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Palästina-Nachrichten · 1934-04-01 · Heft 1 (1.4.1934) · p. Seite 3

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 1 (1.4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Palästina als Einkäufer auf der Leipziger Messe V ' ' ., von Dr. A. Seiffert, Leipzig. Es gibt gegenwartig im Welthandel wenig Lancier, deren Warenaustausch sich in so ausgesprochener Weise ergänzt wie der zwischen Deutschland und Palästina. Deutsche Fertigwaren aller Art werden gegen Agrarprodukte, vorwiegend Südfrüchte, Palästinas geliefert. Waren, die miteinander in Wettbewerb stehen, gibt es im Handel zwischen beiden Ländern nicht. Möglichkeiten, den Handelsverkehr zwischen Deutschland und Palästina noch zu steigern sind zahlreich vorhanden. Die seit Kriegsende in raschem Tempo vorwärtsschreitende Wirtschaft liehe Entwicklung Palästinas und die Ueberwindung der Krise in Deutschland macht beide Länder in wachsendem Maße für die Erzeugnisse aufnahmefähig, die sie wechselseitig nicht selbst produzieren. Wie weit dies schon ietzt deutlich wird, zeigt die Handelsbilanz zwischen Deutschland und Palästina: Von den im Jahre 1933 im Gesamtwerte von RM 11,359 Millionen (1932: 8,306) aus Deutschland eingeführten Waren gehörten zur Gruppe Textilien, insbesondere Gewebe aus Seide, Kunstseide, Wolle, Baumwolle, Kleidung, Wäsche im Betrage von RM 1,132 Millionen (1932: 0,908), d. h. rund 10 %; zur Gruppe Eisenwaren (Röhren, Walzen, Stab- und Formeisen, Kessel, Maschinenteile, Messerschmiedewaren, Werkzeuge, landwirtschaftliche Geräte und sonstige Eisenwaren) im Betrage von RM 2,798 Millionen (1932: 1,878) 24%; zur Gruppe Maschinen (Textilmaschinen, Werkzeugmaschinen, landwirtschaftliche Maschinen, elektrotechnische Maschinen usw.) im Betrage von RM 1,760 Millionen (1932: 0,854) =15%; elektrotechnische Erzeugnisse im Werte von (Die Orangensaison 1933/34) fähigen Hafens für Jaffa und Tel-Aviv sehr energisch propagiert; dies ändert aber nichts am Wünschenswerten einer zeitlich weniger komprimierten Orangensaison. Der zweite Vorteil bestände hinsichtlich des Arbeitsmarktes. Durch Mangel an Arbeitshänden ist in den letzten Wochen an verschiedenen Orten die restlose Einbringung der Orangenernte ernstlich gefährdet worden. Nicht rechtzeitig gepflückt, gingen viele Früchte zugrunde. Ein früherer Erntebeginn könnte hier abhelfen. Der dritte Vorteil wäre verkaufspolitischer Natur. Je früher die vollreifen Früchte den europäischen Markt erreichen könnten, um so günstiger die Absatzchance und die Preisbildung. Heute haben wir in Palästina im wesentlichen nur je eine Haupt-Tvpe der Orange und der Grape-Fruit. Indessen ist man in den Versuchspflanzungen der Landwirtschaftsschule Mikweh-Israel eifrig dabei, verschiedene neue Typen zu züchten, die eine erheblich frühere Reife versprechen. Hervorragend hat sich in dieser Saison der organisatorische Ausbau der palästinensischen Orangenwirtschaft bewährt. Fast nahezu sämtliche iüdischen Pflanzer (die ihrerseits zum größten Teile in Kooperativen zusammengefaßt sind), also praktisch 60% der Gesamtproduktion, sind der gemeinnützig wirkenden „Jaffa Citrus Exchange" angeschlossen, die durch Abschlüsse mit den wichtigsten Schiffahrtslinien, insbesondere Großbritanniens, Deutschlands und Schwedens, erhebliche Vorteile für ihre Mitglieder erzielt hat. Die arabischen Exporteure haben sich teilweise zu einer „Arab Citrus Line" vereinigt, die mit gecharterten norwegischen Dampfern arbeitet. Die Transportkosten sind auf beiden Seiten etwa gleich, so daß sich insoweit kein Konkurrenzmoment ergibt. Die Ueberwachung und Förderung des Orangen-Exports im volkswirtschaftlichen Interesse findet durch das „Citrus Fruit Committee" der Palästina-Regierung statt. Diese Behörde inspiziert die Früchte vor dem Export auf ihre Qualität im Sinne einer „Standardisierung", und hat sich außerdem das Ziel i gesetzt, die