorhänge, Polsterungen usw. nur solche Stoffe verwendet, die einerseits lichtecht, andererseits als Staubfänger möglichst ungeeignet sind. Innerhalb dieses Zweckmäßigkeitsrahmens sind der Befriedigung des individuellen Geschmacks¬ und Schönheitsbedürfnisses keinerlei Grenzen gesetzt — außer denen des Geldbeutels. Diese Grenze wird allerdings vielerorts sehr fühlbar, und wenn der Neuankömmling zu Anfang oft erstaunt ist über die Primitivität der Einrichtung zum Beispiel in Wohnungen des hiesigen intellektuellen Mittelstandes, so muß man ihm immer wieder vor Augen führen, daß Palästina ein armes Land ist, in ' dem hart gearbeitet und wenig verdient wird, und daß die Eingesessenen zum größten Teil sehr bedürfnislose Menschen sind. Die Zimmer solcher Wohnungen machen für unsere Begriffe oft einen recht leerer* und dürftigen Eindruck. Sie enthalten etwa: Couch oder Metallbett, kleinen Tisch, ein paar ganz einfache Stühle, Schrank und evtl. noch Bücherregal. Mehr und mehr kann man freilich beobachten, wie die Freude an Form und Farbe auch in diesen Schichten lebendig — zum Teil wieder lebendig — wird, und heute betrachtet man es auch nicht mehr als einen Verstoß gegen die strengen Anforderungen des chaluzischen Lebens, wenn jemand sich bemüht, seine Wohnstätte mit wenig Mitteln so hübsch wie möglich herzurichten. Diese Entwicklung läßt sich zum Beispiel auch in den Kwuzoth — soweit sie die erste und schwerste kolonisatorische Arbeit hinter sich haben — deutlich erkennen. Der Wunsch nach bestmöglicher Kombination von Billigkeit, Zweckmäßigkeit und geschmackvollem Aussehen hat das „9b i s 1 2 - P f u n d - Z i m m e r" als einen — insbesondere in der Stadt — sehr verbreiteten Einrichtungstypus hervorgebracht: Sperrholzmöbel, in gefälligen Formen, hell lackiert, manchmal mit dunkleren Rändern abgesetzt, an den Einrichtungsstil in modernen deutschen Landhäusern erinnernd. Solch ein Zimmer enthält neben der unvermeidlichen Couch oder dem Metallbett, die je nach Ausführung 1 bis 3 Pfund kosten, vielleicht ein paar Armstühle zu je einem halben Pfund, ein paar kleine arabische Hocker mit Strohgeflecht (das Stück ungefähr ein Viertel Pfund), einen Tisch (ein bis zwei Pfund), einen Schrank (meist eine hübsche und "praktische Kombination von Kleider-, Wäscheschrank und Kommode für etwas über 3 Pfund, und schließlich je nach Verwendungszweck noch einen Schreibtisch oder eine Art Büffet für 2 bis 3 Pfund. Das Ganze macht einen freundlichen und wohnlichen Eindruck, besonders, wenn man die Ausstattung noch durch einige Decken oder gar einen Teppich vervollkommnet. Natürlich befriedigen diese Möbel keinerlei Ansprüche an edles Material, und ebenso ist ihrö Verarbeitung nicht darauf berechnet, Jahrzehnte zu überdauern. Aber sie sind den räumlichen, klimatischen und Beweglichkeits- Erfordernissen des Landes angepaßt, sind ansprechend in Form und Farbe und verdienen um so mehr, in den Begriff Wohnungskult u r einbezogen zu werden, als sie infolge ihres verhältnismäßig niedrigen Preises einer größeren Bevölkerungsschicht die Möglichkeit geben, sich ihre Wohnung geschmackvoll herzurichten. — Uebrigens dienen diese Art Möbel auch sehr vielfach zur Einrichtung der neueren Hotels und Pensionen sowie zur Selbstausstattung derjenigen Untermieter, die ein leeres Zimmer nehmen (was früher fast durchgängig der Fall war; neuerdings gibt es auch „möblierte Zimmer" in größerer Zahl), überhaupt im Lande am weitesten verbreitete Möbelstück die Auch bei dieser Einrichtung ist das unentbehrlichste, das Couch oder das Metallbett, die beide in der Nacht als Schlafgelegenheit und am Tage — mit einer Decke — als Sofa dienen. Diese Gegenstände finden sich deswegen in so vielen Räumen, weil die meisten Zimmer — auch bei Familien des Mittelstandes— gleichzeitig Wohn- und Schlafzwecken dienen. Wenn wirklich ein Raum verfügbar ist, den die Familie nicht für sich als Schlafraum benötigt, so birgt er häufig wenigstens eine Schlafgelegenheit für Gäste, denn der nächtliche Logiergast spielt hier eine ungleich größere Rolle, als wir es gewöhnt sind. Sobald man über die geschilderten ^perrholz-Typenmöbel hinaus Ansprüche an Material und qualifizierte Verarbeitung stellt, etwa eine Furnierung mit Eichen- oder Buchenholz oder hellem Mahagoni wählt, steigen die Ausgaben für die Möblierung eines Zimmers um mehr als das Doppelte. Schrank, Schreibtisch oder Buffer aus Eiche oder Buche (furniert) werden unter 6 J?is 8 Pfund heute schwer zu haben sein. Für elegante Zimmer verarbeitet man audh in Palästina häufig kaukasischen Nußbaum. Im großen ganzen unterscheidet sich die Wohnungseinrichtung der sehr dünnen jüdischen Oberschicht hier nicht wesentlich von derjenigen der entsprechenden Schichten in westlichen Ländern. Kein Wunder, da ja die meisten aus dem Westen stammen, und da auch die neuerdings zugewanderten Architekten in erster Linie europäischen Stil pflegen. Wie es heute in Palästina möglich ist, sich Möbel der verschiedensten Art und Qualität anfertigen zu lassen, so bekommt man auch so gut wie alle übrigen zur Vervollständigung der Wohnung dienenden Gegenstände: Stoffe, Lampen, Hausrat, ^Porzellan, elektrische Apparate usw. Es darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß auch das palästinensische Kunstgewerbe schon sehr schöne Keramiken, Stoffe, Metallarbeiten u. a. hervorbringt. Trotz der vielfältigen Möglichkeiten, die die Produktion des Landes bietet, wird es sich für den Einwanderer dann im allgemeinen lohnen, seine eigenen Möbel mitzubringen, wenn er über eine zweckentsprechende Einrichtung von guter Qualität verfügt. Aber immer wieder muß gesagt werden: Sorgfältig auswählen, nicht zuviel mitnehmen, nicht vergessen, daß es Staub und Hitze gibt, und daß die Frage der Hausgehilfen hier erheblich schwieriger liegt als in Deutschland! Nur in bezug auf einen Gegenstand, der zwar für die Wohnungskultur sehr wichtig ist, aber doch erst in zweiter Linie unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden kann, sollte man in der Auswahl sehr großzügig sein, nämlich in bezug auf Bücher; besonders, soweit es sich um wissenschaftliche Literatur handelt. Der Hunger nach Büchern ist groß und die Bibliotheken sind lückenhaft. Werke, die man in der eigenen Wohnung nicht unterbringen kann oder will, finden immer reichlichen und gern gewährten Platz, nämlich in der oft nur allzu leeren Wohnung der — andern. 4

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