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Palästina-Nachrichten · 1934-04-01 · Heft 1 (1.4.1934) · p. Seite 2

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Journal
Palästina-Nachrichten
Volume
1 (1934)
Issue
Heft 1 (1.4.1934)
Date
1934-04-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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» Die Orangensaison 1933/34 von Dr. J. Adler, Tel-Aviv Die Saison 1933 34 des palästinensischen Orangen-Exports begann Anfang November, nachdem die früher reifenden Grape-Fruits schon ein paar Wochen vorausgegangen waren. Ungefähr um die Aprilmitte werden die Verschiffungen zum Abschluß kommen. Die Frage des Saisonbeginns hat auch diesmal Kontroversen veranlaßt. Werden die Früchte zu früh, also erst halbreif auf den europäischen Markt gebracht, so ergeben sich leicht Verstimmungen der Konsumenten und davon nachteilige Auswirkungen auf die Preisgestaltung. Daher wjrd, um Konkurrenzmanöver auszuschließen, die Notwendigkeit einer autoritativen "perminbestimmung allgemein anerkannt. Die Palästina-Regierung setzte deshalb als Eröffnungstag der gegenwärtigen Saison den 15. November fest. Da jedoch diese Anordnung zu spät herauskam, blieb sie praktisch bedeutungslos, denn auf Grund bestehender Abschlüsse hatten die Verschiffu/rgen schon eine Woche zuvor eingesetzt. Die amtliche Exportstatistik liegt im Augenblick für die Zeit bis Ende Januar vor.*) ----- Ausfuhr von Jaffa-Orangen (von Saison-Beginn bis Ende Januar): 1932/33 1933/34 Kisten Kisten insgesamt......... 2569637 2 383114 davon nach: Großbritannien .... 1 859208 1 569 813 Deutschland ..... 431 462 460 631 Niederlande ..... 63472 34 660 Schweden...... . 31 784 27508 Kanada ....... 30 781 30291 Dänemark...... 26 978 32 091 Rumänien....... 25823 40312 Norwegen ...... 19075 23506 Belgien........ 16 252 12 969 12 220 13028 Indien und Ostasien . . 11991 7248 Polen......... 7165 h 24074 Aegypten (mit Sudan) . 605 W 2346 Die Verminderung des Gesamt-Exports (bis Ende Januar) gegenüber dem entsprechenden Vorjahrsabschnitt erklärt sich daraus, daß die — nachher recht reichlichen — Regenfälle zunächst sehr spät einsetzten und damit die Reife der Früchte und den Gang der Verschiffung verzögerten. Um so lebhafter haben sich Ernte und Export im weiteren Saisonverlauf entwickelt. So hat der Gesamt-Export bis Ende der ersten Märzwoche bereits über 3* 2 Millionen Kisten erreicht. Im ganzen rechnet man damit, daß die Saison 1933/34 rund 5 bis SYz Millionen Kisten als Exportergebnis aufweisen wird (gegenüber rund 4y2 Millionen in der Vorjahrs-Saison). In der nächstjährigen Saison hofft man auf 6 bis 6J2 Millionen Kisten zu kommen. Die Grape-Fruits-Ausfuhr hat bis Mitte Februar 157 000, die Zitronen-Ausfuhr 'bis dahin 12700 Kisten betragen. Zur bisherigen Marktgestaltung der Orangen sei bemerkt, daß das englische Geschäft (wichtigste Ankunftshäfen und Auktionsplätze: Liverpool, London und Glasgow) bis Mitte Januar unter gedrückten Preisen litt. Seitdem setzte indessen eine wesentliche Erholung ein. Ende Januar notierte London die Kiste mit 9 bis 15 sh, Mitte Februar mit 12 bis 16 sh, und gegenwärtig bewegt sich die Durchschnitts - Notierung um 13 bis \A] 2 sh. Im deutschen Geschäft wurden von Anfang an gute Preise erzielt, die sich auch weiterhin behaupten. Gegenwärtig werden in Hamburg W/2 bis 11J<2 RM, in Bremen 10 bis 12*2 RM pro Kiste gezahlt, was durchschnittlich 18 bis 19 sh entspricht. Durch Stabilität ist das skandinavische Geschäft charakterisiert und läßt auch weiterhin gute Entwicklungsmöglichkeiten erkennen. In beachtlicher Weise hat sich der rumänische Markt, der früher geringere Qualitäten bevorzugte, neuerdings auf erstklassige Ware umgestellt; freilich komplizieren hier Devisenprobleme das Geschäft. Was Kanada angeht, so hat hier die Palästina-Orange eine gute Chance dadurch erlangt, daß ihr für die Monate Dezember bis März die „Imperial Preference" in Form erheblicher Zollvergünstigungen eingeräumt wurde; jedoch konnte dieser Vorteil nicht nach Erwarten ausgenutzt werden, da infolge des starken Sturzes des USA-Dollars die California- und Florida-Orange auf erheblich verbilligter Preisbasis in Konkurrenz traten. Viel •) Vergleiche Seite 9. Interesse findet der lebhafte Aufstieg des polnischen Geschäfts. Ganz unbedeutend, wenn auch anziehend, ist noch der Absatz nach Palästinas Nachbarländern, speziell Aegypten (mit Sudan). Der