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Nachrichtendienst · 1928-06-01 · Heft 5 (Juni 1928) · p. Seite 10

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 5 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Aussprache brachte klar zum Ausdruck, daß sämtliche Rabbiner für die soziale Arbeit gewonnen werden müßten. Die Ausbildung von „Sozialrabbinern" sei als eine der wichtigsten Aufgaben für Gegenwart und Zukunft zu erachten. An sich dürfte es kein Gebiet der Wohlfahrtspflege geben, in welchem nicht der Rabbiner mitarbeitet. Der Fülle des Stoffes wegen sei allerdings neben einer allgemeinen Einführung in die gesamte Arbeit, Beschränkung auf einige besonders dringende Spezialgebiete wünschenswert. Für die Einführung der jungen Rabbiner und Rabbinatskandidaten in die soziale Arbeit wurden zahlreiche Anregungen gegeben, u. a. die Abhaltung von Kursen über spezielle Arbeitsgebiete in regelmäßigen Zeitabschnitten, die Aufstellung von Richtlinien und Merkblättern, z. B.: „Was muß der Rabbiner von sozialer Arbeit wissen?", die Ergänzung der theoretischen Arbeit durch die Praxis, eventuell in der Form einer Betätigung der jungen Rabbiner als Assistenten von Großstadtrabbinern. Neben der Gefängnis - und Krankenhausfürsorge und der Frage der Vor- und Ausbildung des Rabbiners für die soziale Arbeit waren es aber auch spezielle Aufgaben der Jugendfürsorge, außerdem Fragen der Bodenreform und Wohnungspolitik, der Studentenseelsorge, der Mitarbeit der Rabbiner in den Jugendämtern, sowie Fragen innerorganisatorischer Art, welche in der Sitzung beraten wurden. Eine Vollsitzung des Sozialen Ausschusses fand Ende Juni statt. In dieser Sitzung wurden praktische Fragen der Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge und -sürsorge beraten und bestimmte Richtlinien für den Ausbau der Arbeit aufgestellt. In der Sitzung waren zahlreiche Rabbiner und auch Vertreter von Wohlsahrtsorganisationen zugegen. Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands. Am außerordentlich interessant verlaufenen 8. ordentlichen Verbandstag des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands E. V. vom 2.-5. Juni in Hannover haben für die Zentralwohlfahrtsstelle der Geschäftsführer und Frl. Weinreich teilgenommen. Deutscher Caritastag 1928. Bei dem Deutschen Caritastag 1928 in Dresden hat der Geschäftsführer die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Judetl vertreten. der sozialen Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlafsenenfürsorge. Es wurde über den Stand der Arbeiten der Arbeitsgemeinschaft Jüdische Gefährdetenfürsorge und des Sozialen Ausschusses des Rabbiner-Verbandes, sowie der jüdischen Wohlfahrtsämter Berlin, Hamburg und Altona berichtet. Es bestand Einmütigkeit über die Notwendigkeit gegenseitiger enger Zusammenarbeit zwischen der Seelsorge der Rabbiner und der Fürsorge der Wohlfahrtsämter. Deutscher Verband für Schulkinderpflege. Die Z. W. St. war auf der in München im Juni veranstalteten Tagung des Deutschen Verbandes für Schulkinder pflege und den damit verbundenen Vorstands- und Ausschußsitzungen durch den Geschäftsführer vertreten. Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen Fragen der Ernährungs- und Erholungsfürsorge. In der Ernährungsfürsorge wurde insbesondere allseitig die unbedingte Notwendigkeit der Fortsetzung der Schulspeisungen unter gewissenhafter Auswahl nach ärztlichen und sozialen Gesichtspunkten betont; in der Erholungsfürsorge wurden auf Grund eines Referats von Dr. Marie Baum-Heidelberg erneut die Schwierigkeiten und Möglichkeiten einer rationelleren Ausnützung der Heime erörtert, ferner das Verhältnis der örtlichen Erholungsfürsorge zur Heimunterbringung. Hervorzuheben ist aus der Aussprache, daß besonderer Wert auf die enge Zusammenarbeit mit den Versicherungsträgern, insbesondere den Krankenkassen, und mit der Jugendbewegung gelegt wurde. In der Vorstandssitzung des Verbandes wurde auf Antrag von Dr. Ollendorff die Zuwahl einer jüdischen Frau in den Verbandsausschuß in Aussicht genommen. Im Zusammenhang