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Nachrichtendienst · 1928-06-01 · Heft 5 (Juni 1928) · p. Seite 4

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Journal
Nachrichtendienst
Volume
1928
Issue
Heft 5 (Juni 1928)
Date
1928-06-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 gen in Baden am 17. Juni im Saale der Carl-Friedrichs-Loge zu Karlsruhe einen „Wohlfahrtstag", der aus ganz Baden guten Besuch aufwies. Der Vorsitzende des Bundes, Herr Adolf Mann-Karlsruhe, der die Erschienenen herzlich willkommen hieß und des 10jährigen Bestehens des Bundes gedachte, begrüßte vor allem die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden und der charitativen Vereinigungen. Nachdem er dann der Toten des Vereins gedacht, zu deren Ehren sich die Versammlung von den Sitzen erhob, und allen Mitgliedern und Förderern des Bundes gedankt hatte, folgte die Ansprache von Stadtrabbiner Dr. Schiff- Karlsruhe. In seinem Rückblick auf die Geschichte des Bundes betonte er u. a., daß man es dem Verständnis des Badischen Oberrats und der Synode, die 15000 Mark für das Jahr bewilligte, zu danken hatte, wenn der Rat von einst in die helfende Tat umgesetzt werden konnte. Nur sollte man künftig die Arbeit des Wohlfahrtsbundes aus noch breitere Basis stellen, sowohl in sozialethischer wie sozialpolitischer Hinsicht. Professor Dr. Stein-Karlsruhe dankte namens des Oberrats dem Wohlfahrtsbund für sein Wirken in den 10 Jahren. Möchte er in Zukunft nicht nur Unglück wieder gut machen, sondern vorbeugend verhindern, und wirken können in sozialer Universalität ohne Ansehen der Person und Konfession. Dr. Fichtel vom Städtischen Fürsorgeamt Karlsruhe sprach dem Bunde in dessen Namen wie namens des verhinderten Oberbürgermeisters, der Stadtverwaltung und der privaten Fürsorge Dank und Anerkennung aus. Frl. W e i n r e i ch von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden (Berlin) überbrachte deren herzlichsten Glückwunsch. Danach nahm Frl. Fenchel, die Geschäftsführerin des Badischen Bundes, das Wort zu ihrem Vortrage über „N e u e Wege auf dem Gebiete der Wohlfahrtspfleg e". Die ebenso orientierenden wie fesselnden Ausführungen, die wir (wie auch das weitere Referat) aus räumlichen Gründen nur kurz streifen können, gingen davon aus, daß „Hilfä zur Selbsthilfe" hier das Ziel sei. Nicht mit billigem Mitleid, sondern rationell müsse geholfen werden. Genaueste soziale Diagnose und soziale Therapie sind die Mittel hierzu, d. h. soziale Heilbehandlung im Verein mit den ehrenamtlichen Helfern und bei taktvollstem Vorgehen. — Besonders eindrucksvoll war das Referat dex Leiterin des Israelitischen Wohlfahrtsamtes Mannheim, Frau N eter, über „Die Fürsorgepslichtv erordnung und die freie Wohlfahrtspflege". In seiner aus der Not der Nachkriegszeit geborenen Fürsorgepflichtverordnung erkenne der Staat die freie Fürsorge als gleichberechtigt neben seinen Fürsorge- Institutionen an. So gelte es, mehr denn je planmäßig zusammen zu arbeiten. Aber nicht hinter Paragraphen wolle man sich verschanzen, sondern wir in der Freien Wohlfahrtspflege müssen über das Gesetzmäßige hinauswachsen und durch unsere Arbeit das ausgleichen, was auch die bestausgebaute staatliche Fürsorge noch übrig läßt. Es gilt, unseren Besitz so weise zu verwalten, daß wir gewähren können, was die Gerechtigkeit und Liebe von uns fordern. Im zweiten Teil der Tagung gab die Geschäftsführerin Ergänzungen zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht. Es schloß sich eine fast zweistündige Aussprache über Wanderfürsorgc, die Not der auf dem Lande lebenden Juden und vor allem auch über Fragen der produktiven Fürsorge, Errichtung von Darlehnskassen u. a. an. Hervorgehoben sei noch, daß aus Heidelberg gewählt wurden: Als Vorstandsmitglieder Frau Holland und Herr Max Meyer, in den Wohlfahrtsrat Herr Bernh. Marx, Lissi Fisch, Fr. G. Gutmann, Frau Baurat Oppenheimer. Ferner wurde noch Frau Geismar- Freiburg an Stelle von Frau Zivi-Lang in den Wohlfahrtsrat gewählt. Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg. Auf der im Juni in Bamberg stattgehabten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, die in erster Reihe der Beratung und Verabschiedung der Satzung des Reichsverbandes, sowie des Etats des Bayerischen Landesverbandes galt, wurden auch eine Reihe von Referaten über Gebiete der Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik gehalten. Dr. Werner (München) stellte das Problem der Siedlung den Zuhörern dar, indem er an Hand der Statistik die Nachteile der Zusammendrängung der Juden in den Städten und in den geistigen Berufen für die körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Kräfte darlegte und den Ausweg in einer Rückkehr zur Natur und zur Bodenbearbeitung zeigte. Auf eine Anregung aus der Tagung sagte die Verbandsleitung zu, daß der Siedlungsfrage auf der nächsten Tagung breiterer Raum zur Besprechung Vorbehalten bleiben solle. Ferner fand der von R.-A. Dr. Straus begründete Entwurf einer Vorlage betreffend die Uebernahme der Alters- und Hinterblieüenenversorgung von Gemeindebeamten auf den Verband die Zustimmung der Versammlung. Dieser Beschluß ist von erheblicher Bedeutung für die Gemeinden, die Nichtreichsdeutsche Beamten haben, da diese in den staatlichen Versorgungsverband nicht ausgenommen werden. Die Versorgungslasse ist zunächst für diese nichtdeutschen Beamten bestimmt, doch hat sich der Verband das Recht Vorbehalten, die Versorgung auf reichsdeutsche Beamte auszudehnen. Ueber die mannigfachen Arbeitsgebiete der Z.W.St. und die Probleme, die zu einer Lösung drängen, sprach Dr. Ollendorff, über die Wohlfahrtsarbeit des bayerischen Verbandes Fräulein Dr. Strauß mrd Fräulein Katzenstein. Ausschutzfitzung des Sachfrsch-Jfraelitifchen Gemeindeoerbandcs in Dresden. In der letzten Sitzung im Juni, über welche im „Mitteilungsblatt" berichtet wird, wurde auch über Fragen der Wohlfahrtspflege beraten und u. a. mitgeteilt, daß das sächsische Justizministerium dem Anträge des Verbands-Vorstandes entsprochen hat, nach welchem mit der Seelsorge in den Gefangenenanstalten die ortszuständigen Rabbiner und Prediger in Zukunft betraut werden. Der neue Etat des Gemcinoeverbandes sieht für Zwecke der Gefangenenfürsorge Mk. 800.— vor. Als Beitrag für die Zentralwohlfahrtsstelle wurde ein Betrag von 10 Psg. auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung Sachsens bestimmt. Außerdem wurde ein Betrag für die Jüdische Tuberkulosefürsorge bewilligt. An die Ausschußsitzung schloß sich eine Sitzung der Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderfürsorge an. Allgemeine Wohlfahrtspflege und sozialpolitische Grenzgebiete Hilfswerk für die bulgarischen Juden Aufruf! Die bulgarischen Juden sind durch das Erdbeben vom 14. und 18. April schwer heimgesucht worden. In Philippopel, Tschirpan, Bazardjik, im ganzen Marizagebiet, hausen die Opfer der Katastrophe im Freien. Ein Drittel der jüdischen Bevölkerung Bulgariens ist obdachlos und erwerbslos geworden. Die Regierung und die jüdischen Gemeinden Bulgariens bieten alles auf, um dem furchtbaren Elend abzuhelfen. Die hereingebrochene Not übersteigt aber die Kraft des Landes. Neben der unmittelbaren Notstandsaktion für die obdachlosen Familien, die Hungernden und Frierenden, die Tausende herumirrender Kinder, die in Baracken zusammengepferchten Verwundeten und die an epidemisch ausgebrochenem Scharlach und Typhus Darniederliegenden besteht eine nicht weniger dringende Aufgabe, die vernichteten Existenzen wieder aufzurichten. Es tut not, die Wohnstätten, die Krankenhäuser, die Schulen und die Synagogen wieder aufzubauen und vor allem, Erwerbsmöglichkeiten zu schaffen. Die bulgarischen Juden haben sich in ihrer großen Sorge an den Hilfsverein der Deutschen Juden

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