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Nachrichtendienst · 1928-10-01 · Heft 7 (Oktober 1928) · p. Seite 2

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 7 (Oktober 1928)
Date
1928-10-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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sahrtspflege vor kurzem durch den Tod von Sanitätsrat Tr. Gustav Bradt erfahren hat. Ter Geschäftsführer erstattete einen eingehenden Arbeitsbericht, in dem er besonders auch über die vor dem Abschluß stehende Organisation der Landes- und Provinzialverbände und von den Beziehungen zu den anderen, interkonfessionellen und jüdischen Organisationen berichtete. Sodann wurde beschlossen, mit Rücksicht auf die für das Jahr 1929 geplante große Soziale Woche von einer Mitgliederversammlung abzusehen, jedoch für West- und Süddeutschla^r eine Bezirkswöhlfahrtstagung voraussichtlich im März oder April in Frankfurt a. M., für Nord- und Ostdeutschland eine gleiche Tagung im Herbst 1929 in einer mittel- oder norddeutschen Stadt zu veranstalten. Beide Sitzungen sollen mit Zusammenkünften des geschäftsführenden Vorstandes, eine von beiden voraussichtlich auch mit einer solchen des Gesamtvorstandes verbunden werden. Frau Wronsky und Dr. Ollendorff berichteten sodann von den Ergebnissen der Sozialen Konferenzen in Paris im Juli 1928. Dabei wurde mitgeteilt, daß die in Paris gebildete Kommission zur Vorbereitung näheren Kontakts der jüdischen Sozialarbeiter demnächst zusammentreten wird. Der Vorstand nahm hierauf zustimmend Kenntnis von der vom Januar kommenden Jahres ab geplanten Herausgabe einer zweimonatlich erscheinenden „Zeitschrift für jüdiiche Wohlfahrtspflege" durch die Zentralwohlsahrtsstelle. Es wurde auch bei diesem Anlaß an alle Landes¬ und Provinzialverbände die dringende Bitte um regste Mitarbeit an der neuen Zeitschrift ausgesprochen. Bei dem Bericht über die soziale Wohlfahrtsr e n t c konnte mitgeteilt werden, daß bisher über 575 Anträge bewilligt worden sind, und daß in allen beim Oberausschuß noch schwebenden Anträgen die Zentralwohlfahrtsstelle eingehende Begründungen der Einsprüche gegen die Ablehnungen in erster Instanz gegeben hat. Ferner wurde Kenntnis gegeben von den inzwischen zum Abschluß gelangten Verhandlungen über eine Vorauszahlung auf die soziale Wohlfahrtsrente. Der geschäftsführende Vorstand beschloß im Anschluß hieran einstimmig die Bildung eines Ausgleichsfonds. Tic Einzelheiten sowohl über die Vorauszahlung wie über beit Ausgleichsfonds sind inzwischen den Beteiligten und den Landes- und Provinzialwohlfahrtsvcrbänden sowie den größten örtlichen Zentralen durch besondere Rundschreiben mitgeteilt worden. Ein von Fräulein Karminski erstatteter Bericht über die Münchener Konferenz zur Bekämpfung des Mädchenhandels im September 1928 wurde entgegengenommen. Schließlich fand eine eingehende Aussprache über den Stand der Reform der Fürsorgeerziehung statt. Nachdem nunmehr alle Schwierigkeiten, die dem Beginn des Baues der neuen Fürsorgecrziehungsanstalt für schulentlassene Knaben entgegenstanden, überwunden sind, kann mit der beschleunigten Durchführung der Gesamtreform der Fürsorgeerziehung durch den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund gerechnet werden. Der Bund der jüdischen Kranken- und Pslegeanstalten Deutschlands hat seine Geschäftsstelle vom Wohlfahrtshaus, Berlin N24, Oranienburger Straße 13/14, nach der Geschäftsstelle der Zentralwohlsahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantftraßc 158, II, Telephon Amt Bismarck 1064/65, verlegt. Den Vorsitz hat wie bisher Herr Rechtsanwalt Dr. Philipsborn, N 24, Oranienburger Straße 13/14 pt. Geschäftsstelle des Sozialen Ausschusses des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes. Personalveränderungen: Als Vertreter von Herrn Hans Andorn ist Herr Heinz Graupe bestellt