mit der vorstehend erwähnten Münchener Tagung fand auf Einladung des Wohlfahrtsamts der jüdischen Gemeinde München eine vom Gemeindevorsitzenden Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer geleitete, zahlreich besuchte Versammlung in der Münchener jüdischen Wohlfahrtsarbeit stehender Männer und Frauen statt, in der der Geschäftsführer der Z.W.St. über die gegenwärtigen Arbeiten auf den verschiedenen Gebieten berichtete. An den Vortrag schloß sich eine sehr rege Aussprache, aus der das warmherzige Eintreten von Justizrat Dr. Eli Straus für die Schaffung jüdischer Jugend- und Gemeindeheime, sowie die Zustimmung zu der von der Z.W.St. eingeleiteten Reform der Fürsorge für jüdische Nerven- und Geisteskranke besonders hervorgehoben seien. Deutscher Verband der Sozialbeamtinneu. Deutscher Reichszusammrnschluß für Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenenfürforge. Aus der ersten Hamburger Tagung des R e i ch s z u - sammenschlusses für Gerichtshilfe, Gefangenen- und Entlassenensürsorge am 30. Juni waren die Z.W.St. und die Arbeitsgemeinschaft Jüdische Gefährdetenfürsorge vertreten durch den Geschäftsführer und Herrn Rechtsanwalt Dr. Lamm, der auch für das Wohlfahrts- und Jugendamt der Jüdischen Gemeinde Berlin teilnahm. Ueber die Tagung wird ausführlich in den Monatsblättern des Reichszusammenschlusses berichtet, von denen wir annehmen, daß sie von den meisten unserer Stellen regelmäßig bezogen werden. So seien an dieser Stelle nur erwähnt die beiden bedeutsamen Referate von Geh. Rat Prof. Dr. Frcudenthal-Frankfurt a. M. über „Erfahrungen auf dem Gebiete des amerikanischen und englischen Strafvollzuges", die er auf einer längeren Studienreise gewonnen hat, und von Geh. Rat M a h l i n g - B e r l i n über „Motive zur Anteilnahme an der Gefangenen- und Entlassenenfürforge." Besonders hervorzuheben ist sodann noch ein interessanter Bericht des auf der Tagung zum Ehrendoktor promovierten Generalsekretärs Pastor Seyfarth über „25 Jahre Tätigkeit des Deutschen Hilfsvereins für entlassene Strafgefangene in Hamburg". Am Nachmittag des ersten Verhandlungstages versammelten sich die jüdischen Teilnehmer der Tagung mit einigen in der Hamburger, Altonaer und Wandsbecker jüdischen Wohlfahrtspflege tätigen Persönlichkeiten zu einer eingehenden, von .Herrn Rabbiner Dr. Italiener-Hamburg geleiteten Sonderbesprechung über die jüdische Arbeit auf dem Gesamtgebiet Die diesjährige Tagung des Deutschen Verbandes derSoziallbeamtinnen, die unter Teilnahme weitester Kreise im Juni in Königsberg stattfand, stand unter dem Gedanken: „W ohlfahrtspflege als S P a r m a ß n a h m e". Den grundlegenden Vortrag über Planwirtschaft in der Wohlfahrtspflege hielt Stadtrat Dr. Muthesius-Berlin. Nach einleitenden Bemerkungen, daß die Fürsorgerinnen selbst auf die Gestaltung der Wohlfahrtspflege wesentlichen Einfluß besitzen, führte er aus, daß Planwirtschaft in der Wohlfahrtspflege umfassen muß: 1. Planmäßige Gesetzgebung als Voraussetzung für planwirtschaftliche Verwaltung. 2. Planwirtschaft in der Verwaltung als Voraussetzung für die Gestaltung der Einzelarbeit. 3. Sinnvolle Arbeit der Fürsorgerinnen selbst. Bisher konnten wir nur primitivste Notstands-, nicht allgemeine Wohlfahrtspolitik treiben. Erforderlich ist insbesondere eine bessere Anpassung bei der Schaffung von Einrichtungen an den wirklichen Bedarf. Es ist ein bedenklicher Zustand, wenn Kindererholungsheime halb leer stehen, dagegen für die ebenso notwendige Müttererholung nicht ausreichend Einrichtungen vorhanden sind. Bei der Verteilung der Arbeitskräfte müssen die Fürsorgerinnen in leitender Stelle Mitwirken. Sie dürfen nicht auf die Außenarbeit allein verwiesen werden. Dezernatsmäßig müssen alle Wohlsahrtsgebiete in einer Hand vereinigt sein. Die Ausgestaltung der Familienfürsorge ist unerläßlich. Die Arbeitskräfte selbst müssen sich darüber klar sein, daß die Spannung zwischen Verwaltung und Fürsorge ganz natürlich begründet und daß die Fürsorgerin die Trägerin einer der

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