Palästina-Nachrichten
- Journal
- Palästina-Nachrichten
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- Heft 2 (15.4.1934)
- Date
- 1934-04-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Tel-Aviv mit London verhandeln wegen einer Anleihe zu dem relativ hohen Zinsfuß von 5%, wahrend andererseits im fnlande vielleicht genügend Kapitalisten vorhanden sind, eine solche Anleihe abzunehmen. Ein Versuch müßte wenigstens unternommen werden, die Anleihe hier zu verkaufen, bevor man sich an das Ausland wendet. Es schadet dem Lande, wenn eine offizielle jüdische Behörde sich zu langjährigen Zahlungen nach dem Auslande verpflichtet, solange die Geldsituation derartig ist. — Es dürfte heute durchaus die Möglichkeit zur Schaffung eines tragfähigen Kapitalmarktes gegeben sein. Die Ansätze hierfür sind vorhanden. Dann werden auch ausländische Kapi- Anlagepublikum und Anlagepa Noch bis vor kurzem konnte in Palästina von einem regulären Kapitalmarkt käum die Rede sein. Die Kapitalien, die die Einwanderer mit ins Land brachten, dienten fast ausschließlich zur Gründung einer eigenen Existenz. Sofern Alteingesessene oder Neueinwanderer Beträge zur freien Anlage zur Verfügung hatten, wurden diese in Anlehnung an langjährige Traditionen entweder in Grund und Boden oder in Hypotheken angelegt. Wenn für bestimmte Projekte größere Kapitalien benötigt wurden, konnten diese nur auf den ausländischen Kapitalmärkten oder von den jüdischen Organisationen aufgebracht werden. Der verhältnismäßig großen Nachfrage nach langfristigem Leihkapital stand ein ziemlich geringes Kapitalangebot im eigenen Lande gegenüber. Das hier bestehende Mißverhältnis kam äußerlich darin zum Ausdruck, daß auch für absolut sichere Kapitalanlagen, wie grststellige Hypotheken^ Zinssätze von 9^bis 10%..bewilligt werden mußten. ~~~~ In letzter Zeit scheint nun eine gewisse Aenderung in den Kapitalmarktverhältnissen des Landes eingetreten zu sein. Es läßt sich zunächst beobachten, daß die Alteingesessenen in der Lage sind, aus den von ihnen früher vorgenommenen Investitionen eine von Jahr zu Jahr steigende Rente zu ziehen, die keineswegs ausschließlich zur Erweiterung der eigenen Betriebe Verwendung findet. Hinzu kommt, daß in den letzten Monaten in viel stärkerem Maße als früher von privater Seite Gelder zur Anlage nach Palästina gegeben worden sind und teilweise recht w o.h I h a b e n d e Kreise ihren Weg nach Palästina gefunden haben. Diese sind vielfach nicht darauf angewiesen, das ihnen zur Verfügung stehende Kapital sofort und in vollem Umfang zum Aufbau einer Existenz zu verwenden, sondern sind vielfach in der Lage, ihren Lebensunterhalt aus den Zinsen dieses Kapitals zu bestreiten. Man kann allgemein feststellen, daß diese Einwanderer im Zusammenhang mit der Umsiedelung auch eine Umschichtung ihres Kapitalvermögens vornehmen und bestrebt sind, einen großen Teil ihres Geldes in Palästina zur Anlage zu bringen. Sie stoßen aber hierbei insofern auf Schwierigkeiten, als die Formen der Anlage in Palästina von denen in den westlichen Ländern nicht unerheblich abweichen. Es ist sowohl in Europa als auch in Amerika allgemein gebräuchlich, größere Vermögen zu einem erheblichen Prozentsatz in Wertpapieren zu investieren, die gegenüber allen anderen Kapitalanlagen den Vorteil vereinfachter Verwaltung und sofortiger Realisierbarkeit haben. Bisher sind die Möglichkeiten von Anlagen in palästinensischen Wertpapieren leider recht beschränkt. Es gibt zwar eine große Anzahl palästinensischer Aktien und Obligationen und darunter, befinden sich auch zweifellos eine ganze Reihe von guten und sicheren Werten. Aber fast allen diesen Papieren fehlt ein wichtiges Erfordernis, das an ein Wertpapier gerade in heutiger Zeit unbedingt gestellt werden muß: die leichte Realisierbarkeit. Vrelfach wird die Ansicht vertreten, daß die Marktgängigkeit, d. i. die Möglichkeit eines kulanten An- und Verkaufs durch geeignete Zentralisierung des Wertpapierhandels erreicht werden könnte, und ausgehend von diesen Gedankengängen ist die Schaffung einer Bö rs e in Palästina gefordert worden. Zweifellos würde durchweine räumliche und zeitliche Konzentrierung der Wertpapierumsätze eine Verbesserung der Marktlage erreicht werden können, und es ist deshalb durchaus zu begrüßen, daß schon jetzt mit den Vorbereitungen einer, börsenähnlichen Organisation begonnen wird. Man muß sich aber durchaus darüber klar sein, daß das Uebel hierdurch gemildert, aber nicht an der Wurzel gepackt werden kann. Was in Palästina fehlt, ist weniger ein organisierter Wertpapierhandel,r als Emissionen, die groß genug sind, um als Unterlage für einen gut funktionierenden Handel dienen können. Diese zu schaffen, wird die Aufgabe der nächsten Zeit sein müssen. In diesem Zusammenhang ist es zu bedauern, daß Palästina den in den anderen Ländern