worden. An die Stelle des nach Frankfurt am Main berufenen Herrn Rabbiner Dr. Max Köhler ist Herr Selig Auerbach getreten. Zentralisierung der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege in Frankfurt a. M. Die Bestrebungen zur Zentralisierung der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege in Frankfurt a. M. haben jetzt einen weiteren bedeutsamen Erfolg zu verzeichnen. Die im Hause Langestraße 30 arbeitenden Organisationen der offenen Wohlfahrtspflege: Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege, Almosenkasten der Israelitischen Gemeinde, Israelitischer Hilfsverein E. V., Weibliche Fürsorge, haben sich zu einer Stelle, der Jüdischen Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M., zusammengeschlossen, um fortan die offene Wohlfahrtspflege einheitlich durchzuführen. Auch die Tätigkeit der Wirtschäftsbeihilfe wird auf die neue Organisation übergehen, nachdem die Wirtschaftsbeihilfe den Beschluß gefaßt hat, ihre Arbeit einzustellen. Herr Rabbiner Dr. I. Horovitz hat den Ehrenvorsitz der neuen Organisation übernommen, während der Vorsitz Herrn Julius Bloch übertragen worden ist. Der Vorstand besteht außerdem aus den Herren: Wolfgang Auerbach, San.-Rat Dr. A. Ettlinger, Heinrich Gerlich, Bürodirektor I. Meyer, Rechtsanwalt Julius Simon, David Weill, Julius Werner, den Damen: Johanna Baer, Lulu Bloch-Neustadt, Stefanie Forchheimcr, Therese Freimann, Paula Frenkel, Paula Nassauer. Vorstandssitzung des Provinzialverbandes für jüdische Wohlfckhrtspslege Brandenburg. Am 14. Oktober d. I. fand in den Räumen der Zentralwohlfahrtsstelle eine Vorstandssitzung des Provinzialverbandes Brandenburg statt. Es wurde vom Vorsitzenden, Rabbiner Tr. Salomonski, mitgeteilt, daß die Geschäftsstelle an das Büro der Zentralwohlsahrtsstelle angegliedert worden ist und die laufenden Arbeiten von einer hauptberuflich tätigen Fürsorgerin ausgeführt werden. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht ist folgendes zu entnehmen: In der Zeit vom 1. Januar bis Ende September d. I. hat der Provinzialverband 62 Fürsorgefälle bearbeitet, davon 17 Fälle der Gesundheitsfürsorge, 10 Fälle der Jugendfürsorge und 35 Fälle der Wirtschaftsfürsorge. Von diesen 62 Fürsorgefällen wurden in 22 Fällen auch finanzielle Beihilfen vom Verband gewährt, während es in den übrigen Fällen gelang, die notwendigen Mittel von anderen Hilfsorganisationen, Behörden, Verwandten u. a. zu beschaffen. Die praktische Arbeit hat gezeigt, daß eine durchgreifende Hilfe in einer großen Reihe von Fällen nur dann zu leisten ist, wenn den niedergebrochenen Existenzen durch Kreditgewährung wieder aufgeholfen werden kann. Es wurde daher der Beschluß gefaßt, Vorarbeiten für die Begründung einer gemeinnützigen Darlehnskasse beim Provinzialverband zu treffen. Die nächste Mitgliederversammlung ist für Ende Januar ins Auge gefaßt. Tagung des Sozialen Ausschusses für jüdische Wohlsahrkspfkege in Westfalen. Am 25. November fand in Bielefeld eine Tagung des Sozialen Ausschusses für jüdische Wohlfahrtspflege in Westfalen unter starker Beteiligung einer ganzen Reihe westfälischer Gemeinden und Vereine unter dem Vorsitz von Herrn Rabbiner Dr. Kronheim statt. Nach einer Begrüßung der Erschienenen durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Katzenstein erstattete Dr. Kronheim den Geschäftsbericht für das verflossene Halbjahr. Erfreulicherweise konnte er feststellen, daß sich die Organisation des Sozialen Ausschusses in dieser Zeit erheblich gefestigt hat, fast alle Gemeinden beigetreten sind und auch die Beiträge befriedigend einlaufen. Der Soziale Ausschuß war in der Lage, in einer ganzen Reihe von Notfällen in ganz kleinen Gemeinden einzugreifen, insbesondere ergänzende Beihilfen zu den z. T. sehr geringen öffentlichen Fürsorgeleistungen

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