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Palästina-Nachrichten · 1934-04-15 · Heft 2 (15.4.1934) · p. Seite 3

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 2 (15.4.1934)
Date
1934-04-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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sammenfassung, sondern des Aufeinanderprallens vollziehen --konn. Ich will hier hur, weil es ein ganz enfscheidender Punk! ist, darauf hinweisen, daß alle künstlichen Hemmungen der Einwanderung geeignet sind, die Aufschwungsperiode zu verkürzen, ohne auf dieses zur Genüge bekannte politische Gebiet hier im Einzeihen einzugehen. Aber auch wenn die palästinensische Politik frei wäre von Einwanderungshemmungen, würde diese Bewegung immer von äußeren Faktoren stark beeinflußt werden, die sich jeder konjunkturpolitischen Einwirkung entliehen. An diesem wichtigen Punkte scheinen mir also die konjunkturpolitischen Möglichkeiten in Palästina sehr wesentlich duf sekundäre Gebiete beschränkt zu sein. Daß es sich in der Rangordnung gegenüber der Einwanderungsfrage um sekundäre Gebiete handelt, bedeutet nicht, daß es unwichtige Fragen sind. Gegenüber den Rückschlagsgefahren, die auf dem am meisten ausgedehnten Zweige, der Bauwirtschaft und ihrer Hilfsindustrien, im Zusammenhang mit Einwanderungsstockungen bestehen, ist ies für den Grad der Erschütterungen der Gesamtkonjunktur entscheidend, in welchem Maße es gelingt, in dieser Aufschwungszeit produktive Kräfte auch auf anderen gewerblichen Gebieten zu entfalten. Das heißt: wie wir auf landwirtschaftlichem Gebiete bemüht sein müssen,*die Gefahr der Monokultur durch Buntheit der Produktion zu verringern, so müssen wir auf städtischem Gebiete der Gefahr der Einseitigkeit der Investitionen im Bauwesen durch eine möglichst vielfältige von verschiedenen inneren und äußeren Märkten abhängige gewerbliche Produktion zu begegnen versuchen. Die Wucht einer Krise und die Aussichten für ihre Ueberwindung sind immer wesentlich davon abhängig, daß es in einer Wirtschaft auch in der Krise Bezirke gibt, die sich als relativ krisenfest erweisen. Je weniger einseitig die Produktion eines Wirtschaftsgebietes aussieht, desto größer sind die Chancen für das Bestehen solcher Zellen der Widerstandsfähigkeit in Zeiten der wirtschaftlichen Erschütterung. Daraus ergibt sich konjunkturpolitisch, daß man versuchen muß, * bei der Lenkung des Kapitalstromes und der Unternehmungslust besonders solche Zweige zu entwickeln, deren Arbeitsmöglichkeiten auch ohne unmittelbaren Zusammenhang mit einer Baukonjunktur gegeben zu sein scheinen. Praktisch bleibt hier bei privater Wirtschaft die Möglichkeit der Konjunkturpolitik beschränkt auf den Versuch, Wege zu den besonders erwünschten Produktionserweiterungen zu ebnen. Das kann von Seiten der nationalen Institutionen geschehen: durch Information, durch die Bedingungen bei der Verpachtung TväTiönaleTr Bodens, Tfürctf die Beweglichkeit der Gestaltung der Arbeitsbedingungen, durch gewisse Kreditgewährungen usw. Das könnte weiter und in vieler Beziehung entscheidend von der Mandatsregierung geschehen, vor allem durch eine stärkere Loslösung der Zollpolitik von rein fiskalischen Gesichtspunkten und ihre Orientierung nach wirtschafts- Suchen Sie neue Absatzgebiete? Palästina importiert in steigendem Maße europäische Waren DIE PN informieren über Exportmöglichkeiten nach den LänderndesVorderen Orients Auskunft über Inserate erteilt VERLAG ERNST KOSTENBAUM Berlin-Zehlendorf, Onkel - Tom - Str. 123 Telefon: H 4 Zehlendorf 51 20 politischen Richtlinien, die die Konjunkturpolitik einschließen. Für diese ganze Frage der Beeinflussung des Gewerbes in der Richtung der Vielfältigkeit ist alles entscheidend, was geeignet ist, die Massenkaufkraft des engen inneren Marktes in Palästina auszudehnen. Dazu gehört das Bemühen um die Herstellung oder Erweiterung normaler Tauschbeziehungen zwischen dem jüdischen und dem arabischen Sektor der Wirtschaft. Des weiteren sind unter diesem Gesichtspunkt alle politischen Bemühungen der Regierung wertvoll, die versuchen, die wirtschaftliche Lage der Fellachen zu bessern, d. h. unter dem Gesichtspunkte des Gewerbes, ihn zum Konsumenten zu machen. Zum Schluß will ich noch die konjunkturpolitische