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Palästina-Nachrichten · 1934-04-01 · Heft 1 (1.4.1934) · p. Seite 4

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 1 (1.4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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dient, wie Registrierkassen, Möbel usw; und Einheitspreisartikel, herrschte seitens der genannten Häuser lebhafte Nachfrage auf den Messen. Wie darüber hinaus der Einkaufer aus Palastina Anregungen für den gesamten Bedarf gerade seines Landes an industriellen Fertigwaren auf der Leipziger Messe empfangen kann, zeigte die vom 4. bis 11. Marz dauernde Frühjahrsmesse. Alle Fertigprodukte, die aus Deutschland nach Palästina eingeführt werden, waren vertreten und werden zu der am 26. August beginnenden Herbstmesse erneut Zeugnis geben von der Einkaufsgelegenheit des Leipziger Großmarktes. Glas-, Kristall-, Porzellan-, Tonwaren aller Preislagen und Qualitäten; vom einfachsten Erzeugnis des täglichen Gebrauchs bis zum Luxusstück, selbstverständlich auch die mittleren und billigen Preislagen, die in der Bauernbevölkerung Palästinas und seiner Nachbarländer besonders begehrt werden, sind vertreten. Mit der Besiedlung; Palästinas und der Modernisierung seines Verkehrs und Wirtschaftslebens seit Kriegsende, ist für die Zukunft ein großer Bedarf in industriellen Fertigwaren mannigfachster Art zu erwarten. Die Gestaltung der Handelsbilanz Palästinas gibt jetzt schon Anhaltspunkte für die Richtung und den Umfang der Nachfrage. Aus der obigen Aufstellung ist klar ersichtlich, daß neben Metallwaren (Messer, Scheren, Haus- und Küchengeräte), in denen die deutsche Industrie auf der Leipziger Messe immer mit Höchstleistungen aufwartet, Textilien und Maschinen den Hauptanteil an der deutschen Einfuhr nach Palästina haben. Beide Sparten sind stets besondere Anziehungspunkte zur Leipziger Messe. Die auf der Großen Technischen Messe gezeigten Ausstellungen der Maschinen geben einen Einblick in die vielen Möglichkeiten, die im Aufbau befindliche Industrie Palästinas (die Tabakindustrie, Lebensmittelindustrie, Seifen-, Wein- und Spritfabrikation, Mühlen und Textilindustrie) höchst rationell einzurichten. Sowohl Antriebsmaschinen wie Werkzeugmaschinen und Maschinen der Verarbeitung, wie Nahrungs- und Genußmittelmaschinen, Textilmaschinen usw. sind vertreten. Die seit Kriegsende in Palästina einsetzende Elektrifizierung hat eine lebhafte Nachfrage nach elektrotechnischen Produkten hervorgerufen, die, wie die Handelsbilanz ausweist, besonders gern aus Deutschland bezogen werden. Neben den genannten Erzeugnissen seien noch zwei Produktgruppen genannt, deren Ausstellungen auf der vergangenen Frühjahrsmesse das lebhafteste Interesse fancfen. Das ist einmal der gesamte Bedarf für die Tropen und die Auslandssiedlungen. Die Leipziger Messe zeigt dem palästinensischen Siedler das Haus, das dem Klima des Landes angepaßt ist; ein Haus, das durch Lüftungs- und Kühlanlagen, durch besonders erprobte Baustoffe das Leben und Wohnen in diesen Breiten angenehm gestaltet. Palästina, ein Land mit vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten, deren Grundlinien sich bereits abzeichnen und auf einen Uebergang von extensiver agrarischer Bedarfswirtschaft zu einer intensiven, mit allen Mitteln moderner Technik betriebenen Kolonisation und gewerblichen Entfaltung hindeuten, bleibt bis weit in die Zukunft hinein ein maßgebender Käufer für industrielle Fertigwaren und Maschinen und wird damit auf den größten Markt für diese Güter, die Leipziger Messe, mit der es schon in der Vergangenheit eng verknüpft war, mehr denn je hingewiesen. So hat sich der Handelsverkehr zwischen den beiden Ländern, unter der Wirkung eines loyalen Meistbegünstigungsvertrages (Deutsch-Britischer Handelsvertrag vom 2. 12. 