Grape-Fruit-Export geht zwar stetig, aber nur allmählich aufwärts; der Wettbewerb der amerikanischen Ware ist nach wie vor äußerst fühlbar. England notierte PalästinawGrape-Fruits im ersten Abschnitt der Saison mit etwa 14 bis 20 sh pro Kiste; seitdem ist eine Verbesserung auf 18 bis 24 sh eingetreten. Qie palästinensische Zitrone hat den ausreichenden Ersatz für den russischen Vorkriegsmarkt bis heute noch nicht finden können. Der Absatz der Mandarinen-Produktion begrenzt sich vorläufig im wesentlichen auf den Inlandsmarkt. Der diesjährigen Orangensaison Palästinas kam es zugute,1 daß die spanische Apfelsinen-Ernte durch Frost starke Ausfälle erlitt. Dazu gesellte sich im besonderen die deutliche Umstellung des deutschen Geschmacks von der spanischen zur palästinensischen Frucht überhaupt. Im Hinblick auf den Optimismus betreffs der künftigen Marktentwicklung, den weite Kreise im letzten Jahr durch umfassende Neupflanzungen in Palästina bekundeten, ist ein Versuch der Rentabilitätsberechnung zweifellos von Interesse. Falls ein Dunam tragender „Pardess" bei Selbstarbeit des Besitzers, also Kleinbetrieb, nicht über 65 £, bei fremder Arbeit, also Mittel- und Großbetrieb, nicht über 85 £ an Kapitalinvestierung (Bodenkauf, Anpflanzung, Bearbeitung) kostet und durchschnittlich 100 Kisten jährlich liefert, so läßt sich eine Verzinsung des Anlagekapitals (beim Selbstbearbeiter nach Abzug einer Eigen-Lohnrate) von gut 15% erzielen. Dies stimmt, wenn die europäischen Märkte pro Kiste durchschnittlich 12 sh zahlen, von denen nach Abzug sämtlicher Spesen etwa 3 sh Reingewinn dem Pflanzer zufließen. Die diesjährige Saison hat also bisher ein überdurchschnittliches Resultat geliefert. Natürlich sind außerordentliche Unterschiede nach Qualität und daher Ertragfähigkeit des Bodens, Alter der Pflanzung und seinerzeitigem Bodenkaufpreis nicht zu übersehen, selbstverständlich auch nicht die künftige Marktgestaltung. Die gegenwärtige Orangen-Anbaufläche Palästinas umfaßt rund 200 000 Dunam, davon etwg 120000 Dunam in jüdischem Besitz. In den beiden letzten Jahren sind 50000 Dunam neuer Pardess gepflanzt worden. An geeigneter Fläche (Sand- und Lehm-Gemisch, künstlich bewässerbar) sind in Palästina noch etwa 350000 Dunam vorhanden. Dazu sei erwähnt, daß von 1924 bis heute Palästinas Citrus-Kultur ihren Flächenumfang versechsfacht, an Exportwert jedoch das Zehnfache erreicht hat. Gerade diese Tatsache beweist einerseits den außergewöhnlichen technischen und organisatorischen Fortschritt der palästinensischen Orangenproduktion, läßt andererseits jedoch auch Warnungen vor „monokultureller" Entwicklung laut werden. Zweifellos ist die Gefahr einer infolge fremder Konkurrenz oder handelspolitischer Komplikationen unverwertbaren Ueberproduktion in nächster Zeit wohl noch nicht akut. Hört man aber ernsthaft davon sprechen, daß Palästinas Exportangebot an Orangen in etwa 8 bis 10 Jahren rund 20 Millionen Kisten erreichen werde, und beobachtet man zugleich den Aufstieg der Bodenpreise, der selbst bei gutem Orangenabsatz die Rentabilität künftiger Pflanzungen immer fragwürdiger erscheinen läßt, so ist denen beizustimmen, die eine rechtzeitige Revision der agrarischen Entwicklungsziele Palästinas verlangen. Gemischte Wirtschaft und Obstbau stehen dabei im Vordergrunde. Der Pflanzer soll seinen Boden nicht ausschließlich mit Citrusfrüchten besetzen, sondern für schlechte Zeiten eine Reserve an Nahrungsmittelproduktion für Eigenverbrauch und Inlandsmarkt (Gemüsebau, Geflügelzucht, Milchwirtschaft) behalten. * Innerhalb der Citrus-Wirtschaft selbst gehen Reform^estrebungen dahin, durch Anpflanzung früh reifender Varietäten die Export-Saison, die heute höchstens 200 Tage umfaßt, auf einen größeren Teil des Jahres zu erstrecken. Drei Vorteile würden dadurch erzielt. Erstens entginge man der heute unerträglichen Verkehrsstauung. Gerade in dieser Saison war der Jaffaer Hafen viele Tage lang durch hohen Seegang für den Verkehr so gut wie gesperrt, weshalb nach Haifa nicht nur die Orangen- Transporte Nord- und Mittelpalästinas strömten, sondern zu großem Teile auch die aus Südpalästina. Diesem Ansturm waren weder die Waggonbestände der Eisenbahn noch die Lagerräume und die Verladungseinrichtungen des Haifaer Hafens gewachsen. Das bedeutete viel zusätzliche Kosten, Aerger und Einbuße. Zwar wird gegenwärtig der Bau eines leistungs- 2

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