Bedeutung aller Maßnahmen hervorheben, die dahin zielen, die öffentlichen Kassen der Regierung wie ähnlicher Institutionen in der Zeit des Aufschwunges mit ^Reserven auszustatten, die ihnen Arbeitsbeschaffung in Zeiten der Depression erlauben. -- c-4 Kapitalmarkt in Palästina Zins, Geld und Kapital von Hermann El lern, Bankier in Tel-Aviv Palästina gehört zum englischen Währungsgebiet. Die Zinssätze» die von den Banken gezahlt werden, gehören zu den niedrigsten innerhalb dieses Gebietes. Die Sätze für langfristige Kapitalanlagen dagegen sind die höchsten. Der Geldmarkt Palästinas ist überfüttert, und auf dem Kapitalmarkt herrschen Zinssätze, die mit der ganzen Weltgeldlage, insbesondere nicht mit der Situation aüf dem englischen Kapitalmarkt, in Einklang zu bringen sind. Während . bei den Banken Millionen Pfund Sterling nutzlos herumlagen, I wurde im Sommer das Standardpapier des Landes, der 7pro- / zentige Pfandbrief der General Mortgage Bank Ltd. mit un- I gefähr 90% bewertet. Dabei handelt es sich hier zweifellos | um ein Papier von unbedingter Sicherheit und erstklassiger J Qualität. Wie ist es erklärlich, daß man hier im Lande noch eine Verzinsung von fast 8% erzielen konnte, während in London die VA% Konversionsanleihe über 100 notierte? Seit Juli v. J. haben sich die Verhältnisse etwas gebessert. Der Kurs der Pfandbriefe hat letzt die Parigrenze erreicht, aber auch damit ist das Zinsniveau weit davon entfernt, ein richtiges Spiegelbild der Wirtschaft des Landes zu geben. Die starke Uebersättigung des Geldmarktes ist durch die große Einwanderung entstanden. Demgegenüber besjeht efne Scheu vor langfristiger Kapitalsanlage, die bei genauerer Prüfung durchaus unbegründet erscheint. Der Einwanderer ist zunächst überhaupt skeptisch gegenüber den wirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas. Jeder unbefangene Beobachter jedoch wird recht bald von der Lebensenergie dieses Landes gepackt und gewinnt Vertrauen zu der zukünftigen Entwicklung. Vielfach wollen die ganz Vorsichtigen ihr Geld flüssig halten, um in der Zeit einer Krise billig kaufen zu können. Es ist aber auch eine alte Erfahrung, daß in einer Krise Gelder nicht gesucht, sondern angeboten werden. Die hohen Zinssätze sind überhaupt nur trägbar und werden auch jetzt gezahlt, weit die Geschäfte gut gehen. In Krisenzeiten ermäßigt sich erfahrungsgemäß der Zinssatz. Kapitalien für Neuanlage von Unternehmungen, Bautätigkeit und Handelsgeschäfte werden kaum benötigt, da es ja das Kennzeichen einer Krise ist, daß das Vertrauen zu neuen Unternehmungen fehlt. Es ist also durchaus normal, daß in Krisenzeiten erstklassige Wertpapiere mit fester Verzinsung gesucht werden und im Kurs steigen. . V.y Selbst der kritischste Sachkenner kann jedoch keine realen Momente finden, die die Annahme rechtfertigen, daß eine Krise bevorsteht. Es ist erstaunlich, daß selbst in zionistischen Zeitungen von der „bevorstehenden Krise" als etwas Selbstverständliches gesprochen wird. Gewiß wachsen auch hier die Bäume nicht in den Himmel und auf die Zeit der guten Konjunktur wird es auch Rückschläge geben und eine Zeit der ruhigeren Entwicklungsfolgen. Aber daß der Weg ä la longue bergauf geht, das fühlt wohl jeder, der an der Entwicklung des Landes teilnimmt. Das schlechte Urteil über Anlagemöglichkeiten in Palästina ist auch dem Umstand zuzuschreiben, daß das Land sich wohl geändert und entwickelt hat, die Methoden der Kapitplwerbung aber noch nicht. Es ist kein Geheimnis im Ausland, daß die Banken des Landes riesige -Vermögen verwalten, die nach Anlage suchen. Man kann daher nicht verstehen, daß diese Investierungen in Palästina auch gut sind, wenn das brachliegende Geld davon keinen Gebrauch macht. Wichtig ist es, die Vertrauensbasis zu schaffen und an dem Funktionieren der Kanäle zwischen Geld- und Kapitalmarkt zu arbeiten. So entsteht die Anomalie, daß erste und beste Gesellschaften, wie Palestine Electric Corporation, Jerusalem Electric Power, Pottg^_|^ndjCate nach dem Ausland gehen müssen und die Erträgnisseaieser Gesellschaften nach dem Auslande fließen, während Millionen Depositen der Banken fast nutzlos in London brachliegen. So soll auch die Stadt

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