24, der auch auf Palästina Anwendung gefunden hat) recht erfreulich entwickelt; beide Parteien haben ein dringendes Interesse an der Aufrechterhaltung dieses Zustandes, von dem beide nur profitieren können. Der Charakter der Konjunktur in Palästina N. Tel-Aviv Seit einer Reihe von Jahren erscheint in den „Vierteljahrsheften des Instituts für Konjunkturforschung" in Berlin eine Länderübersicht der Konjunkturlage, in der gegenüber mancherlei Abstufungen von Krise und Depression nur zwei Länder der Welt in der Sonderklasse „wirtschaftlicher Aufschwung" erscheinen: Japan und Palästina. An der Tatsache, daß wir uns in Palästina in einer Periode der Hochkonjunktur, des schnellen wirtschaftlichen Wachstums befinden, ist nach allen yblichen Meßzahlen der Konjunkturbewegungen nicht zu zweifeln. Knappheit an Arbeitskräften, steigende Umsätze im Außenhandel und Binnenhandel, Bautätigkeit und Gründungen, Ueberschüsse im Staatshaushalt, nichts fehlt für die Symptomatik der Hochkonjunktur. Wer wissenschaftlich ein wenig geschult ist, wird auch nicht — wie es von manchen Einwanderern geschieht — diese Konjunkturlage verwechseln mit der Frage nach dem Reichtumsgrad des Landes, der sich in der durchschnittlichen Lebenshaltung und im Realeinkommen der Bevölkerung widerspiegelt. Der Lohn- und Lebensstandard ist in Palästina auch in dem jüdischen Wirtschaftssektor und noch mehr in dem sich ja vielfach berührenden arabischen Wirtschaftssektor ein bescheidener. Hochkonjunktur in Palästina spielt sich nicht auf dem Standard der amerikanischen „Prosperity" von 1928 ab und auch nicht auf dem Niveau der deutschen Aufschwungszeiten in diesen Jahren. Aber das ist minder wichtig, als die Frage, worauf die Sonderstellung von Palästina im Konjunkturatlas der Welt beruht. Denn von der Erkenntnis des Charakters dieser Konjunktur hängt die Möglichkeit ab, sich von den Aussichten ihres Bestandes eine gewisse Vorstellung zu machen. Es gibt hier im Lande eine Diskussion über die theoretische Klassifizierung des Aufschwunges als Strukturwandel, als zyklische Erscheinung der kapitalistischen Wirtschaft, oder als eine Art „Kriegskonjunktur". Ich will mich an dieser Debatte hier nicht beteiligen, weil ich die Benennung für weniger wichtig halte, als die Beschreibung der Quellen dieses von der Weltwirtschaftslage Josgelösten Aufschwunges. Entscheidend wichtig scheint es mir, zu betonen, daß diese Konjunktur ihren Ursprung nicht aus einer, sondern aus zwei Quellen ableitet, die sich in den gleichen Strom ergossen haben: Entfaltung der Orangenwirtschaft und Einwanderung. Der innere Faktor einer hohen Rentabilität der Orangenwirtschaft mit dem dadurch gegebenen Anreiz zu ihrer Expansion, stand am Anfang dieser sich nun schon mehrere Jahre entfaltenden Konjunktur. Die Verbrauchsgewohnheiten der europäisch-amerikanischen Welt, die zu einer höheren Schätzung der Citrusfrüchte, Orangen und Grape-Fruit führten, die Einführung verbesserter Pflanzungs- und Bewässerungsmethoden zuerst in den jüdischen Pflanzungen und die dadurch gewonnene höhere Ausnutzung der besonderen klimatischen Gunst des Landes, ließen hohe Rentabilitäten in diesem Wirtschaftszweig entstehen. Da gleichzeitig zum Teil schon im Inland aus dieser Sphäre akkumuliertes, vor allem aber jüdisches Auslandskapital bereit war, sich trotz der mehrjährigen Vorbereitungszeit diesem chancenreichen Gebiet zuzuwenden, setzte eine große und nachhaltige Expansionsbewegung hier ein. Sie schuf unmittelbar Arbeitsbedarf, sie ließ die Bodenpreise stark steigen, was zu Gewinnakkumulationen in der Hand der alten Bodenbesitzer führte, und im letzen Jahre wurde bereits ein erheblicher Teil von Neupflanzungen, die einige Jahre zurückliegen, Frucht tragend, wodurch die Besitzer dieser Pflanzungen aus sparsamsten Verbrauchern der Vorbereitungszeit vielfach zu kaufkräftigen Konsumenten der Ertragszeit wurden. Das mußte natürlich seine Ausstrahlung auf alle Zweige der Wirtschaft des Landes ausüben, denn in roher Schätzung darf man wohl annehmen, daß das Gebiet der Orangenproduktion und der Neuanlage von Orangenpflanzungen ein Viertel bis ein Drittel der Betätigung der palästinensischen Gesamtwirtschaft ausmacht. Diese Schätzung geht über eine Abschätzung des Produktionswertes der verschiedenen Gebiete der palästinensischen Wirtschaft hinaus. Nach einer für 1933 aufgestellten Schätzung soll der Wert der Produktion in Palästina, sich wie folgt verteilen: ca. V/2—4 Millionen £ gewerbliche Erzeugung, ca. 2l/2 „ £ Pflanzungswirtschaft, ca. 3 —ZXA „ „£ gemischte Landwirtschaft, ca. VA—4 „ £ Bauwirtschaft. Diese Schätzung der Produktionswerte läßt deshalb das Gewicht der Pflanzungswirtschaft zu niedrig erscheinen, weil sie 4

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