besonders entwickelten talisten bald erkennen, daß man in Polastina sein Geld gut verzinslich und relativ sicher anlegen kann. Ebenso wie man französische Wertpapiere in Paris, englische in London kauft, wird man dann dazu kommen, palästinensische Wertpapiere in Palästina durch die bereits in ausreichender Zahl vorhandenen Stellen, die sich damit befassen, wie Banken, Makler und Trustgesellschaften zu erwerben. Ein gut funktionierender Kapitalmarkt wird der Entwicklung des Landes neue Impulse geben und wichtige industrielle Pläne können dann ausgeführt werden. Auch die überhöhten Preise auf dem Wohnungsmarkt werden dadurch die unbedingt erforderliche Korrektur erfahren. p I 6 X & von Dr. Ernst Wolf gang, Jerusalem Markt der Staatsanleihen entbehren muß. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die palästinensische Regierung bisher nur einmal, nämlich 1927, eine Anleihe ausgegeben und auch hierbei nur den Londoner Kapitalmarkt in Anspruch genommen hat, nachdem sie dort infolge der von dem englischen Staat übernommenen Garantie besonders günstige Aufgabebedingungen erreichen konnte. Wenn dieses Schema auch für die demnächst geplante j^prozentiae Anleihe von VA Millionen Pfund beibehalten werden soll, so liegt~3ieses insofern im Interesse Palästinas, als hierdurch das im Lande vorhandene Anlagekapital für entsprechend andere Investierungsmöglichkeiten erhalten bleibt. Auch von den palästinensischen Städten und öffentlichen Körperschaften sind bisher kaum Anleihen zur Ausgabe gelangt. Die Stadt Tel-Aviv, hat 1923 Debentures im Betrag von 75 000 £P. in Amerika placiert, von a^enen inzwischen nicht ganz die Hälfte ausgelost worden ist und der Rest succesive bis 1943 getilgt wird. Es ist anzunehmen, daß Anleihen der Städte Tel-Aviv, Jerusalem und Haifa verhältnismäßig leicht in Palästina placiert werden könnten. Das einzige Marktgebiet, auf dem schon jetzt der Wertpapierhandel organisch entwickelt sein dürfte, ist der P f a n d - brjjgj m ct r-k-t. Bereits im Jahre 1921 wurde in Tel-Aviv die General Mortgaae Bank of Palestine gegründet, die sich speziell mit der Gewährung staatischer Hypotheken befaßt. Das Geschäft dieser Bank hat gerade in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen, und sie konnte in den letzten zwölf Monaten etwa genau so viel Pfandbriefe verkaufen wie in den zwölf Jahren seit der Gründung. Der Pfandbriefumlauf hat die Grenze von 300000 £P bereits überschritten. Der größte Teil des Umlaufs entfällt auf die 7prozentigen Pfandbriefe, die ihren Kursstand innerhalb eines Jahres von 90% auf 100% steigern konnten. Die 7prozentigen und öprozentigen Pfandbriefe des Instituts sind bis jetzt die einzigen Anlagepapiere des Landes, in denen regelmäßige Umsätze stattfinden. Eine Befriedigung desTn d u s t r i e 11 e n Kreditbedarfs ist auf Basis der Ausgabe von Pfandbriefen nicht durchführbar, da der hypothekarischen Sicherstellung bei Industriebetrieben nicht die gleiche Bedeutung zukommt wie beim Wohnungsbau oder in der Landwirtschaft. Hier müssen andere Wege beschritten werden. Die großen Unternehmen werden zweifellos mit der Zeit dazu übergehen, mit eigenen Emissionen an das palästinensische Publikum heranzutreten, wobei allerdings auf eine Schwierigkeif von vornherein aufmerksam gemacht werden soll. Viele in Palästina arbeitende Gesellschaften, darunter einige der größten und bekanntesten Unternehmen sind bei der Gründung in EnglancjjQknrPnr'prf -w^rrfAn Sie werden also rechtlich, vor allem auch steuerrechtlich, als englische Gesellschaften behandelt. Letzteres heißt, daß bei Ausgabe von Aktien oder Obligationen von den jeweiligen Erträgen die englische Jncome Tax von^zur Zeit ^5% abgezogen wird, einerlei ob der* Inhaber desrapiers seinen Wohnsitz in England hat oder nicht. Praktisch bedeutet dies, daß eine 6prozentige Obligation dem Inhaber nur 4lA% Zinsen bringt. Die Dif- " ferenz von VA% kann von dem englischen Besitzer des Wertpapiers bei seiner Einkommensteuererklärung verrechnet wer- ■< den, für den palästinensischen Erwerber ist sie dagegen verloren. Ein Ausweg erscheint hier u. a. dadurch möglich, daß die Befriedigung dieses langfristigen Kreditbedarfs gemeinsam von . einem hierzu geeigneten Finanzierungsinstitut erfolgt; dieses könnte sich dann seinerseits durch Verkauf von eigenen Obligationen oder Aktien an das Publikum refinanzieren. Da die von diesem Institut zu gewährenden Kredite auf eine ganze Reihe von Unternehmen der verschiedensten Branchen verteilt würden, wäre hierdurch ein gewisser Risikoausgleich gewährleistet. Andererseits würde durch dieses Verfahren eine Zersplitterung in zu viele kleine Emissionen vermieden und dem Publikum die Möglichkeit gegeben, sich durch Erwerb eines Wertpapiers mit breitem Markt im Rahmen seiner Mittel an dem wirtschaftlichen Aufbau Palästinas zu beteiligen. 4