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Palästina-Nachrichten · 1934-04-01 · Heft 1 (1.4.1934) · p. Seite 6

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 1 (1.4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Palästina als Kunde der deutschen Industrie von Diplomkaufmann Dr. oec. Bernhard Spitz. Mit den rapiden Fortschritten des Aufbauwerkes in Palästina wachst die Bedeutung, die dem Lande als Absatzmarkt für den Welthandel beigemessen wird. Die durch die Immigration schnell wachsende Bevölkerung, deren europäischer Lebensstandard die orientalische Bedürfnislosigkeit verdrängt, sowie die intensiv geförderte Industrialisierung macht Palästina für die exporthungrigen Industrieländer interessant. Das steigende Importvolumen der palästinensischen Wirtschaft in den letzten Jahren spricht — in Zeiten schwerster Weltwirtschaftskrisen — eine deutliche Sprache. Auch die deutsche Exportindustrie, die schon von jeher mit an ,erster Stelle unter den Lieferanten Palästinas stand, ist an dieser Entwicklung hervorragend beteiligt gewesen. In der deutschen Exportstatistik hat sich der prozentuale Anteil der Palästinaausfuhr am deutschen Gesamtexport von 1929 bis 1933 fast verdreifacht. Und eine Bilanz des deutsch-palästinensischen Handelsverkehrs zeigt ein beträchtliches Aktivum zugunsten Deutschlands: Deutsche Ausf. Deutsche Einf. Einfuhr in % Deutscher '< nach Palästina aus Palästina der Ausfuhr Ausf.-Übersch. Hffe RM RM % RM 1929 * 1 11 737 000 3943000 33,6 7 794000 1930 11 871 000 7 584 000 64,0 4287 000 1931; 9540000 6248000 65,5 3292000 1932; 8036000 5 429 000 67,5 2607 000 1933 | 11 359000 5 648 000 49,7 öTTt^oq-jp Berücksichtigt man, bei der Betrachtung dieser Ziffern, die in diesen Jahren stark rückgängigen Weltmarktpreise, so erkennt man, daß insbesondere mengen mäßig der Warenexport nach Palästina eine ganz beträchtliche Ausdehnung erlangt hat. Einen interessanten Einblick gewährt eine genauere Analyse der Zusammensetzung dieses Warenexportes. Aus der wirtschaftlichen Struktur der beiden Länder ergibt sich notwendig, daß Deutschland überwiegend Industrieerzeugnisse, also Konsumgüter und Produktionsmittel liefert. Und tatsächlich zeigt die Statistik, daß Güter der anderen großen Warengruppen — d. s. Lebensmittel und Getränke sowie Rohstoffe und Halbfabrikate — nur in ganz geringfügigen Mengen zum Export nach Palästina gelangen; Bier, Müllerei-Erzeugnisse, Bauholz, Mineralöle, Zement, sind die wichtigsten Artikel aus diesen Warengruppen, die aber auch nur in relativ unbedeutenden Quantitäten erscheinen. In steigendem Maße dagegen ist die Fertigwaren-Ausfuhr am deutschen Palästinaexport beteiligt: Total : Davon Fertigwaren j % .1929 . 11 737 000 10818000 92,3 1930 11 871 000 i 11019000 92,8 1^1 9540 000; 8960000 93,9 1932 8036000 7 589000 94,4 1933 J 11 359 000 j 10877 000 95,8 Ueberraschend ist die Vielzahl der in der Ausfuhrstätistik erscheinenden Warengruppen; fast alle Zweige der verarbeitenden deutschen Industrie finden in Palösfina in größerem oder kleinerem Umfang Abnehmer, wobei in den letzten Jahren die Produktionsmittel 'Industrien immer stärker in den Vordergrund getreten sind; 1933 betrug ihr Anteil ca. 48,5% gegenüber 41,5% im Jahre 1932 und ca. 40% im Jahre 1931. Die wachsende Industrialisierung Palästinas wird dieses Verhältnis immer mehr zugunsten der