Auslandspropaganda für die Jaffa-Orange zu or- ' ganisieren. Zunächst ist diese Werbung vor kurzem in England eingeleitet worden. Dem Vernehmen nach besteht in Regierungskreisen die Absicht, die Werbearbeit einer privaten Propaganda-Gesellschaft zu übertragen. Von jeder zur Ausfuhr gelangenden Kiste erhebt die Regierung V/i Müs für Inspektion und V/2 Müs für Propaganda. Dazu kommen, falls die Verschiffung in Haifa vor sich geht, 2 Müs dortige Hafengebühr („Port-Fee").; Die Früchte, die durch die amtliche Qualitätsprüfung vom Export ausgeschlossen werden oder überhaupt nicht erst so weit gelangen, z, B. Fall-Früchte, fleckige Früchte, mißfarbige Ware usw., fließen entweder direkt dem Inlandsmarkte zu oder nehmen ihren Weg in die Obstverarbeitungsindustrie (Fruchtsäfte, Marmeladen usw.). Neuerdings"verlangt der Inlands- RM 0,593 Millionen (1932: 0,317) -=5%; der Rest verteilt sich auf Kraftfahrzeuge, Fahrräder, Apparate, optische Instrumente, Schreibmaschinen, chemische Produkte, Farben, pharmazeutische Artikel, Leder, Lederwaren, Schuhwerk, Ton-, Porzellan-, Glaswaren, Papier, Papierwaren, Bücher, Schmuck, Holzwaren. Die Einfuhr von Fertigwaren beträgt in Prozenten der Gesamteinfuhr aus Deutschland 95 %, der Rest entfällt auf Rohstoffe (Kohle I), halbfertige Waren, Lebensmittel und Getränke (Bier!)*) Die Leipziger Messe ist zur Förderung einer solchen möglichen Ausweitung des Deutschland-Palästina-Handels in erster Linie berufen. Während der deutsche Einkauf wegen der Einheitlichkeit der agrarischen Produkte Palästinas wenig Schwierigkeiten bietet, verlangt das Geschäft in industriellen Fertigwaren angesichts der Individualität der Erzeugnisse die eingehende Prüfung eines möglichst großen Angebots, um das Neueste, Praktischste, Beste und Preiswerteste auszuwählen. Auf den letzten Messen konnte man mit Bezug auf Laden- und Büroqrtißel die Beobachtung machen, daß der Einkauf für Palästina häufig über Pariser und Londoner Häuser geht, hervorgerufen durch die in Palästina und Syrien erfolgte Gründung und Einrichtung von Einheitspreisgeschäften. Für alles, was sowohl der Einrichtung als auch dem Betrieb solcher Läden *) Vergleiche Spezialartikel auf Seite 6. markt jedoch auch in steigendem Maße seinen Anteil an erstklassiger Ware; das gilt zumal für die neuen Einwanderer, die die Frucht in gleicher Güte zu erhalten wünschen, die sie in Europa gewohnt waren. Auf Kisten umgerechnet, absorbiert der Palästina-Markt ungefähr bis 1 Million Kisten jährlich, rund ein Sechstel der Gesamtproduktion, die sich hiermit auf 6 bis 6lA Millionen Kisten stellt. Orangenplantage Innerhalb der amtlich zum Export zugelassenen Qualität gruppieren sich die Jaffa-Orangen nach vier Größenklassen: 1. Orangen, von denen 240 in eine Kiste gehen, 2. 180 bis 210 Stück pro Kiste, 3. 144 bis 160 Stück pro Kiste, 4. 120 bis 136 Stück pro Kiste. Die Marken, „Brands", sind sehr zahlreich, da Sie Warenzeichen der verschiedenen exportierenden Kooperativen und Einzelfirmen sind. Hinsichtlich der Technik des Verpackens werden Verbesserungen erstrebt, die sowohl pfleglichere Behandlung der Ware als auch Ersparnisse bewirken sollen. In Rechowoth ist in dieser Saison erstmalig eine neuartige Maschine zum automatischen Sortieren der Orangen in Betrieb genommen worden, die gleichzeitig das Einwickeln und Verpacken wesentlich erleichtert. Auch das „laufende Band" bürgert sich ein. Ferner ist soeben von führender Fachseite vorgeschlagen worden, die hölzernen Orangenkisten durch Stahlbehälter zu ersetzen, die das Drei- bis Sechsfache einer Kiste aufzunehmen vermögen, eine einfachere und bessere Beförderung der Früchte gestatten und in zusammengeklapptem Zustande nach Palästina zurückzusenden sind. Sollte dieser Gedanke verwirklicht werden, dann würde sich eine weitreichende technische und kalkulatorische Umwälzung für den Orangen-Export daraus ergeben. 3

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