Produktionsmittel-Einfuhr verschieben, je mehr nämlich die im Aufbau befindlichen palästinensischen Fabriken in der Lage sein werden, den Konsumgüter- Bedarf der Bevölkerung qualitativ und quantitativ zu befriedigen. — Die nachstehende Uebersicht der wichtigsten Exportgüter vermittelt ein anschauliches Bild von der Vielfältigkeit des deutschen Exportes nach Palästina, der, gegenüber dem Vorjahr, eine beträchtliche Zunahme in allen Artikeln zeigt — entsprechend der Steigerung des Gesamtexportes um ca. 43% im Jahre 1933 gegenüber 1932. Im Rahmen der Gesamteinfuhr Palästinas steht Deutschland mit an erster Stelle. Konzentriert man die Betrachtung auf die Einfuhr von Industrie-Erzeugnissen (Fertigfabrikaten), so rangiert Deutschland als Lieferant an zweiter Stelle gleich hinter dem britischen Imperium; in den ersten drei Quartalen 1933 bezog Palästina von Ländern der britischen Krone ca. 19%, von Deutschland \4lA %, von den USA. ca. 9%, von Japan 6lA% seines Fertigwaren-Imports^ Artikel 1932 1933 Zu- bzw. Abnahme in 1000 Reichsmark Garne aus Kunstseide 14 10 | — 4 Wolle, Baumwolle 19 60 + 41 Gewebe aus Kunstseide 306 419! +113 Wolle, Baumwolle, Jute etc. 569 643; + 74 Bekleidung! (Hüte, Wäsche, Oberkleidung) 270 473 + 203 Schuhe und Sattlerwaren! 150 162 + 12 Pelze und Pelzwaren 25 14 — 11 Waren aus Paraffin, Wachs, Fett 86 82 — 4 Holzwaren 87 133 + 46 Kautschukwaren 136 104 — 32 Celluloidwaren 53 80 + 27 Filme 68 37 — 31 Papier 231 236 + 5 Bücher, Noten 48 31 — 17 Farben, Lacke, Chemikalien 688 806- + 118 Porzellan- und Glaswaren 545 698 + 153 Waren aus Edelmetall 25 36 + 11 Kupferwaren 370 614 + 244 Vergold. u. versilb. Waren 34 64 + 30 Sonstige Waren aus unedl. Met. 197 256 + 59 Kraftfahrzeuge und Teile 52 93 + 41 Fahrräder und Ersatzteile 48 50 + 2 Musikinstrumente 108 133 + 25 Uhren 30 48 + 18 Feinmechanik 1.11 168 + 57 Kinderspielzeug 57 335 + 278 Waren aus Eisen (Röhren, Walzen, Formeisen, Blechdraht, Schmiedewaren, Maschinenteile etc.) 1857 2746 + 889 Textilmaschinen , 115 147 + 32 Werkzeugmaschinen 156 532 + 376 Elektr. u. nichtelektr. Maschinen 583 1081 + 498 Elektrotechnik 317 593 + 276 Diese Position hält Deutschland ziemlich konstant seit einer Reihe von Jahren, und es ist bemerkenswert, daß sein Anteil an der Fertigwaren-Einfuhr Palästinas sich in den Monaten Januar bis September 1933 gegenüber dem Vorjahr nicht unwesentlich erhöht hat. Die Fertigwaren-Einfuhr Palästinas (in 1000 RM) Totalimport*) davon Fertigw. davon Deutschi, j % 1929 146210 75 810 10818 14,2 1930 142200 82 900 11019 13,3 1931 113300 62 210 8960 14,4 1932 114 700 57 710 7 589 13,1 Jan.—Sept. *! 1933 109100 55 000 7 954 14,5 *) Umgerechnet zum amtlichen Jahres-Durchschnittskurs. Umgekehrt spielt aber der deutsche Markt auch für die palästinensische Wirtschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle. Die Palästina-Örange — die ca 96% des palästinensischen Exportes nach Deutschland bestreitet — hat in den letzten Jahren einen wachsenden Abnehmerkreis gefunden; während der gesamte Apfelsinen-Import Deutsch- - lands mengenmäßig keine nennenswerte Steigerung erfahren hat, ist der Anteil Palästinas von 64400 dz im Jahre 1929 auf 226000 dz in 1933 gestiegen; damit ist Deutschland zum zweitbesten Kunden der palästinensischen Ausfuhr-Wirtschaft geworden. 6

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